[9] Eigentliche Menschenfresser werden in den Philippinen von den alten Schriftstellern nicht erwähnt. Pigafetta (S. 127) hat gehört, dass an einem Fluss, am Cap Benuian (N.-Spitze von Mindanao), Leute wohnen, die von ihren gefangenen Feinden nur das Herz und zwar mit Zitronensaft essen. Dr. Semper (Philippinen 62) fand denselben Brauch mit Ausnahme des Zitronensaftes an der Ostküste von Mindanao. [↑]

[10] Der Anito kommt bei den Völkern des malayischen Archipels als Antu vor, der Anito der Philippinen ist aber wesentlich ein Schutzgeist, der malayische Antu mehr dämonischer Art. [↑]

[11] Mir sind dergleichen Götzenbilder nie vor Augen gekommen. Die in Bastian und Hartmann’s Zeitschrift für Ethnologie B. I. Tafel VIII. abgebildeten »Idole aus den Philippinen«, deren Originale sich im Berliner ethnographischen Museum befinden, sind zwar in den Philippinen erworben, gehören aber nach A. W. Franks unzweifelhaft den Salomons-Inseln an. Im Katalog des Prager Museums Abth. II-VIII S. 46 sind aufgeführt: vier hölzerne Götzenköpfe von den Philippinen, welche der böhmische Naturforscher Thaddäus Hänke, der im Auftrage des Königs von Spanien im Jahre 1817 die Südseeinseln bereiste, mitgebracht hat. Die auf meinen Wunsch von der Direktion des Museums gütigst hergestellten Photographien entsprechen aber durchaus nicht obiger Beschreibung, deuten vielmehr auf die Westküste von Amerika, das Hauptfeld der Thätigkeit Hänke’s. Auch die aus seinen nachgelassenen Papieren hervorgegangenen Reliquiae botanicae geben keinen Aufschluss über die Herkunft jener Idole. [↑]

DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL

DIE NEUEN ZOLLHÄFEN. — STEINKOHLE IN CEBU. — YLOILO. — AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES.

1830 wurden versuchsweise sieben neue Häfen geöffnet, wegen grosser Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung eines Zollamtes in Zamboánga, SW. Spitze von Mindanáo. 1855 wurden Suál im Golf von Lingayen, einer der sichersten Häfen auf der Westküste Luzon’s und Yloílo auf Panay, 1863 Cebú auf der gleichnamigen Insel für den direkten Verkehr mit dem Auslande geöffnet.

Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zamboánga errichtet, das die Seeräuberzüge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte, sie aber doch sehr einschränkte.[1] Bis 1848 sollen von den Moros jährlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein.[2] Der Gründung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als kommerzielle Rücksichten zu Grunde: man wollte den Seeräuberstaaten der Solosee einen leicht zugänglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte öffnen. Der Handel ist bis jetzt höchst unbedeutend; die Ausfuhr besteht hauptsächlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der wegen seiner nachlässigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers (Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch Chinesen betrieben, welche allein die dafür erforderliche Geduld, Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen.

Suál ist besonders für Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in obigen Ländern die Ernten gut ausgefallen, trieb Suál nur Küstenhandel.

Cebú, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der Regierung und des Bischofs für die Bisayas, in 48 Stunden von Manila im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so günstige Lage für den östlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo für den westlichen und wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojól erhält es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abacá, von Misámis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist von Samar 26, von Leyte 7½ von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt.