aufgenommen von Goa.

Die höheren Abhänge dienen einem kleinen Volksstamme zum Wohnsitz, der in fast gänzlicher Abgeschlossenheit von den Bewohnern der Ebene, seine Selbstständigkeit und die Sitten einer früheren Zeit bewahrt hat. Gelegentlich mögen wohl einzelne Cimarronen (s. S. 106) zugezogen sein, doch hatte sich kein solcher Fall in der Erinnerung erhalten. Die Bewohner des Ysaróg werden gewöhnlich, wenn auch missbräuchlich, Ygorroten genannt, dieser Name ist hier beibehalten, da ihre Nationalität noch nicht genügend festgestellt ist. Sie selbst sind überzeugt, dass ihre Vorfahren immer dort gehaust haben. Sie sind es, die nach dem Urtheil der Pfarrer von Camarínes die Bicolsprache am reinsten sprechen (s. S. 120). Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heut bei den Dayaks in Borneo herrschen.[2] Diese Umstände lassen vermuthen, dass sie der letzte Rest eines Stammes seien, der seine Unabhängigkeit gegen die spanische Herrschaft und wahrscheinlich auch gegen die kleinen Tyrannen behauptet hat, die vor Ankunft der Europäer in der Ebene herrschten. Als Juan de Salcedo seinen Siegeszug um das nördliche Luzon unternahm (s. unten), fand er überall an den Flussmündungen seefahrende, unter vielen Häuptlingen lebende Völkerschaften, die nach kurzem Kampf der höhern Mannszucht und besseren Bewaffnung der Spanier erlagen oder sich freiwillig der überlegneren Rasse unterwarfen; es gelang ihm aber nicht, die unabhängigen Stämme im Innern zu besiegen. Noch heut giebt es solche auf allen grösseren Inseln der Philippinen-Gruppe.

Aehnliche Zustände findet man vieler Orten im indischen Archipel: die Handel und Seeraub treibenden Malayen besitzen das Gestade, dort herrscht auch ihre Sprache; die Eingeborenen sind von ihnen unterjocht oder in die Wälder gedrängt, deren Unzugänglichkeit ihnen ein kümmerliches aber unabhängiges Leben sichert.[3]

Um den Widerstand der wilden Stämme zu brechen, verbot die spanische Regierung ihren Unterthanen bei Strafe von 100 Schlägen und zwei Jahr Zwangsarbeit, »Handel zu treiben und Umgang zu pflegen mit den Heiden in den Bergen, die seiner katholischen Majestät keinen Tribut zahlen; denn wenn diese ihr Gold, Wachs u. s. w. gegen andere Bedürfnisse austauschen können, so werden sie sich nie bekehren.«[4] Vielleicht hat gerade dies Gesetz dazu beigetragen, die Wilden, trotz ihrer geringen Kopfzahl, Jahrhunderte lang vor gänzlicher Ausrottung zu schützen; denn freier Verkehr zwischen einem Volke auf der Stufe des Ackerbaus und einem, das hauptsächlich von der Jagd lebt, führt häufig zur Vernichtung des letzteren.

Dennoch hat die Zahl der Ygorroten des Ysarog sehr abgenommen durch Todtschlägereien zwischen den einzelnen Ranchos, und durch die Raubzüge, welche bis vor Kurzem die Steuerbeamten alljährlich im Interesse des Regierungsmonopols gegen die Tabakfelder der Ygorroten unternahmen. Einzelne sind auch »pazifizirt« (zu Christenthum und Tribut bekehrt worden), in welchem Falle sie sich in kleinen Weilern mit zerstreuten Hütten niederlassen müssen, wo sie gelegentlich vom Geistlichen des nächsten Ortes besucht werden können. Um ihnen den Uebertritt zu erleichtern, werden von dergleichen neugewonnenen Unterthanen eine Zeitlang geringere Steuern erhoben.

Ich hatte die Besteigung des Berges auf den Eintritt der trockenen Jahreszeit verschoben, erfuhr aber in Naga, dass mein Wunsch dann kaum ausführbar sein dürfte, weil um diese Zeit die schon erwähnten Expeditionen gegen die Ranchos des Berges stattzufinden pflegen. Da die Wilden nicht begreifen konnten, warum sie nicht auf ihrem eigenen Felde eine ihnen zum Bedürfniss gewordene Pflanze bauen sollten, so sahen sie in den Cuadrilleros nicht Beamte eines zivilisirten Staates, sondern Räuber, gegen welche sie sich nach Kräften wehren mussten, und das Auftreten dieser trug nicht wenig dazu bei, jene in ihrem Irrthum zu bestärken; denn sie begnügten sich nicht die Tabakpflanzungen zu zerstören; die Hütten wurden niedergebrannt, die Fruchtbäume umgehauen, die Felder verwüstet. Solche Raubzüge gingen nie ohne Blutvergiessen ab und arteten oft in einen kleinen Krieg aus, der dann von den Bergbewohnern noch lange nachher, auch gegen ganz unbetheiligte Personen, Indier und Europäer, fortgesetzt wurde. Anfangs April sollte die diesjährige Expedition stattfinden; die Ygorroten waren daher in grosser Aufregung und hatten einige Tage vorher einen jungen wehrlosen Spanier in der Nähe von Mabotobóto, am Fuss des Berges, ermordet, indem sie ihn mit einem vergifteten Pfeil zu Boden streckten, und ihm dann noch 21 Wunden mit dem Waldmesser beibrachten.

Glücklicher Weise traf bald darauf ein Gegenbefehl von Manila ein, wo man sich allmälig von der Schädlichkeit solcher Gewaltmassregeln überzeugt zu haben schien. Es war nicht zu zweifeln, dass diese Nachricht sich schnell unter den Ranchos verbreiten würde und auf den Rath des Kommandanten, dem sehr gegen seine Neigung die Führung des Zuges zugefallen sein würde, zögerte ich nicht, die zu erwartende günstige Stimmung für meine Zwecke zu benutzen. In der neuesten Zeit hat die Regierung das verständige Mittel ergriffen, den Tabak, den die Ygorroten freiwillig bauen, nach dem allgemeinen Satze zu bezahlen und sie wo möglich zur Anlage neuer Felder zu ermuntern, statt die vorhandenen zu zerstören.

Glockenthurm von Calabanga

(ein ähnlicher mexikanischer ist abgebildet in Oviedo y Valdes Hist. gen. y nat. de las Indias.)