Als ich Abends wieder in Legáspi landete, erfuhr ich, dass der Alarm wegen der Seeräuber, der meine Abreise verzögert hatte, in der That begründet war. Aechte Moros waren es freilich wohl nicht, da solche in jener Jahreszeit nicht in diese Gewässer gelangen können, sondern Desertöre und Vagabunden aus der Umgegend, die in dieser maritimen Provinz das Räuberhandwerk lieber zu Wasser als zu Lande treiben. Sie hatten während meiner Reise eine Anzahl Räubereien verübt und Personen fortgeschleppt.[2]

Anfang November ist die Jahreszeit der Stürme. Die Schifffahrt zwischen Albáy und Manila hat völlig aufgehört; selbst von der Südküste wagte kein Schiff abzugehn. Am 9. läuft aber noch der verloren geglaubte Casaisái ein; er hat starke Haverei gelitten, den grössten Theil seiner Ladung über Bord geworfen. Schon zwölf Tage zuvor hatte er die Strasse von S. Bernardino geklärt, als ein Sturm ihn zwischen den Inseln Balicuátro zu ankern zwang. Einer der Passagiere, ein neu angekommener Spanier, bestieg ein mit sieben Matrosen bemanntes Boot, und fuhr auf vier Pancós zu, die bewegungslos vor der Küste lagen. Er hielt sie für Fischer, es waren aber Seeräuber. Sie beschossen ihn, als er weit genug von seinem Schiff war, seine Mannschaft warf sich in’s Wasser, wurde jedoch sammt ihm selbst gefangen genommen. Der Kapitän fürchtend, dass die Räuber sein Schiff angreifen würden, kappte das Ankertau, stach trotz des Sturmes wieder in See und entging nur mit genauer Noth und arg zugerichtet gänzlichem Schiffbruch.

Die Gefangenen werden in der Regel nicht umgebracht, sondern zum Rudern benutzt. Europäer kommen aber selten mit dem Leben davon, da sie die grossen Anstrengungen bei spärlichster Kost nicht ertragen. Man nimmt ihnen die Kleider ab, überlässt sie fast nackt jedem Wetter und giebt ihnen täglich kaum eine Hand voll Reis zur Beköstigung.


[1] Siehe Anhang Bürgerliche Einrichtungen. [↑]

[2] Nach amtlichen, in der Alkaldie erhaltenen Nachrichten 21 Menschen in den beiden letzten Wochen. [↑]

ZWÖLFTES KAPITEL

REISEN IN SÜD-CAMARINES. — GLIEDERUNG DER PROVINZ. — SPANISCHE PRIESTER. — ALKALDEN UND MANDARINE.

In Albáy war vor Januar nicht auf besseres Wetter zu rechnen, es stürmte und regnete täglich; ich ging daher in die westlich davon gelegene Provinz Süd-Camarínes, die, durch hohe Berge an ihrem NO. Rande gegen die herrschenden Winde geschützt, gutes Wetter hatte. Abgesehn von der in NO. vorliegenden, nur durch eine vom Ysaróg gebildete Landenge mit Camarínes verbundenen Halbinsel Caramúan, streicht Camarínes NO. SW. und bildet eine im Mittel zehn Leguas breite an mehreren Stellen von tiefen Buchten ausgezackte Halbinsel. In ihrer nordöstlichen Hälfte liegt eine Reihe von Vulkanen und Trachyt- und Doleritkuppen; der südwestliche Rand besteht, so weit ich Gelegenheit hatte ihn zu untersuchen, aus Kalk, anscheinend gehobene Korallenriffe. Zwischen beiden Bergzügen dehnt sich ein vielfach gewundenes fruchtbares Thal aus, in welchem sich die von den innern Abhängen herabfliessenden Gewässer sammeln und einen schiffbaren Fluss, den Bicol, bilden, an welchem sich der Reihe nach eine Anzahl blühender Ortschaften angesiedelt hat. So reichlich ist die dem Bicol aus den östlichen Bergen zuströmende Wassermenge, so gering die Neigung der Thalsohle, die ein fast ununterbrochenes Reisfeld bildet, dass an vielen Stellen kleine Seen entstehn. Fast jede Ortschaft hat einen solchen; der bedeutendste ist der Batu-See, die kleinsten schrumpfen in der trocknen Jahreszeit zu blossen Wasserpfützen ein. Von Südosten anfangend, liegen in dem nordöstlichen Streifen die Vulkane Bulusán, Albay, Mazarága, Yriga, Ysaróg und, jenseits der Bucht von S. Miguel, der Colási, in einer geraden Linie, wie die ganze Landzunge selbst, von NW. nach SO. streichend. Der Vulkan Buhi oder Malináo, auch Tikát genannt, tritt in NO. ein wenig über diese Linie hinaus. Parallel dieser Vulkanenreihe sind die Ortschaften der Provinz in der Mittellinie geordnet; der südliche Streifen ist spärlich bewohnt, und sendet in seiner ganzen Erstreckung nur wenige Bäche in das Thal, was auch dafür zu sprechen scheint, dass er aus Kalk bestehe. Der vulkanische Bergwall hält, wie erwähnt, die NO. Winde ab und verdichtet ihre Wasserdämpfe an seinem dem Meere zugewandten Abhang, so dass der südwestlich davon liegende Theil der Provinz während des NO. Monsuns trocken ist, während des SW. Monsuns Regen hat. Die sogenannte trockene Jahreszeit, die für Süd-Camarínes mit November beginnt, ist aber von häufigen Regenschauern unterbrochen; verhältnissmässig trocken sind nur die Monate Januar bis Mai. Im Mai und Juni findet der Monsunwechsel statt, der sich durch starke Gewitter und Stürme aus SW. verkündet, die zuweilen eine bis zwei Wochen fast ohne Unterbrechung dauern und von starkem Regenfall begleitet sind. Sie leiten die eigentliche Regenzeit ein, die bis in den Oktober währt.