So gern ich auch den Wahl-Akt in New-York abgewartet hätte, um mit anzusehen, wie man sich dabei die Köpfe blutig schlägt, so säumte ich mit dem Antritte meiner Reise doch nicht, da bei vorgerückter Jahreszeit die Kanäle leicht zufrieren und die Benutzung derselben für mich verloren gehen würde.
Eins der größten Dampfschiffe, das die Fahrt nach Albany machte, nahm mich, am 3. dieses Monats mit auf, welcher schwimmende Pallast in allen Theilen großartig ausgeführt, Einen schnell und bequem von hinnen trägt. Erstaunt und voll Bewunderung steht man da bei Beschauung der merkwürdigsten und nützlichsten Erfindung neuerer Zeit. Theils die großartige Maschinerie, welche dieses kasernenähnliche Gebäude ohne Segel stromaufwärts die Fluthen durchschneiden läßt, theils die prachtvolle Einrichtung dieses schwimmenden Hôtels selbst, welches alle Bequemlichkeiten des Menschen in sich trägt, nehmen die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Auf dem Verdeck, welches mit einer Gallerie umgeben ist, tragen gefällige Säulen ein Dach, um vor den Sonnenstrahlen und Regen geschützt, im Freien verweilen zu können; wem es hingegen beliebt, unbeschirmt, ganz im Freien zu lustwandeln, findet dazu einen Raum auf dem Dache selbst.
Zwei schöne, mit geschmackvoll gearbeitetem Geländer versehene Treppen führen in die untern Räume, wo alle Möbeln, Thüren und Tafelwerk der Wände von polirtem Mahagoniholz gefertigt sind. Die Fußböden und Treppen sind mit den schönsten Teppichen belegt. Am brillantesten aber sind die Kajüten für die Damen dekorirt, wo das holde Angesicht der Schönen tausendfach widerstrahlt, da alle Räume zwischen den Fenstern mit Spiegelglas ausgelegt sind. Rothseidene Gardinen wallen vor den Glasthüren und hemmen den Blick in dieses Zaubergemach, wo hinein kein Mann Zutritt findet. Nicht weniger schön ist ein zweites Zimmer, wo die Herren dem schönen Geschlechte ihre Aufwartung machen dürfen.
Längs der Wände befinden sich die Schlafstellen mit vortrefflichen Betten und allen erdenklichen Bequemlichkeiten, desgleichen die Ankleidestübchen, worinnen alle Erfordernisse der Toilette sich befinden.
Zwischen den Damen-Kajüten und der Dampfmaschine befindet sich der große Speisesaal, geräumig genug, um 200 Personen aufzunehmen, der durch das einfallende Licht der Fenster vollkommen erhellt wird. An den Wänden hängen, symmetrisch geordnet, die verschiedenartigsten Adressen von dem handeltreibenden und produzirenden Publikum, worunter Empfehlungen der auf das Beste eingerichteten Gasthäuser nicht fehlen. Doch um solche Anzeigen auffallender zu machen und die Aufmerksamkeit möglichst zu erregen, sind sie in der Regel mit goldenen Rahmen eingefaßt, auch mitunter auf Seide, andere wieder mit bunter Schrift gedruckt. — An Lesezimmern, wie auch an Badestübchen fehlt es nicht. — Die Küche, die Gemächer der Schiffsmannschaft, der Mechaniker, Matrosen, Köche, Mägde und Bedienten, sind mehr abseits angebracht.
Ueber 200 Reisende waren am Bord, alle nobel gekleidet und ein Ton vorherrschend, daß man glauben sollte, hier mehr unter einer geladenen Gesellschaft sich zu befinden, als unter vom Zufall zusammengeführten Reisenden.
Das unangenehme Schaukeln des Segelschiffes ist hier auf dem Dampfboote weniger fühlbar, da solches von Ufern begrenzt, weniger mit Wind und Wellen zu kämpfen hat, und würde man nicht durch das Geräusch der Dampfmaschine, so wie durch das Plätschern der großen Wasserräder an beiden Seiten des Schiffes erinnert, daß man auf dem Wasser sey, so würde man leicht vergessen, wo man sich befände.
Die schönste Witterung begünstigte die Fahrt, und mit wahrem Vergnügen drang ich in das Innere des Landes ein. In verschiedenen Gruppen placirten sich viele Passagiere auf das Verdeck, um bei heiterer Luft die Reize der Natur zu genießen. — Die weißgrauen Kalkfelsen-Ufer sind meist schroff und mit Tannen und Eichen bewachsen, und gewähren so mit ihren dunkeln Schluchten ein grausiges Ansehen. Dagegen erblickt man auch von Zeit zu Zeit artige Landhäuser, Bauernhöfe und kleine Orte auf fruchtbarem Gefilde.