Zuerst ermordete ich einen Mann jenseits des Stromes, New-Orleans gegenüber, und raubte ihm 14,000 Dollars in Louisiana- und New-York-Noten. Dies geschah im Monat März 1831. Hierauf ging ich an Bord des alten Dampfschiffes Farmer, verfügte mich nach Louisville und von da nach Wheeling in Virginien wo ich einem Manne sein Pferd und 500 Dollars stahl, nach Mariette zurückritt, und das Pferd für 75 Dollars verkaufte. Dann kam ich auf das Dampfschiff Natesman, Kapitän Forsyth, wo ich die Kasse des Clerc um 300 Doll., eines Herrn Taschenbuch um 120 Dollars und einem Andern Koffer und Pistolen raubte, womit ich in Galliopolis ans Land stieg. Dort stahl ich wieder ein Pferd von einem Herrn Hereford und ging nach Portsmouth, wo ich die Kasse des Exchange-Hôtels um 73 Dollars bestahl, bestieg mein Pferd und gelangte nach Maysville, woselbst ich das Pferd um 62 Dollars verkaufte. Ich schiffte mich am Bord des Little-Spy ein und ging nach Cincinnati. Dies war im Herbst 1831, dann kam ich an Bord des Michygan, Kapitän Sewan und Kapitän Rott, wo ich als Kajütenjunge, zweiter und erster Aufwärter beinahe zwei Jahre blieb, ohne irgend eine Gewaltthat zu verüben. Endlich fiel mir ein, daß ich schon zu lange auf ehrliche Weise gelebt hätte, und ging im Jahre 1833 auf dem Dampfschiffe Helen Mar, Kapitän Juller, nach Louisville, auf welcher Fahrt ich mehre Deck-Passagiere und einen Kajüten- Passagier zusammen um 523 Dollars bestahl.

Bis im Sommer 1834 blieb ich nun in Louisville und ging dann an Bord des Dampfschiffes Galenian, Kapitän Clarenten-Dix als Aufwärter. Hier will ich meinem Bericht beifügen, wie wir zusammen agieren, der hoffentlich allen Dampfschiffleuten, vom Kapitän bis zum niedrigsten Arbeiter herab, lehren wird, alle bösen Kniffe zu meiden; auch hoffe ich, daß dadurch Schiffsbesitzer gewarnt werden mögen, den Charakter jedes Befehlshabers eines Dampfschiffes auf das Sorgfältigste zu untersuchen, und zu den Kapitäns möchte ich sagen: „Seyd vorsichtig in der Anstellung von Leuten, selbst wenn es nur zum Feuerunterhalten wäre“; denn wenn ich Namen nennen wollte, so dürften Männer, die jetzt von Allen, die sie kennen, sehr angesehen und geehrt sind, aus den Verhältnissen, in denen sie jetzt stehen, gerissen werden und für immer der Schande verfallen. Aber dies ist nichts, was mich betrifft, denn ich weiß, daß meine Lebenszeit auf Erden nur noch kurz ist, und darum fahre ich fort: Sobald der Galenian von Louisville abging, beobachtete ich alle Passagiere scharf, um zu sehen, wer von ihnen Geld habe oder nicht. Unter den Uebrigen bemerkte ich einen ältlichen Herrn, der gegen 6000 Silber-Dollars in seinem Koffer hatte. Er kam zu mir, und sagte: „Wärter! wenn Sie diesen Koffer in mein Zimmer bringen wollen, gebe ich Ihnen einen Dollar.“ „Sicherlich,“ antwortete ich, und that es sogleich. Als wir von den übrigen Reisenden hinweg in das Zimmer kamen, erkundigte ich mich, wo er an das Land zu steigen beabsichtige. Er sagte mir, daß er bei Smythland abgehe; und ich war entschlossen, daß er seinen Koffer oder irgend etwas von dessen Inhalte nicht mit sich nehmen sollte. Da ich jedoch wußte, daß wir Smythland mit Anbruch des nächsten Morgens erreichen würden, so beabsichtigte ich, ihm den Koffer, sobald er eingeschlafen sey, zu stehlen. Gegen 12 Uhr öffnete ich seine Thür und fand Kapitän Dix beschäftigt, den Koffer auszuräumen. „Halt Kapitän!“ sagte ich, „das ist meine Sache, ich sehe, Sie haben es auch zur Ihrigen gemacht, drum halb Part!“ In diesem Augenblicke sah ich nach dem Bette, wo der alte Mann lag, und fand, daß das Blut aus seinem Herzen emporschoß, auch einen Degen an seiner Seite liegen. Dix sagte nun zu mir: „Wenn Du mein Freund bist, und so Etwas Deine Sache ist, so halte Dich nur an mich, und ich will Dein Glück machen; komm also, und laß uns dieses alte.... in den Fluß werfen.“ Wir öffneten das Fenster, ich stellte mich an die Außenseite desselben, und Kapitän Dix reichte mir den Kopf des Ermordeten. Ich umfaßte Kopf und Körper mit meinen Armen und gab ihm einen Stoß in den Fluß, wobei ich nicht vergaß, ihm das Bettzeug nachzuwerfen. Nach dieser That sagte mir Dix, daß ich nicht mehr Aufwärter seyn solle, daß er aber in Louisville neue Deckmannschaft annehmen werde und ich als Passagier bei ihm bleiben müsse. Als wir Louisville erreichten, zahlte er die Leute aus, und nahm andere an. Ich ging mehrmals als Passagier den Fluß mit ihm auf und nieder; ich galt als reisender Jäger und beraubte gemeinschaftlich mit Kapitän Dix jedes Mal einen Passagier nach dem andern, bis wir das Boot verließen. Er ging sodann irgend wohin den Fluß hinauf, und heirathete, wie ich glaube, eine junge Dame, die ihm ein Kind gebar. Etwa vor drei Jahren kam er wieder nach Louisville herunter und wohnte bei einer Dame, Namens Caroll, und ging, so viel ich weiß, seitdem nie wieder auf den Fluß; auch seine Frau sah ich nur dann, als sie ihr drei Wochen altes Kind hatte. Ich denke, er ging nach Maysville um sie zu besuchen, und blieb dort.

Kurz darauf kam er nach Louisville zurück und ist, wie ich glaube, seitdem dort geblieben. Er wohnte noch immer bei Mad. Caroll, bis er letzten Sommer unter einem falschen Namen, den ich nicht nennen werde, weil ich in meiner Brust dafür Gründe hege, die eine junge Dame in Louisville-Hôtel betreffen, im Gasthause bordete[47] und ein ähnliches Leben führte. Vorigen Herbst aber, als Dix eines Tages zu mir kam und mir erzählte, daß er kein Geld mehr habe, in tiefen Schulden sitze, seit den letzten 10 Tagen drei Briefe von seiner Frau erhalten und daß er sie zu besuchen wünsche, war seine Ehrlichkeit zu Ende. Er sagte: „ich will mein Gehirn zum Teufel schicken, wenn ich ohne vieles Geld gehe; ich habe mir einen Plan entworfen, um genug zu erhalten, wenn du mir helfen willst.“ „Gewiß will ich“, sagte ich und folgender Plan wurde entworfen: Er sagte mir, daß ich um 12 Uhr nach dem Gasthaus an dem Tage, an welchem er Herren Barker ermorden wolle, kommen sollte. Ich ging zu ihm. „Sieh“, sagte er: „ich bin mit Barker, dem Clarc des Mechanics-Savings-Instituts bekannt und weitläufig verwandt und kann zu jeder Zeit Eintritt erlangen. Gieb mir deinen Dolch.“ Ich antwortete, daß ich keine Waffen bei mir hätte und nie dergleichen trüge. Hierauf bemerkte er, daß er ein Pistol habe, welches ihm die Sache vollbringen werde; er ging, um es zu holen. Als er zurückkam, kam ein junger Mann, den er Julius, oder Julian nannte, aus der Bank heraus. Er und ich standen beisammen an der Lampenpfoste vor Lynchs Garten. Er ging auf das Bankfenster zu und Julian fragte ihn, ob er nicht zum Mittagessen gehe? „Nein“! erwiderte er, „ich habe keine Lust zu essen“. Julian ging und er näherte sich mir wieder und sagte, daß ich warten müsse, bis Julian zurückkomme, dann solle ich an die Thüre treten und Panken-Dudle pfeifen. Er ging in die Thüre der Bank und ich über die Straße hinüber an die Ecke der Pear-Straße bis hinunter nach Marwells Buchladen.

Da ich Julian zurückkommen und schnell gehen sah, suchte ich ihm den Vorsprung abzugewinnen, ging an der Thür vorüber, pfiff verabredetermaßen und setzte meinen Weg bis zur nächsten Ecke fort. Ich hielt mich so lange hier herum auf, bis Julian den Alarm gab, worauf ich unverzüglich den Platz verließ und nach dem Flusse ging. — Dort blieb ich, bis ich hörte, Dix habe sich selbst ermordet.

Nun eilte ich nach Hause, wechselte meine Kleider, legte einen falschen Bart an und ging in die Bank. Im dortigen Getümmel stahl ich einem Mann ein Schnupftuch und ein Taschenbuch, das 1500 Dollars in Kentucky-Noten enthielt. Es war ein junger Mann, mit einem alten beschmutzten, weißen Hute, breiter Krämpe, Kenkudy, Jeansrock, gestreiften Kasinethosen und Kragenhemd. Das Taschenbuch war aufgetrennt und trug die Buchstaben G. E. H. aus New-York eingeschrieben. Warum ich ihn so genau beschreibe, geschieht deshalb, weil sein Geld nahe bei der Millwerk-Brücke unter einer kleinen Hauszelle vergraben ist. — Erste und letzte Zuflucht in Cincinnati. — Mein Leben geht nun zu Ende und ich habe nur noch wenige Augenblicke zu leben. Ich möchte Euch, meine jungen Gefährden, die ihr auf dem Bette und nicht vor einem irdischen Tribunale als verurtheilte Verbrecher sterbt, ermahnen, führt ein rechtschaffenes Leben! Lebt wohl.

S. Walker,
(Er starb unter furchtbaren Gewissensbissen).


Vierundzwanzigster Brief.

Aufenthalt in New-Orleans.

Im Januar 1840.