Alles umsonst, auch hier war keine Arbeit mehr zu erhalten, da der Zudrang zu groß und das nöthige Arbeitsgeräthe fehlte. Mißmuthig bestiegen wir am Abend zur Rückreise das Schiff mit dem Beschlusse, wenigstens das Fahrgeld vom Agenten restituiren zu lassen, da es unverzeihlich war, uns hierher zu schicken, wo kein Unterkommen mehr zu finden war.
Eher noch, als zur bestimmten Zeit, trat ich den Weg zum Agenten an, um Einer mit von den Ersten zu seyn, die Einlaß fänden. Auf der Treppe ruhend, notirte ich soeben ins Tagebuch, was mir Merkwürdiges begegnet war, als ein Geräusch mich störte, und welch’ unverhoffte Erscheinung stellte sich mir dar? Der Landsmann St. stand vor mir. Er gab an, auf einer Reise zu seinem Onkel nach Ostindien begriffen, sey er um einen Tag zu spät in Hamburg eingetroffen, wo das bestimmte Schiff schon fort gewesen sey. Doch einmal hier, und den Dienst aufgegeben, habe er eine sich darbietende Gelegenheit benutzt, und die Reise nach Amerika mit unternommen. Umsonst war auch sein Bemühen, auf die Feder ein Unterkommen zu finden und er suchte jetzt hier, gleich mir, nach dem, was sich bieten würde.
Auch ihm ward der Bescheid, da wo wir gestern waren, mit Hand ans Werk zu legen, und eben im Begriffe die Reise anzutreten, erfuhr er von mir, was uns dort begegnete. Was kann es weiter helfen, dachte er bei sich selbst, als ihm von Neuem angetragen ward, ein Schiff mit auszuladen, ist auch das Seil am Krahne weit härter als die Feder, so bleibt doch keine Wahl. Was wurde aber mir, auf Bitten und Begehren, für ausgelegtes Geld und unverrichtete Sache? Nichts weiter als Entschuldigungen aller Art, Ermahnung zur Geduld, und wegen leerer Kasse eine Bibel, die mir als Geschenk zugestellt wurde. — In dieselbe habe ich die Zeit, den Ort und die Ursache dieser Gabe aufgemerkt, und bin ich längst nicht mehr, so mag sie bis in die spätesten Zeiten die goldnen Worte auf meine Nachkommen übertragen: „Bleibet im Lande und nähret Euch redlich!“
Der Glaser R. fand jetzt durch Vermittelung eines Mäklers bei einem Schreiner ein Unterkommen, da dessen Geschäft hier nicht als selbstständig besteht, und die Glaserarbeiten von den Erstern mit gefertigt werden. Doch das Glück war von kurzer Dauer, da nach Verlauf der ersten 14 Tage schon, wo der schlaue Amerikaner sich von der Geschicklichkeit seines Gehülfen überzeugt hatte, jener diesen zu bestimmen suchte, für einen billigen Lohn auf längere Zeit sich zu verpflichten; da dieser aber in einen solchen Antrag nicht eingehen konnte, weil dabei mehr zu verlieren als zu gewinnen war, so erhielt er auch für die gefertigten Arbeiten nichts, indem der Meister vorgab, daß Letzterer selbst den Kontrakt gebrochen, indem er vor Ablauf des Vierteljahres die Werkstelle verlassen wolle. Was sollte der Sprachunkundige machen, wie beweisen, daß von einem Vierteljahr-Verband keine Rede gewesen sey? Geduldig mußte er sich das Prello gefallen lassen, und mit langer Nase abziehen. —
Endlich leuchtete uns ein günstiges Gestirn. Unser braver Landsmann, Louis Hallbauer, brachte meinen Neffen mit zu seinem Meister, dessen Geschäft als Bäcker sich vergrößert hatte. Mir selbst wurde durch dessen Vermittelung in der Kupferfabrik des John Benson auf der Insel Brooklyn eine Stelle, und etwas später wurde der arme geprellte Glaser unter die Casserol-Bursche eines französischen Kochs aufgenommen und in dessen unterirdische Küche verbannt.
Eine neue Lehrzeit begann; denn war ich in der alten Heimath selbst Meister in meinem Geschäfte, so mußte doch hier Vieles anders behandelt werden, als bei uns, verschiedene Handgriffe fanden Statt, und besonders erlaubten die mannigfaltigen Maschinen, welche in Anwendung kommen, und das gute Kupfer selbst die verschiedenartigsten Manipulationen des Letztern. Einigen Vierzig Arbeitern wurde es möglich, bei zweckmäßiger Einrichtung des Lokals und allem möglichen Werkzeug, in acht Tagen mehr zu fertigen, als solches hundert Mann in gleicher Zeit bei uns im Stande seyn würden. —
Bis unters Dach der Fabrikgebäude hoben zweckmäßige Maschinen die schweren Kupfertheile, oder ließen die noch schwerern zusammengesetzten fertigen Stücke auf die unten angefahrenen Wagen hinab. Arbeiten, welche man bei uns, der Erschütterung halber, nicht gern über einem Kellergewölbe fertigen würde, werden hier ohne Bedenken im dritten Stock auf den Balkenlagern gemacht. Eben so sind in jeder Etage Blasebälge mit den nöthigen Feuerheerden auf den Dielen erbaut, ohne daß es Jemandem einfallen würde, dieses feuergefährlich zu finden. Man läßt hierin Jeden nach seiner eigenen Ansicht und Willen handeln, wenn solches auch gefahrdrohend für das Ganze seyn sollte, und stellt dergleichen Fälle mit unter die Kategorie der gepriesenen Freiheit. —
Vorzüglich sind es große Utensilien in die Zuckersiedereien der südlichen Staaten, welche gefertigt werden, desgleichen Dampfkessel, Branntweinblasen, Schlangenröhre, wie überhaupt Alles, was man mit dem Namen: große Arbeit belegt. Das kleine kupferne Hausgeräthe verfertigen in Amerika die Klempner, welche außer Messing, Weißblech, Schwarzblech und Zink, auch Kupfer verarbeiten. Ueberhaupt ist das Geschäft der Klempner eines der besten in Amerika, das überall betrieben wird.
Bei Anfertigung der Brennerei-Geräthschaften fand ich nichts, was wesentlich von unseren alten Brennerei-Geräthschaften abgewichen wäre. Blase, Helm und Kühlschlange, sind die einfachen Stücke, woraus solche bestehen. Die mehr zusammengesetzten großen Dampfapparate liefern zwar unmittelbar aus der Maische ein starkes Produkt, solches ist aber nicht rein von Geschmack, indem die Konstruktion so ist, daß sie keine Reinigung der einzelnen Theile zuläßt. Der Branntwein wird daher meistens von Destilateuren nochmals abgezogen und kommt so erst in den Handel. Demnach glaubte ich, mit Einführung Schwarzischer Brenn-Apparate Geschäfte machen zu können, wenn ich erst mehr und mehr der Sprache mächtig und mich mit den wesentlichsten Einrichtungen der amerikanischen Brennereien bekannt gemacht haben würde.
Die Landessprache ist hier durchaus die Seele aller Unternehmungen, und so lange man deren nicht mächtig, und gleichsam den Deutschen, welchen man in keiner Art etwas zutraut, verleugnen kann, so finden alle besseren Angaben kein Gehör, wie ich leider! mehrmals zu erfahren Gelegenheit hatte, und zwar bei Anempfehlung einzelner Theile Schwarzischer Apparate. Demgemäß verhielt ich mich jetzt ganz ruhig, und ging mit meinem Projekte noch nicht hervor, merkte auf Alles was hier gefertigt wird, zeichnete zum einstigen Selbstgebrauch die zweckmäßigsten Maschinen ab, und ersparte mir, durch Selbstbeherrschung und wenigen Bedarf, hübsches Geld.