Der Cinchonabau begann in Java im Dezbr. 1854; im Dezbr. 1860 besass man: 8346 C. Calisaya, 108 C. lancifolia, 939,827 C. Pahudiana, zusammen 948,281; ausserdem waren 700,264 Samen ausgesäet. Während die Holländer nach 6 Jahren mit Ausnahme der fast werthlosen C. Pahudiana nur 8454 Pflanzen besassen, erzog Herr Mac Jvor, der Dirigent der Pflanzungen in Ootacamund (Neilgherries) in wenig mehr als einem Jahr 9732 Pflanzen, ohne mehrere Hundert zu rechnen, die nach Java, Kalkutta, Trovancore gesandt wurden. Mac Jvor erlangte seine Erfolge durch eine der beschriebenen gerade entgegengesetzte Methode; er hielt den keimenden Samen sehr trocken, pflanzte die Sämlinge in grosser Meereshöhe und vermied namentlich den tiefen Schatten der Wälder.
An offenen Stellen wachsen die Pflanzen gut, geben reichlich Samen, bilden eine dicke Rinde, reich an Arzneistoffen, während sie im Schatten von Waldbäumen dünn und schwach in die Höhe schiessen und wenig Chinin entwickeln.[78] Es ist eine anerkannte Thatsache, dass alle Cinchonaarten den höchsten Prozentgehalt an Alkaloiden liefern, wenn sie in der grössten Meereshöhe wachsen, in der sie überhaupt noch gedeihen. Die strauchartigen Pflanzen sind besonders ergiebig, wenn ihr verkrüppelter Wuchs durch die grosse Meereshöhe des Standorts veranlasst ist. Die Engländer haben sich daher entschlossen, die Cinchonen als Sträucher zu kultiviren, etwa wie Zimmet, so dass jährlich geerntet werden kann. Die holländische Methode, im Schatten hoher Waldbäume zu pflanzen, weil die Bäume angeblich in ihrer Heimath so gefunden werden, ist schon deshalb verwerflich, weil es 30 Jahre dauert, bis die Rinde benutzt werden kann und sie immer sehr dünn und arm bleibt. Aber selbst wenn sie dann reich an Alkaloiden wäre, so würde der Nutzen der Einführung ein sehr fraglicher sein, denn die entfernte Möglichkeit einer reichen Ernte nach 30 Jahren würde in gar keinem Verhältniss stehen zu den enormen Ausgaben der ersten Anlage, und welcher Privatmann möchte wohl jemals ein Produkt bauen wollen, das nur alle 30 oder 40 Jahre einen einmaligen Ertrag verspricht!
Ueber den Fortschritt der Chinakultur in Indien meldet das Athenaeum vom 6. Juni 1863: „Herr Mac Jvor hat im Vermehren und Aufziehen der Cinchonen solchen Erfolg gehabt, dass die unter seiner Leitung stehenden Pflanzungen jetzt in der Lage sind, Tausende von jungen aus Stecklingen gezogenen Pflanzen[79] an öffentliche Gesellschaften abzulassen, die sich gebildet haben, um sie für den Handel anzubauen”. Herr Howard erklärt, dass alle von kleinmüthigen Botanikern gehegten Befürchtungen, als würden in Ostindien künstlich gezogene Cinchonen nicht dieselben Alkaloide enthalten, wie die in Südamerika natürlich gewachsenen, ohne Grund sind;[80] er findet nicht den geringsten Unterschied. Herrn Markham's Bemühungen sind also mit vollem Erfolg gekrönt worden.
Ausser auf mehreren Gebirgen Ostindiens schreitet der Anbau auch auf Ceylon schnell fort und wird immer mehr Gegenstand der Privatindustrie, da er grösseren Vortheil verspricht als der Kaffeebau. — Herr de Vrij, der die Cinchonapflanzungen in den Neilgherries im Nov. 1863 gründlich untersuchte, theilt über Herrn Mac Jvor's Erfolge noch Nachstehendes mit: Im April 1861 hatte M. J. 463 junge Pflanzen und 172 einen Monat alte Sämlinge, zusammen 635. Durch Stecklinge und Knospen vermehrte er sie so, dass ihre Anzahl am 31. Dec. 1863 277,083 betrug. Eine einzige 5' hohe Pflanze von C. Uritusinga, die Hr. Howard der englischen Regierung geschenkt hatte, kam kränkelnd im April 1862 in Ootacamund an, sie erholte sich Ende Mai und hatte Ende Decbr. 1863 bereits 6350 junge Pflanzen geliefert. Mac Jvor fand ein Mittel, die Samen durchschnittlich in 14 Tagen zum Keimen zu bringen. — Derselbe hat Herrn de Vrij brieflich mitgetheilt, dass er vor Ende Dec. 1865 im Stande sein werde, zwischen 3000 und 5000 ℔ Chinarinde als Ertrag der Neddiwultum-Pflanzung zu liefern, in welche im Herbst 1862 16000 Pflanzen ausgepflanzt wurden. Nach dem englischen System, die Pflanzen als Sträucher auszubeuten, verzinst sich das Anlagekapital nach höchstens 4 Jahren und giebt dann zunehmenden Ertrag, so dass bereits viele Privatleute veranlasst worden sind, diese Kultur für eigene Rechnung zu versuchen. Im Herbst 1861 wurde die weitere Vermehrung der C. Pahudiana auf Java durch Regierungsbeschluss untersagt. Nach einem Bericht des jetzigen Vorstehers der Chinakultur (Tijd. v. N. I. Febr. 1866) ist gegenwärtig unter den Pahudianas grosse Sterblichkeit eingerissen, man scheint aber nicht Lust zu haben, den Ausfall zu ersetzen; dagegen schlägt man Oeffnungen in die Wälder, um den Calisayas Luft und Licht zu geben, und ist bestrebt, diese zu vermehren; ihre Anzahl ist aber immer noch sehr gering.
Nach Dr. Hooker's Berichte (Athenaeum 17. März 1866) sind von Ceylon reife Cinchonensamen über Kew nach Jamaica, Trinidad, Mauritius, dem Kap der guten Hoffnung, Queensland gesandt worden. In Trinidad und Queensland werden die Calisayas schon mit vollständigem Erfolg kultivirt. Den Holländern gebührt zwar das Verdienst, die Cinchonen zuerst auf die östliche Halbkugel übersiedelt zu haben (ein früherer Versuch der Franzosen, sie in Algier einzuführen, war misslungen), die Engländer haben aber diese werthvollen Pflanzen eigentlich erst zu einem Gegenstande des Landbaus gemacht und sie über fast alle Länder verbreitet, in denen sie gedeihen können.
Bei einer Reise, die wir vom Malabar aus südlich unternahmen, war durch ein Versehen des betreffenden Beamten keine Meldung vorausgegangen. Wir fanden daher die Waldwege in ihrem gewöhnlichen Zustande. Acht Stunden lang kletterten wir über schlüpfrige Thonrücken und erreichten Pamorotan, das zur Frühstückstation bestimmt war, erst so spät Nachmittags, dass die Weiterreise für heut aufgegeben werden musste. Hier stand ein geräumiger, aber ganz verödeter Pasanggrahan, da dergleichen Gebäude an so abgelegenen Orten nur, wenn ein Kulturbeamter die Station besucht, für ihn eingerichtet werden. Weil wir nicht angemeldet waren, stand alles leer. Einige Reiter, die uns begleitet hatten, sprengten nach verschiedenen Richtungen, um etwas für unsere Mahlzeit herbeizuschaffen; wir stiegen inzwischen das steile Ufer des Tjilaki hinab und kletterten durch sein felsiges Bett unter riesigen Waldbäumen umher. Diese Gegend ist sehr spärlich bevölkert. Dichter Wald fasst den Fluss ein, der zwischen grossen Felsblöcken dahinrauscht. Es herrschte grosse Einsamkeit, aber keine Stille. Wer plötzlich mit verbundenen Augen dahin versetzt würde, könnte sich in der Nähe einer grossen Fabrik glauben; so laut und gellend klang das Geräusch der Insekten. Besonders unangenehm und alles übertönend war ein schriller Laut, der täuschend wie das Geräusch einer Schleifmühle klang. Andere Insekten schienen das Schnurren vieler hundert gezahnter Räder in schneller Bewegung nachzuahmen. Das Tosen des Wassers vervollständigte die Illusion. Nie wieder habe ich ähnlichen Lärm in einem Walde gehört.
Als wir nach kaum zwei Stunden den Pasanggrahan wieder betraten, fanden wir Alles wie durch Zauber verändert. Das vorher so stille Gehöft war jetzt voll Leben und Thätigkeit, und noch immer kamen neue Züge von Kulis und trugen allerlei Gegenstände der Bequemlichkeit herbei. In den Schuppen waren die Pferde der Häuptlinge untergebracht; auf dem Hofe brannten mehrere Feuer, an denen emsig gekocht und gebraten wurde. Eine grosse Anzahl Arbeiter waren beschäftigt, frisch gefällte Bambusen vermittelst ihrer Haumesser in allerlei Möbel, Haus- und Küchengeräth zu verwandeln. Zwei grosse bequeme Lehnstühle waren bereits vollendet, und eben wurde die letzte Hand an einen Tisch gelegt, dessen Platte aus Bambussplissen bestand. Als Leuchter dienten Bambusen von entsprechendem Durchmesser, die einen Zoll hoch über einem Knoten abgeschnitten waren, während das entgegengesetzte längere Ende in drei Theile gespalten, auseinandergespreizt, durch Querstäbe verbunden und mit einem Stein beschwert, den Fuss bildete. Andere Arbeiter waren beschäftigt, das Dach auszubessern. In dem länglich viereckigen, vorher so unwohnlichen Raum, der uns zum Aufenthalt dienen sollte, waren an beiden Enden durch bunte Vorhänge zwei kleine Gemächer abgetrennt worden; in jedem stand bereits ein Bett aufgeschlagen; der ganze mittlere Theil, unser Salon, war mit weichen Pandanusmatten belegt, und sobald wir gebadet, wurde auf dem nun vollendeten Tische ein vortreffliches Essen aufgetragen mit sehr mannigfaltigem Dessert, worauf Kaffee mit Cognac folgte. Es war fast wie das „Tischchen deck' dich” im Mährchen.
Je länger man in diesen Ländern verweilt, um so mehr wächst das Erstaunen über die unzähligen nützlichen Verwendungen einiger Pflanzen, unter denen der Cocospalme und dem Bambus wohl die erste Stelle gebührt. Aus Bambus baut der Javane sein Haus, aus Bambus bestehen alle seine Möbel; in einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlt, aber nicht verbrennt, kocht er auf Reisen seinen Reis an einem Bambusfeuer, wenn er nicht etwa vorzieht, junge Bambustriebe, die ein sehr schmackhaftes Gemüse geben, darin zu kochen.
Wie schon mehrmals angedeutet, besteht oft das ganze Gerüst des Hauses aus Bambus; die Wände aus plattgedrückten geflochtenen Halmen; die Dächer werden zwar gewöhnlich mit Palmenblättern oder Gras gedeckt, aber auch mit Bambusschindeln, die wie Hohlziegel gelegt werden. Einige mit Wasser gefüllte, von der Dachfirste paarweise herabhängende geräumige Internodien bilden einen stets bereiten Löschapparat. Schuppen, Ställe, Scheunen, fast sämmtliches Ackergeräth, sowie der Zaun um das Gehöft, bestehen aus Bambus.
In einem unter dem Dach horizontal aufgehängten, an einem Ende mit einem Loch versehenen Halm siedelt sich die kleine stachellose Biene an, die dem Javanen das Wachs liefert, das er, wie später beschrieben werden soll, bei dem Färben seiner Sarongs gebraucht. Zuweilen ist in einem ganzen Dörfchen kaum ein anderes Material verwendet; der zierliche Zaun, der es umgiebt, die Thore an beiden Enden, mit erhöhten Bänken, auf welchen die Wache lagert, alles ist aus Bambus; neben letzterer hängt in mehreren Exemplaren ein eigenthümliches Instrument zum Fangen der Diebe und Bösewichte; es besteht aus zwei armdicken Bündeln dünner Seitenzweige des dornigen Bambus, die gabelförmig an einer Stange befestigt sind und dazu dienen, den Verfolgten am Halse zu packen.