Wohl weiss man in Madrid, wie sehr das Tabakmonopol das Gedeihen der Kolonie hemmt, die betroffene Bevölkerung drückt; dennoch sind bisher die Regierungsmaassregeln darauf gerichtet gewesen, immer höhere Einnahmen aus dieser bedenklichen Steuerquelle zu erpressen.

R. O. 14. Januar 1866 befiehlt den Tabakbau in den Philippinen so viel als irgend möglich auszudehnen um dem Bedarf der Kolonie, des Mutterlandes und der Ausfuhr zu genügen, ohne dass Rücksichten untergeordneter Art, die einer späteren Lösung vorbehalten bleiben können, diese unbegrenzte Ausbreitung hemmen oder verzögern. In der bereits zitirten Memoria schlägt der General-Kapitän »Reformen« vor, die an die Geschichte der Gans mit den goldenen Eiern erinnern (Pfropfen neuer Monopole auf die schon bestehenden, Ausbeutung durch Generalpächter) und glaubt dadurch in weniger als drei Jahren den Tabakertrag von 182,102 Quintales (Mittel der Jahre 1860/67) auf 600,000 und selbst 800,000 Q. steigern zu können. Einstweilen aber solle die Regierung, um höhere Preise zu erzielen, ihren Tabak selbst nach den Konsumtionsländern exportiren und dort verkaufen. Im Jahre 1868 ist dieser Vorschlag wirklich ausgeführt worden, der nach London gesandte fand einen so guten Markt, dass in Folge davon verordnet wurde, fortan in Manila keinen Tabak unter 25 Dollar p. Quintal loszuschlagen.[12] Diese Bestimmung kann sich aber nur auf Tabak der ersten drei Klassen beziehen, deren relative Menge in dem Maasse abnimmt, als der Druck auf die Bevölkerung gesteigert wird. Selbst aus den de la Gándara’s Denkschrift beigefügten Tabellen ergiebt sich dies deutlich: Während die Gesammternte von 1867 (176,018 Quintales) nicht viel unter dem Mittel der Jahre 1860/67 (182,102 Q.) bleibt, ist der Tabak I. Klasse von mehr als 13,000 Q. 1862, auf weniger als 5000 Q. 1867, gesunken.

Die IV., V., VI. Klasse, die früher grösstentheils verbrannt wurden, jetzt aber einen nicht unbeträchtlichen Theil der Gesammternte bilden, sind im freien Verkehr geradezu unverkäuflich und können nur als »Geschenk« für Spanien verwendet werden, das alljährlich unter dem Titel atenciones a la peninsula über 100,000 Zentner empfängt. Wäre die Kolonie aber nicht gezwungen, die Hälfte der Fracht für ihr Geschenk zu bezahlen, so würde Spanien genöthigt sein, sich diese »Aufmerksamkeiten« zu verbitten, denn nach dem Ausspruch des Chefs der Regie ist jener Tabak grössten Theils von solcher Beschaffenheit, dass er zu keinem Preise Käufer finden würde, da sein Werth weder die Unkosten des Zolles noch der Fracht zu decken vermöchte. Dennoch ist dieser Tabaktribut eine grosse Last für das Kolonialbudget, das trotz seines Defizits nicht nur den Tabak zu beschaffen, sondern auch die Verpackung, den Lokaltransport und die Hälfte der Fracht nach Europa zu tragen hat.

Vom März 1871, der goldenen Zeit, im Fall de la Gándara’s Vorschläge ausgeführt worden, seine Verheissungen in Erfüllung gegangen wären, liegt ein trefflicher Bericht des General-Intendanten der Hacienda an den Kolonial-Minister vor (s. S. 258 Anmerkung), der als Chef der Regie die Schäden dieses Verwaltungszweiges schonungslos aufdeckt, und auf die schleunige Aufhebung des Monopols dringt. Zunächst wird auf amtliche Beläge gestützt, der Beweis geführt, dass der Gewinn am Tabakmonopol viel geringer sei, als gewöhnlich angenommen wird. Das Mittel sämmtlicher Einnahmen der Tabakregie für die 5 Jahre 1865/69 betrug nach amtlichen Rechnungen 5,367,262 Dollar, (für die Jahre 1866/70 nur 5,240,935 Dollar) die Ausgaben sind nicht genau festzustellen, weil darüber keine Berechnungen vorhanden sind, addirt man aber die im Kolonialbudget aufgeführten betreffenden Ausgaben zusammen, so erhält man 3,717,322 Dollar, wovon 1,812,250 Dollar für Ankauf des Rohtabaks. Zu obigen die Tabakregie ausschliesslich treffenden Ausgaben müssen aber noch verschiedene andere Posten gerechnet werden, an denen dieser Verwaltungszweig betheiligt ist, die sogar gänzlich oder zum grössten Theil wegfallen würden, wenn der Staat das Tabakmonopol aufgäbe. Die Summe der Unkosten muss wenigsten auf 4 Millionen Dollar veranschlagt werden, so dass dem Staate nur ein Reingewinn von etwa 1,367,000 Dollar verbliebe, aber selbst auf diesen ist in Zukunft nicht zu rechnen, denn wenn die Regierung nicht schleunigst diesen Gewerbebetrieb aufgiebt, so wird sie zu sehr bedeutenden unabweisbaren Ausgaben gezwungen sein. Namentlich müssten dann Fabriken und Magazine neu errichtet, oder verbesserte Maschinen gekauft, die Gehalte bedeutend erhöht, vor Allem aber Mittel geschafft werden, nicht nur um die enorme Summe von 1,600,000 Dollar zu zahlen, welche die Regierung den Bauern für die Ernten von 1869 und 70 schuldet, sondern auch um die Baarzahlung der künftigen Ernten sicher zu stellen, »denn dies ist die einzige Möglichkeit, den Verfall des Tabakbaus in den betreffenden Provinzen in dem Maasse, als das Elend seiner unglücklichen Bewohner zunimmt, zu verhindern.«

Nachdem Agius nachgewiesen, wie gering in Wirklichkeit jene Ueberschüsse sind, wegen welcher die Regierung die Zukunft der Kolonie preisgiebt, schildert er die aus dem Monopol hervorgehenden Uebelstände, von denen ich hier nur einige in zusammengedrängter Kürze zur Ergänzung des Eingangs Gesagten anführe:

Die Bevölkerung der Tabakdistrikte, die nach Aufhebung der Regie die reichste und glücklichste des gesammten Archipels sein würde, befindet sich im tiefsten Elend. Sie wird grausamer behandelt als die Sklaven von Cuba, die, wenn auch aus selbstsüchtiger Absicht, gut genährt und verpflegt werden, während erstere die Produkte der Zwangsarbeit dem Staate hergeben muss zu einem von ihm willkürlich bestimmten Preise, einem Preise den er zahlt, wenn die immer schwierige und bedrängte Lage des Schatzes es gestattet. Häufig fehlt es an Nahrungsmitteln, da ihr Anbau verboten ist. Die unglückliche Bevölkerung, die keine andere Mittel besitzt, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen, ist gezwungen mit ungeheuren Verlusten die Schuldverschreibungen eines Schuldners zu veräussern, welcher ihm die Frucht der Zwangsarbeit zwar abkauft, aber nicht bezahlt. Wegen eines so geringfügigen Nutzens (1⅓ Million) wird die Bevölkerung der reichsten Provinzen in furchtbares Elend gestürzt, tiefgehender Hass zwischen Regierten und Regierenden erzeugt, ununterbrochener Krieg zwischen Behörden und Unterthanen. Es wird eine höchst gefährliche Klasse von Schmugglern erzogen, die sich schon jetzt nicht auf blosses Schmuggeln beschränken, und um die sich bei der ersten Gelegenheit die übrigen Unzufriedenen wie um einen festen Kern schaaren werden. Die Regiebeamten werden grober Bestechungen und Betrügereien beschuldigt, die wahr oder unwahr grosses Aergerniss geben und zunehmende Missachtung der Kolonialverwaltung sowohl, als des gesammten spanischen Volks erzeugen.[13]

Dass obige Denkschrift nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt worden, scheint anzudeuten, dass man sich in Spanien allmälig auch in weiteren Kreisen von der Unhaltbarkeit des Tabakmonopols überzeugt. Trotz der vernichtenden Kritik von kompetentester Stelle ist es aber dennoch fraglich, ob es aufgehoben werden wird, so lange es auch nur Scheinerträge giebt. Im Kolonialministerium sind die gerügten Schäden längst bekannt, aber wegen der häufigen Ministerwechsel und der zunehmenden Geldnoth, welche die Regierenden, so lange sie im Amte sind, zur rücksichtslosen Ausbeutung aller greifbaren Mittel zwingt, unterbleiben selbst die dringendsten Reformen, wenn dadurch augenblickliche Ausfälle entstehn. In Bezug auf das Tabakmonopol pflegt man sich überdies mit der Hoffnung zu trösten, dass zunehmende Nachfrage die Preise fortwährend steigern, einige besonders gute Ernten und günstige Konjunkturen die Kolonialkasse von ihren Verlegenheiten befreien würden, dann wolle man gern die Tabakregie aufgeben.

Ein Umstand der in haushälterisch verwalteten Staaten zur Beseitigung, des Monopols treiben würde, in Spanien aber vielleicht gerade umgekehrt wirkt, ist das zahlreiche Beamtenheer, welches die Tabakregie erfordert. Der Unzahl von Stellenjägern gegenüber muss es den jeweiligen Ministern sehr willkommen sein, Gelegenheit zu haben, ihren Kreaturen einträgliche Posten zu verschaffen, oder unbequeme Personen auf eine ehrenvolle, für das Mutterland kostenfreie Art zu den Antipoden senden zu können. (Die Kolonie muss nicht nur die Besoldung, sondern auch die Kosten für die Hin- und Rückreise tragen.) Jedenfalls machen sie so reichlichen Gebrauch davon, dass zuweilen in Manila neue Aemter erfunden werden müssen, um die Ankömmlinge unterzubringen.[14]

Zur Zeit meiner Anwesenheit konnten die k. Fabriken nicht so viel Zigarren liefern als der Handel verlangte und es trat der sonderbare Fall ein, dass die Grosshändler, welche die Zigarren in bedeutenden Posten auf den Regierungs-Auktionen kauften, mehr dafür zahlten, als dieselben Zigarren, einzeln gekauft, im Estanco kosteten. Um nun zu verhindern, dass die Kaufleute ihren Bedarf den Estancos entnähmen, war für diese ein Maximum festgesetzt, das kein Käufer überschreiten durfte und eine komplizirte Kontrolle mit Spionage hatte darüber zu wachen, dass Niemand durch verschiedene Boten in verschiedenen Estancos grössere Mengen zusammenkaufte. Im Fall der Entdeckung konfiszirte man dem Uebertreter den ganzen Vorrath. Jedem stand frei Zigarren im Estanco zu kaufen, Niemand aber durfte einem Bekannten eine Kiste Zigarren zum Kostenpreise ablassen.

Mehrere Spanier, mit denen ich über diese auffallende Maassregel sprach, billigten sie ganz entschieden, da ihnen sonst die Fremden alle Zigarren fortholen würden, und sie nicht einmal in ihrer eignen Kolonie eine preiswürdige Zigarre rauchen könnten. Es war aber, wie ich später erfuhr, noch ein zweiter, triftigerer Grund für diese Verordnung vorhanden. Da die Regierung in ihren Kassen die Goldunze zu 16 Dollar Silber annahm, während sie im Handel weniger galt und die Silberprämie einmal sogar auf 33 % gestiegen war, da ausserdem wegen der unzureichenden Menge von Kupfergeld für den kleinen Verkehr, die Scheidemünze abermals eine Prämie gegen den Silberdollar genoss, so zwar, dass man bei jedem Einkauf der nicht wenigstens einen halben Dollar betrug, 5 bis 15 % Abzug erlitt, wenn man einen Dollar gab, so war es vortheilhaft im Estanco für eine Goldunze Zigarren zu kaufen, und diese in kleineren Posten, wenn auch zum nominellen Preise des Estanco wieder zu verkaufen, denn beide Prämien zusammen konnten im extremen Falle 33 % + 10 % = 43 % betragen.[15]