Die Insel Cebú hat 75 □M. Flächeninhalt, ein hohes Gebirge durchzieht sie von N. bis Süd und scheidet die Ost- von der Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschätzt, 4533 auf die □M. Die Bewohner sind friedfertig und gefügig, Diebstähle kommen sehr selten, Räubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau, Fischerei und Weberei für den eignen Gebrauch. Cebú produzirt Zucker, Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingeführt.
Die Insel besitzt beträchtliche Kohlenlager, deren nachdrückliche Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist.[3] Während in Luzon und Panay das Land grösstentheils Eigenthum der Bauern, gehört es in Cebú meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer wissen die Bauern durch wucherische Vorschüsse in Abhängigkeit zu erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des Archipels.[4] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050 Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abacá nach England, 112,000 Dollar Abacá nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak nach Spanien. Die Einfuhr fremder Güter findet über Manila statt, grösstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhäusern in Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar, davon 150,000 Dollar für englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989 Dollar geschätzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgeführt. Früher kauften die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach Wegfall der hohen Maklergebühren, höhere Preise erhalten. Diesem der Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmälige Zunahme des Ackerbaues hauptsächlich zuzuschreiben.
Yloilo ist der wichtigste der neu eröffneten Häfen, Zentralpunkt der Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney schätzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jährlich. Der Hafen ist ausgezeichnet, völlig geschützt durch eine queer davor gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe) unmittelbar am Strande. Wegen der Barre müssen tiefgehende Schiffe ihre Ladung ausserhalb derselben vervollständigen. Vor Eröffnung der neuen Häfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre für die Ausfuhr bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre ausländischen Bedürfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht N. Loney’s geht hervor, wie günstig die Eröffnung von Yloilo schon nach so wenigen Jahren auf die davon zunächst betroffenen Provinzen der Inseln Panay und Negros gewirkt hat.
Die höheren Preise, die für direkt ausgeführten Zucker gezahlt werden konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschäfts, im Vergleich zu dem früher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antíque und Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als möglich vergrössert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mühle; bei den vorhandenen hölzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch die Walzen gegangen, 30% Saft zurück. Jetzt verdrängen eiserne, durch Dampf oder Büffel getriebene Pressen die hölzernen. Ihre Anschaffung wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert, da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhäuser auf Kredit kaufen können. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen Pfannen werden bessere aus Europa eingeführt. Mehrere grosse, mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerüstete, durch Dampf betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflüge, Karren und Ackergeräthe werden immer häufiger. Diese Veränderungen zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des über 200 Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich Ausländer niederlassen können. Ohne Letztere und die durch sie herbeigeführten Krediterleichterungen wäre der schnelle Aufschwung Yloilo’s nicht möglich gewesen, denn die Handelshäuser der Hauptstadt können ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders, als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die früher mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermögen, seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Güter direkt in die Provinz senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhändlern gegenüber zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden, da es auf jener Insel an Händen fehlt.
Ausländer können jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und vollgültige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes möglich war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch »Denuncia« erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den betreffenden einheimischen Behörden das Stück Land, das er bebauen will, und erhält, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen Schein darüber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne andre Kosten als Stempel und Gebühren den Besitztitel ausfertigt.
Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nöthige Kapital zum erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre urbar gemachten Felder an europäische Kapitalisten und bilden so einen Vortrab für bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begünstigen.
Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken in Negros an Flüssen, die hinreichend tief für flache Lastboote sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren verdoppelt.[5] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben.
Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo und selten über 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75 bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist das Geschäft lohnend.[6]
Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen Mestizen, 20 Europäer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug 2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind »Acsa« (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthümer überlässt ein Stück Land sammt Zugvieh und Ackergeräth zur Bearbeitung an einen Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mühle zu liefern hat und einen Theil (gewöhnlich ein Drittel) für sich erhält. In Negros wird violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird nicht gedüngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich; Stoffe von Piña und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedürfnissen wird der Fleiss steigen.
Wie schon mehrfach erwähnt, scheinen Californien, Japan, China, Australien die naturgemässen Hauptabnehmer für die Kolonial-Produkte der Philippinen. Gegenwärtig freilich ist England der beste Kunde, aber mehr als die Hälfte seiner Rechnung ist für Zucker, in Folge eigenthümlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu können; die übrigen drei Viertel müssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen, trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen Raffinör, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, während reinerer 10 bis 12 Sh. kostet.[7]