[32] Die Temperatur des Meerwassers wurde mit einem Greiner’schen in 1⁄10 Grade getheilten Thermometer an der Badestelle am Strande untersucht; die der Luft an einem schattigen windstillen Orte, in einer Höhe von 6 Fuss über dem Erdboden.—War das Wasser sehr bewegt, so zeigten verschiedene Wellen oft verschiedene Temperaturen. Ich kann durchaus der Angabe Bluhm’s (l. c. p. 23.) nicht beistimmen, dass das Wasser in der Nähe des Strandes seine mitunter vorkommenden hohen Temperaturgrade dem durch die Sonnenstrahlen erwärmten Sande verdankt. Der Strand selbst, auf den das Wasser zur Zeit der Messung hinaufspülte, hatte meistens eine viel niedrigere Temperatur, als das Wasser selbst. Dagegen hatte eine oberflächliche Erwärmung des Wassers selbst durch die Sonnenstrahlen sicher Statt; tiefere Wasserschichten zeigten eine niedrigere Temperatur.

BEOBACHTUNGEN

über den Ozongehalt der Luft, die Temperatur der Luft und die Temperatur des Wassers auf Wangeroge.

DatumGrad der Ozon‑ScalaWind und
Windstärke.
LufttemperaturWassertemperaturWitterung im Algemeinem.
Mg. 8 U.‑Ab. 8 U.Ab. 8 U.‑Mg. 8 U.Mgs 8 UhrAbds 8 U.Mgs 8 UhrAbds 8 U.
12. Juli 38‑9SW. schwach Sehr schön.
13.8‑98‑9SW. stark12,75° R.11,6° R.12,6° R. Regnigt; trüber
Himmel.
14.48WSW. mässig12,412,512,7 Kein Regen; ein-
zelne Sonnenblicke.
15.39‑10SSW. sehr schw.13,513,314,2° R.13,3 Hell; schöner
Sonnenschein.
16.48‑9O. zieml. lebhaft14,213,914,514,7 desgl.
17.5‑68‑9OSO. mässig17,215,2 Nachmittags be-
deckter Himmel;
Abends viel Regen;
sehr warm.
18.810O. ziemlich stark16,214,515,6 Mgs Sonne. Nach-
mittags bedeckter
Himmel.
19.3‑46WNW. mässig st.13,913,615,316,3 Heller Sonnensch.;
bedeutende Wärme.
20.1‑2 6 (nicht) SOS. stark16,416 16,117,3 Sehr warm.—
Nachts Gewitter.
deutlich
21.7‑810SO. mässig stark15,715,514,917,5 Sehr heiss.—
Lauwarme Nacht.
22.610O. mässig18,115,716,318,2 Grosse Hitze.
23.47‑8NON. mässig st.17,015,517,317,8 desgl.
24.7‑810NON. stark18,315,717,516,8 desgl.—Nachmit-
tags stürmisch.
25.5‑69‑10ONO. sehr stark18,415,518,315,7 desgl.
26.4‑55NO. sehr stark16,013,215,414,3
27.5‑64‑5NO. sehr stark15,012,115,613,8Mehr bedeckter
Himmel, als Son-
28.4‑56‑7N. sehr stark13,212,214,013,4nenschein. Stets
heftiger Wind.
29.45NWN. sehr stark12,910,813,813,7
30.2‑34NO. sehr schwach14,814,6
31.5‑68‑9SSO. fast windstill Schwül. Regen.
1. Aug. 9‑109‑10SW. sehr heftig14,614,014,414,0
2.710SW. stürmisch13,512,814,414,2 Gewitterschauer.
Donner und Blitz.
3.89‑10WSW. sehr stark12,912,5 Noch gewitterhafte
Luft.
4.88‑9WSW. stark12,212,813,814,0
5.5‑65‑6SNW. mässig13,313,813,813,7
6.5‑64‑5N. ziemlich stark15,013,414,214,1
Im Ganzen stets
7.43‑4N. mässig15,112,714,414,6angenehm.
8.37‑8N. mässig14,012,814,813,7
9.46‑7WSW. mässig12,514,813,514,6
10.810SWS. stark16,114,015,6 Nachm. Gewitter;
viel Regen.
11.67‑8WNW. zieml. st.14,713,115,214,5 Klare Luft.
12.3‑4WSW. still13,014,7

NB. Diese Tabelle ist nach pag. 124. einzuheften.

Nach diesen Beobachtungen war der Ozongehalt der Luft in der auf Wangeroge verlebten Zeit an der Mehrzahl der Tage ein sehr beträchtlicher. Die Schönbein’sche Ozon-Scala hat 10 Grade; wir begegnen insonderheit in der nächtlichen Periode der einzelnen Tage nicht selten dem höchsten derselben. Wir wissen aber durch Schönbeins auf dem Festlande angestellte Untersuchungen, dass die Sommermonate sich in der Regel durch einen sehr geringen Ozongehalt der Luft auszeichnen, und darf man also aus den wenigen Beobachtungen überhaupt einen Schluss ziehen, so würde er zu Gunsten der Ansicht eines auf der Insel gesteigerten Ozongehalts der Luft ausfallen. Bestätigt sich diese Annahme durch fernere, länger fortgesetzte Untersuchungen, denen nothwendig auch gleichzeitige Beobachtungen an verschiednen Plätzen des Continents zur Seite stehen müssen, so darf man nicht anstehen, dem vermehrten Ozongehalt der Seeluft einen Theil der Wirkung derselben zuzuschreiben. Wir schliessen ferner nach Schönbein’s Voruntersuchungen, aus einem vermehrten Ozongehalt der Luft auf einen vermehrten Gehalt derselben an „strömender Electricität.“ Auch dieser ist ohne Frage für die Vorgänge im Organismus von hoher Bedeutung. Es lässt sich sehr wohl denken u. steht mit unsern übrigen Kenntnissen über die Wirkung der Electricität im Einklang, dass der Aufenthalt in einer Luft, die reich ist an solcher Electricität, eine excitirende Wirkung auf das Nervensystem und indirect auf den Stoffwechsel ausübt, schreibt doch Alex. v. Humboldt selbst den electro-magnetischen Strömungen im Innern der Erdrinde „auf alle gestaltende Thätigkeit im Mineralreiche, wie auf die Functionen vegetabilischer und animalischer Organismen einen anregenden Einfluss zu“[33]. Und sucht derselbe Forscher an derselben Stelle in dem Lichte und der von diesem unzertrennlichen strahlenden Wärme die Ursache, wie aller Bewegung und alles organischen Lebens, so auch der electro-magnetischen Strömungen, vermuthet er, dass das durch Aetherschwingungen fortgepflanzte Sonnenlicht auch im Weltraum von electrischen Strömungen begleitet ist, ist ferner nach Pouillet’s Versuchen auch die Verdunstung des Wassers eine Quelle der atmosphärischen Electricität[34], so dürfen wir vielleicht noch einen Schritt weiter gehen und in der grössern Lichtmasse, in dem unbehinderten Einfall der Sonnenstrahlen, so wie in der starken Wasserverdunstung auch die letzte Quelle der vermehrten Luftelectricität, und damit des vermehrten Ozongehaltes derselben suchen.—Man könnte in dieser Weise den Aufenthalt in der Seeluft ein „electrisches Luftbad“ nennen und, ohne mich weiter in Hypothesen verlieren zu wollen, ich möchte glauben, dass es der Mühe werth sei, diesem Gegenstande die vollste Aufmerksamkeit zu widmen.

[33] S. Dr. Joh. Müller’s Lehrb. der Physik u. Meteorol. II. Band. Braunschweig 1845. pag. 613.

[34] S. Kosmos. Bd. III. pag. 44.

Somit kommen wir zu dem Schluss, dass die beschleunigende Einwirkung der Seeluft auf den Stoffwechsel wahrscheinlich in verschiedenen Verhältnissen ihren Grund hat.—Neben mehren und unerheblichen Einflüssen, der Entfernung aus allen gewöhnlichen Berufs- und Lebensverhältnissen, dem psychischen Eindruck des weiten Meeres und seiner prachtvollen, wechselnden Farben und Formen, dem Eindruck des Lichtes auf das Auge und das Nervensystem, der Reinheit der Luft von fremdartigen Bestandtheilen, ist es insonderheit der bedeutende Wassergehalt derselben, so wie der sehr wahrscheinliche grössere Reichthum an „strömender Electricität“, welche theils in noch unbekannter Weise, theils aber sicher durch einen direct anregenden Einfluss auf das Nervensystem, jene Wirkungen hervorbringen. Dies sind Verhältnisse die sich in ihrer naturgemässen Grösse nicht durch die Kunst nachahmen lassen, Verhältnisse, denen wir einzig und allein auf dem Meere begegnen, und deshalb wird auch die Seeluft stets als ein in seiner Art einziges Agens dastehen.—