Im Gebiete der höchsten geistigen Thätigkeit ist das Uebergewicht der Europäer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der bürgerlichen Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben, scheint der Preis den Chinesen zu gebühren. Auch bis zu uns dürfte sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit entbrannten Kampfe früher oder später fühlbar machen und maasslos wachsenden Ansprüchen Schranken setzen.
Dem amerikanischen Staatsmanne drängt die sich mehrende chinesische Einwanderung schon gegenwärtig Fragen von höchster sozialer und politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gänzlich fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhältnisse üben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den andern Bürgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche Rückwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die Zustände in China üben?
Diese Probleme, die hier nur vorübergehend angedeutet werden können, hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and Asia London 1870 behandelt.
Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuñia, Guvernör der Philippinen.
»An den grossen General-Kapitän von Luzon. Da ich in Erfahrung gebracht, dass die Chinesen, die in das Königreich Luzon gingen, um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tödtungen geforscht und den König gebeten, Gerechtigkeit zu üben gegen diejenigen, die so grosses Uebel veranlasst, damit künftig Abhülfe geschafft werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen Jahren, bevor ich als königlicher Kommissar hierher gekommen, ist ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit Erlaubniss des Königs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen, um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den König) diesen Betrüger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge Gerechtigkeit die in China geübt wird.
Es war zur Zeit des Ex-Vizekönigs und Eunuchen, als Tioneg und sein Begleiter Namens Yanglion die erwähnte Unwahrheit sprachen, und ich bat später den König, dass er sich alle Papiere in der Angelegenheit Tioneg’s übersenden und besagten Tioneg sammt den Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwähnten Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den König und sagte, dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier den Verdacht geschöpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht hätten; und der König that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten Yanglion, indem er befahl ihn zu tödten; und dem Tioneg befahl er den Kopf abzuschlagen und in einen Käfig zu stecken, und die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem König, damit er befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer andern; nämlich, dass zwei englische Schiffe an diese Küsten von Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefährliche Sache für China, und dass der König entscheide, was in diesen beiden so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir an den König, dass er Befehl geben möge, die beiden Chinesen zu bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwähnten Dinge dem König geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe, die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so solle man ihnen unverzüglich befehlen, von dort nach Luzon zu gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie möchten Schelmen und Lügnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzüglich die beiden Chinesen umbringen, welche den Engländern den Hafen gezeigt hätten, und in allem übrigen, was wir ihm geschrieben, wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft empfangen, der Vizekönig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt diese unsere Botschaften an den Guvernör von Luzon, damit seiner Herrlichkeit kund werde die Grösse des Königs von China und des Königreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernör von Luzon wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird, welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte; und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen, welches zur Regierung von China gehört, sind sie damit nicht zu Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden, und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die von Luzon von Hörensagen wohl wissen.
Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lüge Tioneg’s so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem König anheim zu stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tödtungen; und wir sagten: das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und war vor Alters nur ein Wohnsitz für Teufel und Schlangen und weil (seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet, indem sie Mauern aufgeführt, Häuser und Gärten angelegt, und andre Dinge von grossem Nutzen für die Castillas; und da dies also ist, warum haben die Castillas nicht Rücksicht auf diese Dinge genommen, und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen grausam zu tödten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den König über die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns, da er über die oben erwähnten Dinge zornig war, und sagte: aus drei Gründen sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite Grund war, weil man nicht wissen könne, ob die Castillas oder die Chinesen den Sieg erlangen würden, und der dritte und letzte Grund, weil die Leute, welche die Castillas getödtet hatten, schlechtes Volk wären und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China zurückgekehrt, welche Leute, so sagte der König, er wenig achte, aus den oben erwähnten Gründen; und er befahl nur dem Vizekönig, dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu schicken, damit die von Luzon wissen, dass der König von China ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit, denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lüge Tioneg’s bestraft hat. Und da die Spanier weise und verständig sind, wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darüber empfinden und milde sind gegen die Chinesen, die übrig geblieben? Denn wenn die Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die vom Kriege übrig geblieben, zurückkehren, und das schuldige Geld erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Königreich und jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht, so wird der König nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen, mit Soldaten und Verwandten der Getödteten bemannt und mit den übrigen Leuten und Königreichen, welche Tribut an China zahlen, und sie werden Krieg führen ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf wird man das Königreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadór am zwölften des zweiten Monats.«
Einen denkwürdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief des Herrschers von Japan: