Die Spanier beschränkten die Gewalt der eingeborenen Häuptlinge, hoben die Sklaverei auf und verwandelten den Erbadel in einen Dienstadel; sie führten aber alle diese Veränderungen mit Vorsicht, sehr allmälig aus.[3] Die alten Gebräuche sofern sie nicht gegen das natürliche Recht verstiessen, blieben zunächst bestehn und hatten bei Prozessen Gesetzeskraft; in Kriminalsachen galt spanisches Recht. Heut haben die Cabezas de Barangay ausser dem Titel Don und der Befreiung von Kopfsteuer und Frohnden keine Vorrechte; sie sind, abgesehn von Ausnahmen, zu unbesoldeten, aber mit ihrem Privatvermögen haftbaren Steuereinnehmern geworden, — eine Maasregel, deren Klugheit bezweifelt werden mag; denn abgesehn davon, dass sie die Häuptlinge zu Unterschleifen und Erpressungen verleitet, entfremdet sie der Regierung eine Klasse von Eingeborenen, die eine Stütze ihrer Macht sein könnte.

Wenn die vorgefundenen Verhältnisse die Eroberung ausserordentlich erleichterten, so scheinen auch die ersten Guvernöre und ihre Begleiter, die der Zeit angehörten, wo Spanien reich an Helden war, sich durch Muth und Klugheit ausgezeichnet zu haben. Legaspi besass beide Eigenschaften in hohem Grade. Angelockt wurden jene kühnen Abenteurer, wie in Amerika, durch Privilegien, die ihnen die Krone gewährte, und durch gehofften, zum Glück für das Land aber nicht bestätigten Goldreichthum. In Luzon, so meldet Hernando Riquel[4], sind viele Goldminen, an vielen Orten, die von Spaniern gesehn wurden; das Erz ist so reichlich, dass ich nicht darüber schreibe, damit ich nicht in den Verdacht der Uebertreibung komme; aber ich schwöre als Christ, dass auf dieser Insel mehr Gold ist als Eisen in Biscaya. Von der Krone erhielten sie keinen Sold, aber das förmliche Recht die von ihnen eroberten Länder auszubeuten. Einige unternahmen solche Eroberungszüge für eigene Rechnung, andere waren zur Verfügung des Guvernörs und wurden von ihm je nach Verdienst mit Kommenden, Aemtern und Benefizien (Encomiéndas, ofícios y aprovechamiéntos) belohnt.

Die Kommenden wurden anfänglich für drei Generationen gewährt (in Neu-Spanien für vier), aber sehr bald auf zwei Generationen beschränkt; denn schon di los Rios[5] hebt dies als eine der Krone sehr nachtheilige Maassregel hervor, »da sich nur wenige bereit finden Sr. Majestät zu dienen, indem ihre Enkel in das äusserste Elend gerathen.« Nach dem Tode des Belehnten fielen die Encomiendas an den Staat zurück, der Guvernör verfügte von neuem darüber. Das ganze Land war übrigens gleich Anfangs in Encomiendas getheilt worden, deren bei Weitem grössten Theil die Krone zur Bestreitung ihrer Ausgaben behielt. Dergleichen Lehne bestanden in einem mehr oder weniger grossen Gebiet, dessen Bewohner dem Komthur (Encomendéro) Tribut zahlen mussten; letzterer wurde aber in Produkten des Landbaues zu einem vom Lehnsherrn selbst festgesetzten sehr geringen Werth erhoben und mit grossem Vortheil an die Chinesen verkauft. Auch begnügten sich die Lehnsherren nicht mit diesen Einnahmen, sondern hielten die Eingeborenen als Sklaven, bis es durch R. C. und Breve des Papstes[6] verboten wurde. »Kaffern- und -Negersklaven, welche die Portugiesen über Indien einführten«, blieben noch gestattet.[7]

Die alten Komthure beuteten ihre Lehne rücksichtslos aus. Schon vom Interims-Guvernör Labezares (1572–75) meldet Zuniga (S. 115), dass er die Bisayas besuchte und die Habgier der Encomendéros zügelte, so dass sie wenigstens während seiner Anwesenheit in ihren Erpressungen nachliessen. Gegen Ende von Lasánde’s Regierung (1575–80) bricht heftiger Streit zwischen Priestern und Komthuren aus, erstere predigen gegen die Bedrückungen der letzteren und berichten darüber an Philipp II., der König befiehlt die Indier zu schützen, da die Habsucht ihrer Lehnsherren alle Schranken übersteige. Es ward nun den Eingeborenen freigestellt ihren Tribut in Geld oder in natura zu entrichten. In Folge dieser wohlmeinenden Verordnung scheinen Ackerbau und Gewerbfleiss abgenommen zu haben, »da die Indier ohne Zwang nicht über das äusserste Bedürfniss arbeiten mochten«.

In Kürze mögen hier noch die Thaten Juán’s de Salcédo erwähnt werden, des ausgezeichnetsten jener Conquistadoren. Von seinem Grossvater Legaspi mit 45 spanischen Soldaten unterstützt, rüstete er auf eigene Kosten eine Expedition aus, schiffte sich im Mai 1572 in Manila ein, zog die ganze Westküste der Insel hinauf, lief in alle, seinen kleinen Schiffen zugänglichen Buchten und wurde an den meisten Orten von den Eingeborenen gut aufgenommen. Grösseren Widerstand fand er gewöhnlich, wenn er in das Innere drang, doch unterwarfen sich auch viele Stämme des Binnenlandes, und als er die NW.-Spitze Luzon’s, Kap Bogeadór erreichte, erkannten die ausgedehnten Gebiete, welche gegenwärtig die Provinzen Zambáles, Pangasinán, Nord- und Süd-Ylócos bilden, die spanische Herrschaft an. Die Ermüdung seiner Soldaten zwang Salcédo zur Umkehr. In Bígan, der jetzigen Hauptstadt von Süd-Ylócos, baut er ein Fort und lässt darin seinen Lieutenant mit 25 Mann zurück, er selbst aber kehrt um, begleitet von nur 17 Soldaten in drei kleinen Fahrzeugen. So erreicht er den Cagayánfluss an der Nordküste, und fährt denselben hinauf bis die grosse Zahl feindlicher Eingeborener ihn zur Rückkehr an das Meer zwingt. Die Reise an der Ostküste fortsetzend, gelangt er endlich nach Paracali, von da zu Lande an den See von Bay, dort schifft er sich auf einem Nachen nach Manila ein, schlägt um und wird, dem Ertrinken nahe, durch vorüberfahrende Indier gerettet.

Inzwischen war Legaspi gestorben; von Labezares, der provisorisch die Regierung führte, erfährt Salcédo kränkende Zurücksetzung. Als er über seine Neider gesiegt, wird ihm die Unterwerfung von Camarines aufgetragen, die er in kurzer Zeit vollbringt. 1574 kehrt er nach Ylócos zurück, um seinen Soldaten Encomiendas auszutheilen und die ihm zufallenden zu übernehmen. Noch mit dem Bau von Bígan beschäftigt, sieht er die Flotte des grossen chinesischen Seeräubers Limahón, der sich der Kolonie bemächtigen wollte, 62 Schiffe mit zahlreicher Mannschaft, an der Küste vorüberfahren. Sofort eilt er mit allen in der Nachbarschaft zusammengerafften Anhängern nach Manila, wo er an Stelle des bereits gefallenen Maestro de Campo zum Befehlshaber der Truppen ernannt, die Chinesen aus der von ihnen zerstörten Stadt vertreibt. Sie ziehn sich nach Pangasinán zurück, Salcedo verbrennt ihre Flotte; nur mit genauer Noth gelingt es ihnen zu entkommen.

1576 starb dieser »Cortes der Philippinen«. (Zuñiga)

Abgesehen von den Geistlichen, bestanden die ersten Ankömmlinge nur aus Beamten, Land- und Seesoldaten (Morga 159); ihnen fiel daher auch der hohe Gewinn am Chinahandel zu. Manila war der Stapelplatz desselben und zog einen grossen Theil des hinterindischen an sich, den die Portugiesen durch ihre Grausamkeiten aus Malacca verscheucht hatten. Die Portugiesen sassen zwar in Macao und in den Molukken, es fehlte ihnen aber die von den Chinesen fast ausschliesslich begehrte Remesse, das Silber nämlich, das Manila aus Neu-Spanien erhielt.

1580 fiel überdies Portugal mit allen seinen Kolonien an die spanische Krone. Der Zeitraum von diesem Ereigniss bis zum Abfall Portugals (1580–1640) bezeichnet zugleich die höchste relative Machtstellung der Philippinen. Der Guvernör von Manila gebot über einen Theil von Mindanao, Sulu, die Molukken, Formosa, und die ursprünglich portugiesischen Besitzungen in Malacca und Vorderindien. »Alles was vom Kap v. Sincapura bis Japan liegt, hängt von Luzon ab; seine Schiffe befahren die Meere, gehn nach China, nach Neu-Spanien, und treiben so reichen Handel, dass man ihn, wenn er frei wäre, den bedeutendsten der Welt nennen könnte.« (Grav 30). »Es ist unglaublich, welchen Ruhm diese Inseln der spanischen Krone verleihen. Der Guvernör der Philippinen unterhandelte mit den Königen von Cambodia, Japan, China, ersterer war sein Verbündeter, letzterer sein Freund, sowie der von Japan. Er erklärte Krieg und Frieden ohne Befehl aus dem fernen Spanien abzuwarten.« — Aber schon begannen die Niederländer den Kampf, den sie gegen Philipp II. führten, in jenen fernen Erdwinkel zu tragen, und bereits 1610 klagt di los Rios, dass er seit 30 Jahren das Land wegen der Fortschritte der Holländer sehr verändert fände. Auch die Moros von Mindanao und Sulu wurden, von den Niederländern unterstützt, immer unbequemer (Carillo 3). Mit dem Abfall Portugals gingen auch die portugiesischen Kolonien wieder verloren. Die spanische Politik, das Priesterregiment, der Neid der spanischen Kaufleute und Gewerbetreibenden that das Uebrige um die Entwickelung des Ackerbaus und des Verkehrs zu hemmen — vielleicht zum Glück für die Eingeborenen.

Die spätere Geschichte der Philippinen ist in ihren Einzelheiten eben so uninteressant und unerfreulich als die der spanisch-amerikanischen Besitzungen. Fruchtlose Expeditionen gegen Seeräuber, Streitigkeiten zwischen den geistlichen und weltlichen Behörden, bilden den Hauptstoff.[8]