Rother Kegel. Weisser Kegel.
Der weisse Kegel.
Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen von Naglĕgbĕng.[16] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten Aggregatzuständen, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache Kegel mit zylindrischen Aufsätzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bäumen entblösste Stelle zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist, wenige mit Rasen bewachsene Lücken ausgenommen, mit einer Kruste von Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhängende Flächen bildet, gewöhnlich aber durch vertikale Sprünge in fliesenartige Platten zerborsten ist. An unzähligen Stellen dringt siedend heisses, kieselsäurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich über die Fläche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung allmälig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt regelmässig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel, mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es läuft weniger Wasser über, das schon in unmittelbarer Nähe des Beckenrandes verdampft und in jedem Tropfen ein feines Körnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen äussere Seite, weil das Wasser nicht völlig gleichmässig überfliesst, stalaktitisch gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer ist als die Verdampfung, so läuft kein Wasser mehr über den Rand; der Sinter setzt sich dann bei der allmäligen Abkühlung des Wassers mit der grössten Gleichmässigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hört die Sinterbildung im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke zu, und wenn der Kanal gänzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist, so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes, umgekehrt glockenförmiges Becken zurück. In der Abbildung des weissen Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend dargestellt, ein noch schönerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten Widerstand findet, ohne den schönen von ihm aufgebauten Kegel zu zerstören. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grössten Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen Teiche entstanden, erlangen die Dämpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist, solche Spannkraft, dass sie die oberflächliche Kruste in konzentrisch strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Höhe; so entstehen ringförmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst allmälig durch neue Absätze aus dem überströmenden Wasser bildet. An den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem »weissen« und dem »rothen«, sieht man diese Stufenbildung vollendet, an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht, nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in der Vollendung. In der Nähe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen, weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bändern wie bunte Mergel einander überlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens gefärbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen, aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering, sie liegen nicht an ihrer ursprünglichen Lagerstätte und würden nur einen kleinen Theil der ursprünglichen Masse darstellen. Ganz ähnliche Verhältnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel mannichfaltiger, schöner, reiner als die Produkte der isländischen Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter überzogen, dass alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik könnte nicht zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dünne Schichten undurchsichtig weissen oder sehr schwach röthlichen Sinters mit Bändern durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zähe Masse dringenden Gasblasen Reihen dünnwandiger Zellen gebildet, so dicht und regelmäsig, als wären sie organischen Ursprungs, die Zellen sind leer oder mit Hyalith erfüllt, der zuweilen in ununterbrochenen Strahlen die Sintermassen durchdringt.[17] An andren Stellen hat sich der Sinter in dünnen konzentrischen Schalen um feste Körperchen abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schön wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels, der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben dürfte.
Der rothe Kegel.
[1] Nach Grunow, der sie bestimmt hat, Cladophora anisogona Kützing. = Conferva anisogona Montagne. [↑]
[2] Giebel und Siewert Ztschrft. f.d. ges. Naturw. 1870 Bd. 1, 377 enthält einen interessanten Aufsatz von Rob. Pott über Javanische Fleisch-, Fisch- und Krebsextrakte. [↑]