Die Häuser der Vorstadt St. Marie rücken mehr zusammen und aus den dazwischen liegenden Gärten schauten freundlich die grünen Zweige der Bäume hervor, von denen manche in voller Blüthe standen, welches bei jetziger Jahreszeit dem Auge um so gefälliger war.

Je näher wir kamen, desto malerischer wurde der Anblick, bis hinter einem Walde von Schiffsmasten dieses Bild so lange verschwand, bis wir an solchem vorbei, die Station der Dampfboote erreicht hatten. — Noch war das Fahrzeug nicht befestigt, als vom Ufer viele dienstanbietende Kreaturen auf solches zusprangen und die Räume füllten.

Während Aacke mit einem Fuhrmann wegen des Transportes unserer Effekten akkordirte, wurden die benachbarten Schlafstellen ausgeräumt, wobei die zweite uns verdächtige Person, welche die Fahrt bis hieher mitgemacht, behülflich war. Noch waren wir am Bord, als einer der Passagiere zurückkam und ein Kistchen suchte, was ihm fehle, doch dieses war vergebliche Mühe; vermuthlich war dasselbe während des Transportes vom Boot nach dem Karren von dem gefälligen Mithelfer entwendet worden.

Ueberall, vorzüglich aber in Amerika ist es den Reisenden anzuempfehlen, seinem bei sich führenden Gepäck die größte Aufmerksamkeit zu schenken und kommen auch Anfälle von Wegelagerern hier wenig vor, so ist doch die Gefahr oft näher, als man glaubt. Der fortwährende Ab- und Zugang von Reisenden auf Kanal- und Dampfbooten und das oft vorkommende Landen während der Nacht in einsamen Gegenden, wegen Einnahme von Holz, giebt Gelegenheit zum Diebstahl und wird häufig von Schurken benutzt. Oft werden auf solchen Booten die abscheulichsten Verbrechen gar nicht entdeckt, oder lange zuvor verübt, ehe man des Thäters habhaft wird. Zum Beleg der Wahrheit meiner Aussage und zur Beachtung für Reisende, die sich, vielleicht durch falsche Berichte eingeschläfert, einer zu großen Sorglosigkeit während der Reise überlassen möchten, lasse ich hier die Selbst-Biographie eines Bösewichts folgen, welche ich mir aus einer amerikanischen Zeitschrift notirt habe.

Bekenntniß

von S. Walker und B. Dix seines Genossen, welcher Herrn Barker in der Mechanics-Savings-Bank zu Louisville Ky ermordete.

Mein Name ist Samuel Walker, ich wurde im Jahr 1812 zu New-York geboren. Meine Eltern waren reich und angesehen. Man erzog mich für das Advokatenamt, aber ich lief 1824 davon, ohne meine Studien vollendet zu haben, und ging nach dem Westen, welcher der Hauptschauplatz meines Lebens wurde. Es trug sich mit mir nichts Erhebliches zu, bis ich Cincinnati erreichte, wo ich mit sehr vielen, auf dem Flusse sich herumtreibenden leichtsinnigen Jungen wie ich Bekanntschaft machte, die mich überredeten, mit ihnen gemeinschaftlich auf dem Fluß zu agiren. Ich that es, und ließ mich auf dem alten Dampfschiffe Caledonia, geführt von John Russel, als Kajütenjunge anwerben; auf diese Art, obschon nicht gerade die angesehenste, fristete ich mein Leben 6 oder 8 Monate und erhielt monatlich 6, 7 oder 8 Dollars. Da ich das war, was man einen flinken Jungen zu nennen pflegt, so dachte ich, daß mein Lohn zu niedrig stehe und kam daher zu dem Entschlusse, mir aus den Taschen der Passagiere, wenn sie schliefen, zu einer bessern Bezahlung zu verhelfen. Die erste That dieser Art, welche ich ausführte, war, daß ich einem Herrn am Bord der alten Feliciana ein Taschenbuch stahl, als dies Dampfschiff am New-Orleans-Wharf lag und worauf ich zu jener Zeit angestellt war. Dies ist, wie ich glaube, nie unter dem Publikum bekannt geworden.

Das Nächste, wobei ich thätig auftrat, war die Beraubung eines Flachbootführers um ungefähr 7–800 Dollars und einer Menge von Juwelenwaaren. Dies geschah an der Levon in New-Orleans, bald nachher, als ich die Feliciana verlassen hatte. Kurz darauf ging ich nach Natchez, wo ich mehre Personen beraubte. Von hier verfügte ich mich nach Memphis, wo ich einen Reisenden auf dem alten Onkel-Sam bestahl. Hierauf kam ich nach Louisville, wo ich so ziemlich drei Jahre lebte, ohne irgend etwas anderes zu thun, als kleinen Kindern das Geld zu rauben, wenn man sie nach Etwas geschickt hatte.

Während meines Aufenthalts an diesem Orte wurde ich mit Gro, Lovette, Jones, Hooves und Thomson bekannt, die seitdem Alle schon gehangen worden sind, und beging mit ihnen zu verschiedenen Zeiten folgende Gewaltthaten: Zuerst schifften wir uns Alle auf einem Flachboote ein, das nach New-Orleans bestimmt war, wo wir Jeder 25 Dollars Lohn erhalten sollten. Alles ging ziemlich gut am Bord, bis wir zwischen Padukah und der Ohio-Mündung anlangten. In dieser Gegend ermordeten wir den Besitzer des Bootes nebst seinem Bruder. Beide wurden von uns über Bord geworfen. Wir ließen das Boot in Memphis anlegen und verkauften Boot und Ladung für 4374 Dollars, welche Summe wir unter uns theilten, so daß Lovette, Jones, Thomson und ich, Jeder 1093 Doll. 50 Cents erhielten. Wir beschlossen nach New-Orleans zu gehen, was wir auch im alten Dampfschiffe Cincinnatienne thaten. In New-Orleans hielten wir uns beinahe den ganzen Winter auf, und Alles, was von uns verübt wurde, war die Ermordung eines Mannes hinter Müller Gordan’s großem Hause in der Girard-Street, wo wir ihn auch verscharrten. Dies war im Jahre 1830. Da ich damals erst 18 Jahre alt war, und schon so viele Schandthaten verübt hatte, erfreute ich mich im achtbaren Rathe der Schufte, Räuber und Mörder eines hohen Ansehens. Sie Alle sagten, daß ich ein fähiger Junge, ein großer Mann sey, und daß, wenn ich jemals gehangen werden sollte, ihr Gewerbe an mir viel Ehre einlegen werde. Angespornt durch Dieses, betrieb ich das Gewerbe weiter.