Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des Eingeborenen stören; daher waren die beschränkenden Gesetze besonders gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau möchte man Chinesen wohl zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewöhnlich.
Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete dürfen in ihrem Parian einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar, Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen aber 2, bezüglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden.
1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen lässt. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern ausländischen Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der General-Kapitän Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzuführen, indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der Abgaben verspricht.[10] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewöhnlich bald dem Handel zu.
In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen geschlachtet oder vertrieben; man begnügt sich damit, ihre Thätigkeit durch drückende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen Händlern in Pangasinán ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12 bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jährlich für Beschickung der Wochenmärkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bücher fortan spanisch zu führen (engl. Kons. Ber. 1869).
Die Chinesen bleiben wie überall, so auch in den Philippinen, ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie übertreten, ist nur äusserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen Rücksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen sammt ihrer Frau, in Manila zurück. Sehr viele aber gründen Familien, sind gute Hausväter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten, fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevölkerung.
Durch den härtesten Lebenskampf in ihrer übervölkerten Heimat erstarkt, scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfähigkeit ungeschwächt zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss, Genügsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rücksichtslosigkeit in bürgerlichen Geschäften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie allmälig den Handel an sich. In allen Ländern Hinterindiens verdrängen sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und mehr auch ihre europäischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe.
Die Auswanderung aus dem mit Menschen überfüllten Riesenreich hat kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie sich als ein gewaltiger Strom zunächst über die tropischen Länder des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen, die Neid oder ohnmächtige Vorsicht ihr entgegenstellen.
Auf dem hinterindischen Festlande, in der Südsee, im indischen Archipel, in den Südstaaten Amerika’s scheinen die Chinesen bestimmt, mit der Zeit jedes andere Element zu verdrängen, oder fruchtbare Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrücken.
In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen Arbeitern betrieben, da europäische unerfüllbare Ansprüche stellen.
Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika knüpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfähigkeit dieser beiden grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale ihre Kräfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch ihre thatkräftigsten Individuen vertreten.[11] Der Kampf wird mit Anstrengung aller Kräfte geführt, denn kein anderes Land belohnt die Arbeit mit so hohen Prämien. Die Bedingungen sind aber nicht gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg, die Behörde schützt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tückischen Morde gesteigerte Misshandlungen des Pöbels, der sie als bescheidene Arbeiter tödtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptsächlich von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingeniöre die Arbeiter aller anderen Nationalitäten durch Fleiss, Nüchternheit und gutes Betragen übertrafen; was ihnen etwa an Körperkraft abging, ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869 in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgeführt wurden, und zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission genügenden Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie ausführbar.[12]