Am folgenden Tage sah ich einen bunten Aufzug: Voran die spanische Fahne, welcher die Dorfpauke, 7×4 Reiter in kurzen Jacken und flatternden Hemden, ein Dutzend Musikanten und schliesslich als Hauptfigur der Träger einer rothseidenen Standarte folgten; eine Ehre, die den Bevorzugten nicht wenig stolz macht und zu einem Schmaus mit reichlichen Spenden von Kokoswein verpflichtet. Er sass zu Pferde, affenartig aufgeputzt, auf dem Kopf einen Dreimaster, der statt goldener Tressen, mit buntem Papier beklebt war, über dem Frack eine papierene Weiberpelerine, kurze enge gelbe Hosen, lange weisse Strümpfe und Schuhe. Rock und Hose waren gleichfalls statt der Tressen mit Papier benäht. Auf ähnliche Weise war das von zwei Cabezas geführte Pferd verziert. Nachdem der Zug sich durch die Strassen des Dorfes bewegt, machte er vor der Kirche Halt.
Dieses Fest wird alljährlich gefeiert zum Gedächtniss der von den Päpsten dem Könige von Spanien gemachten Konzession, die Erträge der Kreuzbulle für sich zu verwenden. Die spanische Krone besitzt in Folge davon das Recht, verschiedene Ablässe, auch für schwere Verbrechen, im Namen des Papstes zu ertheilen. Sie hat dieses Recht gewissermassen im Grossen erworben und verschleisst ihren Kunden die Indulte im Wege des Kleinhandels, früher durch die Pfarrer, seit 1851 im Estanco, zugleich mit andern von ihr monopolisirten Artikeln: Tabak, Branntwein, Loterieloosen, Stempelpapier etc.; jedoch »unter Mithülfe der Pfarrer«.[7] Ohne letztere würde das Geschäft wohl wenig abwerfen. Die Einnahmen daraus haben immer sehr geschwankt; sie betrugen 1819: 15,930 Doll., 1839: 36,390 Doll., und waren für 1860 auf 58,954 veranschlagt; in den beiden Jahren 1844/45 aber stiegen sie auf 292,115 Doll., weil die Ablassscheine damals den Familien zwangsweise aufgenöthigt wurden, indem sie von den Barangayhäuptern »unter Beihülfe und Ueberwachung der Pfarrer und Untersteuerbeamten«, die dafür, bezüglich, 8% und 5% Prämie erhielten, in die einzelnen Häuser vertheilt wurden; — wohl eine der schamlosesten Anwendungen des Repartimiento Systems.[8]
Der Buhi-See (92 Meter Meereshöhe) ist malerisch schön, fast auf allen Seiten von über tausend Fuss hohen Bergen umgeben; sein Westrand wird von dem noch vorhandenen Theil des Yriga-Kraters gebildet. Wie mir die Pfarrer der umliegenden Ortschaften mittheilten, soll der Vulkan bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts ein geschlossener Kesselberg gewesen, und als er bei einem grossen Ausbruch zur Hälfte einstürzte der See entstanden sein. Uebereinstimmend damit heisst es im Estado geogr. S. 247 (der wahrscheinlichen Quelle jener Mittheilungen): Am 4. Januar 1641, einem denkwürdigen Tage, weil zur selben Stunde alle damals in diesem Archipel bekannten Vulkane ausbrachen, stürzte in der Provinz Camarínes ein grosser, von Ungläubigen bewohnter Berg ein, und an seiner Stelle erschien ein schöner See, an welchen die Bewohner des (damaligen) Dorfes Buhi übersiedelten, weshalb er fortan Buhi-See genannt ward.
A. Perrey (S. 48) führt einen Ausbruch vom Jahre 1628 in Camarínes an, der gleichfalls auf jenes Ereigniss bezogen werden könnte:
»1628 bebte die Erde; nach glaubwürdigen Zeugnissen, an einem Tage vierzehnmal in Camarínes; viele Gebäude stürzten ein, ein grosser Berg barst und es brach aus demselben eine solche Menge Wasser hervor, dass in den überschwemmten Gefilden die Bäume ausgerissen, und eine Stunde vom Meer (die direkte Entfernung zum Meer beträgt 2½ Leguas), die Ebene ganz mit Wasser bedeckt war.«[9] Sonderbarer Weise aber stimmt der in einer Note gegebene Originaltext nicht zu A. Perrey’s Uebersetzung. Jener erwähnt nichts vom Hervorbrechen des Wassers aus dem Berge und sagt im Gegentheil, dass die von der ungeheuren Gewalt umgestürzten Bäume am Strande auf eine Stunde weit die Stelle des Meeres einnahmen, so dass auf dieser Strecke kein Wasser zu sehn war.[10]
Vulkan Yriga von Ost-Süd-Ost.
Die Angabe im Estado geogr. muss deshalb Misstrauen erregen, weil in dem amtlichen Bericht über das grosse Erdbeben von 1641 die gleichzeitigen Ausbrüche dreier Vulkane, zweier im Süden des Archipels, einer in Nord-Luzon ausführlich geschildert werden, Camarínes aber ganz unerwähnt bleibt. Das Misstrauen wird durch den Umstand vergrössert, dass derselbe Autor (Nierembergius), dem obige Angabe über den Ausbruch von 1628 in Camarínes entlehnt ist, in einem andern Werke einen ausführlichen Bericht über das Ereigniss von 1641 giebt, ohne dabei dieser Provinz zu gedenken.[11] Bei der grossen Gleichgültigkeit, mit welcher die Mönche Naturereignisse behandeln (waren doch selbst die am Fuss des Albay wohnenden Pfarrer nicht einmal über die Daten seiner letzten Ausbrüche einig), ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Ausbruch von 1641, bei welchem in Nord-Luzon ein Berg einstürzte und ein See an die Stelle trat, im Lauf der Zeit auf den Yriga übertragen wurde.
Vulkan Yriga von Südwest.