Fortwährend begegneten uns Schloops und andere Fahrzeuge, welche theils mit Viktualien oder Holz beladen, auf dem Hudson nach New-York fuhren. Dieserhalb verbreiteten des Nachts große Laternen die möglichste Helligkeit um das Dampfschiff, und warnen dadurch entgegenkommende Fahrzeuge vor der Gefahr, umgefahren zu werden, weshalb solche zeitig genug auszuweichen suchen. —
Am Städtchen Orange-Tova und bei West-Point wurden Reisende ausgesetzt und eingenommen, welches mit der größten Schnelligkeit ausgeführt ward, um die Fahrt nicht zu verzögern. Die Schiffsglocke verkündete schon in der Ferne die Ankunft des Bootes. Ein am Außenbord hängender Nachen wurde schnell ins Wasser gelassen, in welchem die Reisenden ohne Gefahr auf einer eisernen Geländerstiege bequem vom Schiffe einstiegen. Zwei Ruderer bringen das kleine Fahrzeug schnell ans Ufer, während der Steuermann ein Seil nachläßt, welches an Ersterem befestigt, mit solchen gezogen wird. Das Aus- und Einladen am Ufer dauert wenig Minuten, worauf durch ein gegebenes Zeichen die Dampfmaschine einen Cylinder in Bewegung setzt, um welchen sich das an dem Nachen befestigte Seil wieder aufrollt und Letztern nach sich zieht.
Ein gleiches Anhalten, Ausschiffen und Einnehmen von Passagieren und Effekten fand bei der Stadt Hudson Statt, und nach einer Fahrt von 26 Stunden waren 160 englische Meilen[40] bis Albany zurückgelegt, wo wir den 4. dieses Monats, Vormittags 11 Uhr eintrafen.
Dieser wohlhabende Ort mit 25,000 Einwohnern ist der Sitz des Gouverniums, und der Hauptort des Staates New-York; er hat bedeutenden Handelsverkehr, weil sich hier der Stapelplatz aller Erzeugnisse vom Norden des New-Yorker Staates bis Canada befindet, was besonders seit dem Bau des großen Kanals, welcher vom Hudson bei Albany bis zum Erie-See läuft und eine Länge von 362 Meilen einnimmt, der Fall ist.
Abends 5 Uhr ging ich auf der Eisenbahn nach dem 16 Meilen entfernt gelegenen Schenectady ab, und bestieg daselbst sogleich das Kanal-Boot, die Jacht, da solches diese Nacht noch die Fahrt nach Buffalo antreten sollte.
Beim Schlafenlegen, wo ich gewöhnlich meine Sachen ganz in die Nähe brachte, vermißte ich das Hutfutteral, in welchem die Brieftafel mit etwas Papiergeld nebst meinem Tagebuche sich befanden. Ersteres war in dem Eisenbahnwagen zurückgeblieben, und wegen dessen Wiedererlangung keine Zeit zu verlieren. Doch wie sollte ich bei dunkler Nacht und ohne alle Kenntniß des Weges, den eine halbe Stunde von hier entfernt liegenden Bahnhof auffinden? Mein Verlangen, einen Matrosen gegen Vergütung als Begleiter zu erhalten, wurde nicht erhört; ebenso meine Bitte, die Fahrt noch um eine Stunde zu verschieben, abgeschlagen, dagegen aber versprochen, die Pferde nur langsam antreiben zu lassen, welche soeben an das Bootstau gespannt wurden, um mittels diesem das Fahrzeug auf dem ruhig stehenden Wasserspiegel fortzuziehen.
Glücklich hatte ich die Sachen gefunden und ohne weitern Unfall die Stelle wieder erreicht, wo ich das Boot verlassen. Eine Viertelstunde weiter mündet aber dieser Seitenarm in den Hauptkanal ein, und ob ich nun links oder rechts dessen Lauf verfolgen mußte, war ich ungewiß, da bei der Dunkelheit der Nacht, und der Gegend unkundig, leicht eine falsche Richtung einzuschlagen war. — Alles war ruhig, keine menschliche Stimme verrieth dessen Nähe, um die nöthige Erkundigung einziehen zu können, und demnach betrat ich auf gut Glück den ungebahnten Weg längs des Ufers.
Voller Angst über die Möglichkeit, mich auf falschem Wege mehr und mehr von meinem Fahrzeuge zu entfernen, lauschte ich bei jedem Geräusch, da ich hier in der Dunkelheit um mein Leben besorgt, und auf dem forteilenden Boote möglicherweise um meine Effekten kommen konnte. So gern ich auch die Schritte beflügelt hätte, so hing doch der Boden centnerschwer unter meinen Füßen, auch machten einzelne im Wege liegende Steine diesen bei der Nähe des Wassers höchst gefährlich, da der Damm hoch und neben der Wasserstraße eine zweite Schlucht sich längs des Dammes hinzog.
Mehr und mehr umwölkte sich der Himmel, so daß nur dann und wann ein Stern hervortrat um den unwegsamen Pfad zu beleuchten, worauf das Vorwärtsschreiten bald unmöglich wurde, da große Steinmassen den Weg versperrten, welche vermuthlich zur Ausbesserung des Dammes angehäuft oder Ueberbleibsel früherer Bauten waren.