Stamm eines Feigenbaums bei Bacon.
Der Ort wird so selten von Fremden besucht, dass das Tribunal sich mit Neugierigen füllte, die mich betrachten wollten. Die Frauen hatten den Ehrenplatz und kauerten in mehreren konzentrischen Linien auf dem Boden, die Männer drängten sich hinter ihnen. Als ich in einem von Bambusen nur undicht verschlossenen Schuppen ein Rieselbad nahm, sah ich plötzlich durch alle Oeffnungen neugierige Augen auf mich gerichtet; es waren ausschliesslich Frauen, die mich mit der grössten Neugier betrachteten, sich ihre Bemerkungen mittheilten und durchaus nicht gestört sein wollten. Ein andres Mal als ich in der Provinz Laguna im Freien badete, lief eine Anzahl Weiber, alte, junge und kleine Mädchen herbei, die mir zusahen, während des Ankleidens dicht um mich hockten, mich aufmerksam besichtigten, und mit den Fingern auf alle Einzelheiten wiesen, die zu besonderer Besprechung Anlass gaben.
Den letzten Theil des Weges nach Bulusán hatte ich in Sturm und Regen zurückgelegt; beide nahmen nach kurzer Pause während der Nacht zu, ein Theil des Tribunals wurde abgedeckt. Am andern Morgen lagen alle schadhafteren Häuser des Dorfes am Boden, eine grosse Menge Dächer waren fortgeweht. Fast ohne Unterbrechung, wenn auch nicht mit gleicher Heftigkeit, dauerte das Wetter während der 3 Tage meines Aufenthaltes fort; den Vulkan, an dessen Fuss ich mich befand, bekam ich nicht auf einen Augenblick zu sehn, und da die Sachverständigen in dieser Jahreszeit gutes Wetter nicht in Aussicht stellen konnten, wurde die Besteigung auf bessere Zeit verschoben und die Umkehr beschlossen. Der ehemalige Alkalde Peñeranda soll den Berg etwa 15 Jahre früher bestiegen haben, nachdem angeblich 60 Menschen 2 Monate lang beschäftigt gewesen, einen Weg zum Gipfel zu bahnen; die Besteigung soll 2 Tage gedauert haben. Der Teniente, ein aufgeweckter Indier, glaubt aber, dass in der trocknen Jahreszeit 4 Mann in 2 Tagen einen schmalen Pfad öffnen könnten bis nahe zur Spitze, die nur mit Leitern zu ersteigen sei. Am Tage nach meiner Ankunft traf der Strassenbau-Inspector und ein Begleiter hier ein, beide bis auf die Haut durchweht und durchnässt. Der freundliche Alkalde hatte sie hergesandt zu meiner Unterstützung. Unter den obwaltenden Umständen mussten sie unverrichteter Sache mit mir umkehren.
Als ich auf der Rückreise kaum in Bacon angekommen, ertönte ein Böllerschuss und Musiklärm: »Es kommt der Señor Alcalde.« — Er fuhr in offenem Wagen, umgeben von einer regellosen Reiterschaar, Eingeborene und Spanier der Umgegend, erstere in festlich flatternden Hemden und vergilbten Seidenhüten prangend. Der liebenswürdige Herr nahm mich in seinem Wagen nach Sorsogon mit, das wir in einer Stunde erreichten.
Die Provinz Albáy hat gute Strassen, sie werden aber schlecht unterhalten, und müssen, wenn die Unthätigkeit der Verwaltung fortdauert, allmälig wieder zu Grunde gehn. Der grösste Theil der steinernen Brücken ist eingestürzt. Statt ihrer muss man eine Furth oder ein Floss benutzen, oder in einem Nachen übersetzen und die Pferde schwimmen lassen. Die Strassen wurden in den vierziger Jahren durch den bereits erwähnten Alkalden Peñeranda, einen ehemaligen Ingeniör-Offizier angelegt, dem der Ruhm gebührt, den Wohlstand der Provinz sehr gefördert zu haben, indem er ihre damals unbedeutenden Mittel mit Umsicht und Eifer zu nützlichen Anlagen verwendete. Er wachte darüber, dass die schuldigen Frohnden wirklich geleistet oder in Geld abgelöst wurden, und benutzte letzteres zur Beschaffung von Werkzeug und Material. Vor ihm bestanden grosse Missbräuche, indem die der Principalía Verwandten oder Befreundeten keine- oder Scheinarbeiten verrichteten, und die Ablösungsgelder nicht in die Gemeindekasse, sondern in die Tasche des Gobernadorcillos flossen, oft unter Mitwissenschaft und Betheiligung des Alkalden. Auch heut sind solche Missbräuche ganz allgemein in den Provinzen, wo die Wachsamkeit des Alkalden es nicht verhindert.
Bei der zahlreichen Bevölkerung und dem grossen Wohlstand, deren sich die Provinz jetzt erfreut, wäre es ein leichtes die vorhandenen Strassen zu erhalten und zu vervollständigen. An gutem Willen fehlte es dem trefflichen damaligen Beamten gewiss nicht, aber ihm waren die Hände gebunden. Die jetzigen Alkalden bleiben nur 3 Jahr in einer Provinz (zu Peñerandas Zeit 6 Jahr), ihre Zeit wird fast gänzlich durch die laufenden amtlichen und richterlichen Geschäfte in Anspruch genommen; bevor sie ihre Provinz, deren Mittel und Bedürfnisse einigermaassen kennen lernen, müssen sie dieselbe schon wieder verlassen; so gross ist das Misstrauen der Regierung in ihre eigenen Diener. Ihre Macht ist auf das äusserste Maass beschränkt, sie haben fast keine Initiative. Unternehmen wie das Peñeranda’sche durchzuführen, wäre heut nicht möglich. Die für Ablösung von Frohnden eingehenden Gelder, die ausschliesslich zum Nutzen der betreffenden Provinz verwendet werden sollten[1], müssen nach Manila abgeliefert werden. Schlägt der Alkalde eine dringend nothwendige Verbesserung vor, so hat er so viele Berichte, Eingaben, Anschläge einzureichen, die häufig unbeantwortet bleiben, dass ihm gewöhnlich bald die Lust zu allen Verbesserungsvorschlägen vergeht. Bedeutende Werke aber, die grössere Ausgaben erfordern, werden fast ausnahmslos von der Zentralstelle, als nicht dringend, zurückgewiesen. Der Grund liegt nicht im bösen Willen der Kolonialregierung, sondern darin, dass die Caja de Comunidad in Manila fast immer leer ist, da sich die spanische Regierung in ihrer chronischen Finanznoth das Geld borgt und nicht im Stande ist es zurückzuzahlen.
Sorsogon hat 1840 bedeutend durch Erdstösse gelitten, die mit Unterbrechungen 35 Tage lang anhielten. Ihre grösste Heftigkeit erreichten sie am 21. März. Die Kirchen von Sorsogon und Casigúran nebst den wenigen Steinhäusern wurden zertrümmert, 17 Menschen kamen um und 200 wurden verletzt. Das Land senkte sich um 5 Fuss.
Am folgenden Morgen begleitete ich den Alkalden in einer Falúa mit 14 Rudern nach Casigúran, das genau S. von Sorsogon in der Südostecke der 2 Leguas breiten Bucht liegt; die Ueberfahrt dauerte 1½ Stunde. Das Wasserbecken ist so still wie ein Binnensee, fast rings von Bergen umgeben und an der dem Meer geöffneten Westseite durch die queer davor liegende Insel Bagaláo (nicht Bagatáo, wie sie Coello nennt), geschützt. Unter der Mannschaft war es sehr laut, da Jeder sich vor dem Señor Alcalde geltend machen wollte. Bei der Landung: Böllerschuss, Musik, flatternde Hemden und Fahnen. Die freundliche Einladung des Herrn T. ihn weiter zu begleiten, lehnte ich ab, da für mich, ohne amtliche Geschäfte die Reise fast nur aus Malzeiten, Zwischenmalzeiten und eingeschobenen Chocolates bestand mit fortwährender Musik, Knallfeuerwerk und andrem Lärm.
Im Jahre 1850 etwa ist an einer heut schon vom Meer verschlungenen Stelle des Strandes, der so weit ich ihn untersuchen konnte, aus 5 bis 6 Fuss Thon über vulkanischem Sand mit Bimssteinbruchstücken besteht, Quecksilber gefunden worden. Ein in dieser Gegend des Archipels gestrandeter Engländer, derselbe, den ich in der Eisenhütte bei Angat besuchte, hatte begonnen es zu sammeln, und durch Schlämmen des Sandes etwa 2 Unzen gewonnen. Als aber der inländische Priester erfuhr, dass Quecksilber Gift sei, schilderte er seinen Pfarrkindern, wie er mir selbst erzählte, die Gefahren des neuen Erwerbszweiges in so grellen Farben von der Kanzel herab, dass sie davon abliessen. Seitdem ist nie wieder eine Spur von Quecksilber entdeckt worden; vielleicht stammte es von einem zerbrochenen Barometer. Abends waren der Bulúsan in SO., der Mayon in NW. auf kurze Zeit sichtbar. Casigúran liegt in einer geraden Linie mit denselben.
Die Zerstörung der Küsten bei Casigúran ist auffallend gross, die Berichte darüber sehr abweichend. Nach dem Augenschein und den mässigsten Angaben zu urtheilen, mag sie doch wohl seit einer Reihe von Jahren jährlich eine Elle betragen. Im Norden ist die Bucht von Sorsogon durch einen Bergrücken geschützt, der sich O. von Bacon plötzlich verflacht, und dadurch dem Nordost eine schmale Gasse nach dem Winkel der Bucht von Casigúran öffnet, wo zuweilen ein einziger Sturm sehr bedeutende Verwüstungen in der aus Thon und Sand bestehenden Küste hervorbringt.