Floss mit Senknetzen (Salambau),

alles von Bambus

Auch der im Innern reisende Fremde hat täglich neue Gelegenheit, die Gastfreiheit der Natur in vollen Zügen zu geniessen. Die Luft ist so gleichmässig warm, dass man mit Ausnahme eines Sonnenhutes und leichter Schuhe alle Kleider entbehren könnte. Uebernachtet man im Freien, so ist aus Palmen- oder Farnwedeln in kürzester Zeit eine Hütte gebaut. Im kleinsten Dörfchen aber befindet sich ein Gemeindehaus (casa real), in dem man wohnen kann und die nöthigen Lebensbedürfnisse zum Marktpreis geliefert erhält. Auch ist dort immer eine Anzahl Semanéros (Leute, die den Wochendienst haben) anwesend und gegen geringen Tagelohn als Boten oder Träger zur Verfügung des Reisenden. Bei längerem Verkehr zeigt sich, dass ihr Dienst hauptsächlich in Nichtsthun besteht. Es ist mir vorgekommen, dass ich einen Mann, der mit den übrigen Karten spielte und Tuba (frischer oder schwach gegohrener Palmensaft) trank als Boten senden wollte, dieser sich aber, ohne im Spiel inne zu halten, damit entschuldigte, dass er Gefangener sei; so musste denn einer seiner Hüter den unbequemen Gang in der Hitze machen. Die Gefangenen haben nicht zu klagen. Das einzige Unangenehme sind die Rotangschläge, die für geringe Vergehn von den Lokalbehörden freigiebig dutzendweis verordnet werden. Sie scheinen aber auf den von Jugend auf dagegen abgehärteten Eingeborenen in den meisten Fällen durchaus keinen andern Eindruck als den des unmittelbaren körperlichen Schmerzes zu machen. Seine Bekannten stehn häufig um ihn, sehen zu und fragen scherzend, wie es geschmeckt hat.

Nach längerem Aufenthalt unter den ernsten, schweigsamen, würdevollen, für ihre Ehre ängstlich besorgten, gegen Vornehmere unterwürfigen Malayen empfindet man den Gegensatz im Charakter der hiesigen Eingeborenen, die doch auch wesentlich malayischer Rasse sind, um so greller. Er scheint eine natürliche Folge der oben skizzirten spanischen Herrschaft: in Spanisch-Amerika begegnet man ähnlichen Verhältnissen. Unter ihren einheimischen Häuptlingen mögen sich die Eingeborenen in Folge der Rangunterschiede und des despotischen Druckes wenig von den heutigen Malayen in ihrem Wesen unterschieden haben.


[1] Bertillon (Acclimatement & Acclimatation, Dict. encycl. des sc. méd.) schreibt die Fähigkeit der Spanier, sich in heissen Ländern zu akklimatisiren, vorzüglich ihrer starken Vermischung mit syrischem und afrikanischem Blut zu: die alten Iberer scheinen aus Chaldaea über Afrika gekommen zu sein, Phoenizier und Carthager hatten blühende Kolonien in Spanien, in neuerer Zeit haben die Mauren Jahrhunderte lang das Land besessen und grossen Glanz entfaltet, was der Kreuzung förderlich sein musste. So hat sich zu drei Malen afrikanisches Blut reichlich mit spanischem gemischt. Das heisse Klima der Halbinsel mag wohl auch dazu beitragen, ihre Bewohner für das Leben in den Tropenländern geschickt zu machen. Unvermischten Indo-Europäern ist es nie gelungen, am Südrande des Mittelmeers sich fortzupflanzen, noch weniger in heisseren Ländern.

In Martinique, wo 8–9000 Weisse von der Ausbeutung 125,000 Farbiger in Fülle leben, nimmt die Bevölkerung trotzdem nicht zu, sondern ab. Die französischen Kreolen haben die Eigenschaft verloren, sich im Verhältniss der vorhandenen Lebensmittel zu erhalten und zu vermehren. Familien, die nicht von Zeit zu Zeit durch Zuführung neuen europäischen Blutes gestärkt werden, erlöschen in drei bis vier Generationen. Ebenso geht es in den englischen Antillen, nicht aber in den spanischen, obwohl Klima und natürliche Verhältnisse dieselben sind. Nach Ramon de la Sagra ist die Zahl der Todesfälle unter den Kreolen geringer, die der Geburten grösser als in Spanien; die Sterblichkeit bei der Garnison aber sehr bedeutend. Danach scheint bei der spanischen Rasse eine ächte Akklimatisation durch Auswahl stattzufinden: die ungeeigneten Individuen sterben, die andern gedeihen. [↑]

[2] Ueber die in Amerika zu demselben Zweck angewendeten Mittel bemerkt Depons S. 171: »Man ist von jeher davon überzeugt gewesen, dass man der christlichen Religion auf keine andre Weise bei den Indianern Eingang verschaffen könnte, als wenn man ihre eigenen Neigungen und Gewohnheiten mit dem Christenthum vermischte; dies ist so weit gegangen, dass sogar in früheren Zeiten die Theologen die Frage aufgeworfen haben, ob es wohl erlaubt wäre, Menschenfleisch zu essen? Das allersonderbarste aber hierbei ist, dass die Frage wirklich zu Gunsten der Anthropophagen entschieden worden ist.« [↑]

[3] Thatsächlich ist urbares Land freilich immer in festen Händen und an manchen Orten hoch im Preise. Bei Manila und in Bulacán ist der Morgen schon vor Jahren über 150 Thaler bezahlt worden. [↑]