Das will ich nicht zur verachtung des reisigen Standes, noch einiges andern Standes, sondern wider die losen Scharhaufen gesagt haben, die alle Lere und Kunst verachten, und nichts rühmen können, denn das sie Harnisch füren und zwey Bein uber ein Ross hengen, wiewol sie solchs selten thun müssen, und dafur das gantze {10} jahr gemach, lust, freude, ehre und guts gnug haben. Es ist wol war, Kunst ist leicht zu tragen (sagt man) und Harnisch schweer zu tragen. Aber widerumb ist Harnisch füren bald gelernet, aber Kunst ist nicht bald gelernet, und nicht leicht zu uben und zu brauchen.

Und das ich dieses Gewesschs ein mal ein ende mache, So sollen wir wissen, dass Gott ein wünderlicher HERR ist. Sein Handwerck ist aus Bettler Herrn machen, gleichwie er aus Nichte alle Ding macht: Solch Handwerck wird im niemand legen noch hindern. Er lessts gar herrlich in aller Welt von sich singen: Ps. 113. Wer {20} ist, wie der Herr, der so hoch sitzt, und so tief hernieder sihet? Der den Geringen auffricht aus dem staube und erhohet den armen aus den kot, Das er jn sitzen lasse unter den Fürsten, ja unter den Fürsten seines Volcks. Sihe dich umb in aller Könige und Fursten höfe und in Stedten und Pfarren, was gilt’s, ob nicht dieser Psalm mit vielen starcken Exempeln drinnen regiret? Da wirstu finden Juristen, Doctores, Rethe, Schreiber, Prediger, die gemeiniglich arm gewest, und ja gewislich allzumal Schüler gewest sind, und durch die Fedder so emporgeschwungen und auffgeflogen, das sie Herrn sind, wie dieser Psalm sagt, und wie die Fürsten Land und {30} Leute regiren helffen. Gott wils nicht haben, das geborne Könige, Fürsten, Herrn und Adel sollen allein regiren und Herrn sein. Er wil auch seine Bettler dabey haben, Sie dechten sonst, die eddel Geburt macht alleine Herrn und Regenten, und nicht Gott alleine.

Man spricht, und ist die wahrheit, der Bapst ist auch ein Schüler gewest: Darumb verachte mir nicht die Gesellen, die fur der thür Panem propter Deum sagen, und den Brodreigen singen; du hörest (wie dieser Psalm sagt) grosse Fürsten und Herrn singen. Ich bin auch ein solcher partecken Hengst[671] gewest, und hab das brot fur den Heusern genomen, sonderlich zu Eisenach in meiner lieben Stad; wi wol mich hernach mein lieber Vater, mit aller liebe und trew in der Hohenschulen zu Erffurt hielt, und durch seinen sauern schweis und erbeit dahin geholffen hat, da ich hin komen bin. Aber dennoch bin ich ein Parteckenhengst gewest, Und nach diesem Psalm, durch die Schreibfedder so fern kommen, das ich jtzt noch wolt mit dem türckischen Keiser beuten, das ich sein Gut solt haben, und meiner Kunst emperen. Ja ich wolt der Welt gut {10} vielmal geheufft nicht dafur nemen, Und were doch on zweivel nicht dahin komen, wo ich nicht in die Schule und ins Schreiberhandwerck were geraten.

Darumb las deinen Son getrost studiren, Und solt er auch dieweil nach Brod gehen, so gibstu unserm HERRN Gott ein feines Höltzlin, da er dir einen Herrn aus schnitzen kan. Es wird doch dabey bleyben, das dein und mein Son, das ist, gemeiner Leute kinder, werden die Welt müssen regiren beide in geistlichem und weltlichem Stande, wie dieser Psalm zeuget. Denn die reichen Geitzwanste könnens und wollens nicht thun; Sie sind des {20} Mammon Cartheuser und Münche, des müssen sie tag und nacht warten. So vermügens die gebornen Fürsten und Herrn alleine nicht, und sonderlich vermügen sie das geistlich Ampt gar nichts verstehn: Also mus wol beide Regiment auff Erden bleiben bey den armen mittelmessigen und gemeinen Leuten und bey jren Kindern....

4.

Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort,

Und steur des Papsts und Türkenmord,

Die Jesum Christum deinen Sohn

Stürzen wollen von seinem Thron.

Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, 30