Neben dem Kokoshain zieht sich ein Saum stammloser Nipapalmen hin, die nur in brackischem Wasser wachsen[5]; ihre Blätter liefern die besten Ataps zum Dachdecken. Aus ihrem Saft wird Zucker, Branntwein und Essig bereitet. Schon Pigafetta fand vor 350 Jahren diese Gewerbe in vollem Betriebe, sie scheinen auch heut noch auf die Philippinen beschränkt zu sein. Auch derjenige Pandanus, aus dessen Blättern die weichsten Matten geflochten werden, entfernt sich nicht weit vom Strande.

Bambusbusch.

Landeinwärts breiten sich Reisfelder aus, die durch jährlich wiederkehrende Ueberschwemmungen eine Lage fruchtbaren Erdreichs aus den Bergen erhalten und daher nie gedüngt werden. Der Büffel, das Lieblingshausthier des Malayen, dasjenige welches er vorzugsweise zum Feldbau zu benutzen pflegt, zieht diese Orte allen andern vor; er liebt, sich im Schlamm zu wälzen und ist nicht zur Arbeit tauglich, wenn er sich nicht häufig baden kann. Aus den Reisfeldern an den Flussufern neben den Hütten erheben sich fein gefiederte Bambusbüsche. Wie sehr dies Riesengras zur Bequemlichkeit des Lebens der Tropenbewohner beiträgt, hat Verfasser in früheren Reiseskizzen (S. 174) zu schildern versucht. Noch manche interessante Verwendungen sind ihm seitdem bekannt geworden, deren Beschreibung hier nicht am Ort wäre.[6] Es sei ihm aber vergönnt, noch nachträglich an einigen Beispielen deutlich zu machen, mit wie einfachen Mitteln alle jene vielfältigen Ergebnisse erzielt werden. Die Natur hat diese herrliche Pflanze, die vielleicht alle andere auch an Schönheit übertrifft, mit so vielen nützlichen Eigenschaften ausgestattet, und liefert sie dem Menschen so fertig zum unmittelbaren Gebrauch in die Hand, dass meist einige kecke Schnitte genügen, um die mannichfaltigsten Geräthe daraus herzustellen. Der Bambus hat eine, im Verhältniss zu seiner Leichtigkeit ausserordentlich grosse Festigkeit, bedingt durch die Röhrenform und die in angemessenen Abständen vorhandenen Zwischenwände. Wegen des Parallelismus und der Zähigkeit seiner Fasern ist er sehr vollkommen und leicht spaltbar; gespalten aber, von ausgezeichneter Biegsamkeit und Elastizität. Dem Reichthum an Kieselerde verdankt er grosse Dauerbarkeit, und eine harte, glatte, stets reine Oberfläche, deren Glanz und schöne Farbe im Gebrauch zunehmen. Von besonderer Wichtigkeit endlich für Völker mit geringen Verkehrsmitteln ist der Umstand, dass der Bambus in Fülle auf sehr verschiedenen Standorten, in allen möglichen Dimensionen von wenigen Millimetern bis zu zehn, fünfzehn Centimetern und mehr, ausnahmsweise sogar von doppeltem Durchmesser, angetroffen wird, und überdies wegen seiner unübertrefflichen Flössbarkeit selbst in jenen strassenarmen, aber wasserreichen Ländern mit grösster Leichtigkeit fortgeschafft werden kann.

Ein Schlag mit dem Waldmesser reicht gewöhnlich aus, um ein starkes Rohr zu fällen, entfernt man die dünnen Zwischenwände, so hat man Röhren, deren Enden in einander geschoben werden können. Durch einmaliges Spalten erhält man Rinnen, Tröge, Dachziegel; durch mehrmaliges Latten, die wiederum bis in die feinsten Streifen und Fäden, zur Anfertigung von Rahmen, Gestellen, Körben, Stricken, Matten und feinen Geflechten zerlegt werden können. Zwei Schnitte in die Seite geben ein rundes Loch, in welches ein Halm von entsprechendem Durchmesser fest eingepasst werden kann (a). Macht man solchem Ausschnitt gegenüber einen zweiten, so kann ein Halm durchgesteckt werden (b), auf diese Weise werden Thüren wagerecht oder senkrecht verschiebbar, oder um eine senkrechte oder wagerechte Axe mit oder ohne Reibung drehbar, hergestellt.

Zwei tiefere Schnitte gestatten das Rohr in einen Winkel (c) , oder wenn sie weit genug auseinander, um einen andern Halm zu biegen, z. B. für Dachfirsten (d), für Gestelle von Stühlen oder Tischen (e), auf denen dann ein aufgeschlitztes, plattgedrücktes Rohr, statt eines Brettes oder Bambus-Latten (f) mittelst Stuhlrohr befestigt werden. Eben so leicht ist es eine längliche schmale Oeffnung herzustellen zum Einpassen von Latten (g).

Zwei Schnitte genügen beinahe, um eine Gabel oder Zange (h), einen Haken (i) anzufertigen.

Macht man ein durch Auflegen des Fingers verschliessbares Loch in die Seite, dicht unter einem Knoten, so erhält man einen Heber und zugleich ein Filtrum (k), wenn man über das offene Ende ein Läppchen bindet.

Spaltet man ein abgestutztes Rohr bis auf einen Knoten in Streifen, die man auseinander biegt und mit andern Streifen durchflicht, so erhält man einen konischen Korb, der unter dem Knoten kurz abgeschnitten als Tragkorb (l), langgestielt, mit Harz gefüllt als Signalfackel dient. (m) Steckt man in solche spitzkegelförmige Körbe flachere von gleichem Umfang, deren Knoten abgeschnitten oder durchstossen sind, so erhält man Fangkörbe für Krabben und Fische. (n) Spaltet man aber einen kurz über einem Knoten abgestutzten Halm so, dass nur ein Kranz kurzer Zähne stehn bleibt, so hat man, wenn man die Scheidewand durchstösst, einen Erdbohrer (o) und zugleich ein Brunnenrohr und so weiter und endlos weiter. — Als Beispiele sinnreicher Bambuskonstruktion mögen ausser nachstehender, die Zeichnungen zu S. 177. 193. 210 der Reiseskizzen dienen.