Von Banjumas führt eine schöne Strasse im Serajuthal auf der linken (südl.) Seite des Flusses nach Bandjar-negara. Der Ort hat eine sehr hübsche Lage. Den Hintergrund bildet eine Berglandschaft mit schönen vulkanischen Profilen, überragt vom Sindoro und Sumbing, den beiden Brüdern, wie sie die Schiffer nennen, die sie von der Rhede von Samarang erblicken; im Vorgrund ziehen sich die Terrassen der Reisfelder an den Seiten der steilsten Hügel hinan. Eine Wasserleitung, die Bandjar-negara mit gutem Trinkwasser versorgt, überschreitet in doppelter Bogenreihe den Fluss und sieht fast wie ein Römerwerk aus. Der Fahrweg folgt dem Laufe des Flusses bis Wonosobo; ich setzte aber die Reise zu Pferde über Karang-kobar und Batur nach dem berühmten Plateau von Dïeng fort. Gleich bei Bandjar-negara führt eine malerische Bambusbrücke über den Fluss.[92] In einem kleinen Warong daneben sah ich Yams (Dioscorea sp.) von intensiv violetter Farbe feil bieten.

Hier beginnt die Strasse, die in Bezug auf grossartige Landschaften wohl jede andre in Java übertrifft: zwischen Hügeln, die ganz mit Sawas bedeckt sind, erheben sich kühne Felsen; einer derselben, der Gunong-labet, besteht aus dem Rest einer einzigen riesigen, konzentrisch schaligen Trachytkugel. In weiterer Ferne thürmen sich durch tiefe Schluchten zerrissene Gebirge immer höher auf bis zum Slamat, dessen 10,630' hoher Gipfel alles überragt. Hinter Karang-kobar wird die Landschaft noch ernster, die fast kahlen Berge zeigen ihre Modellirung um so deutlicher. Für Reisfelder ist es hier oben zu kalt; Mais, Tabak, Weizen und Gemüse treten an ihre Stelle. Auch Bambusen sieht man wenig in dieser Höhe, deshalb führen hölzerne Brücken über die Bäche. Von den Häusern sind die besseren aus Holz, die ärmeren aus Glaga, dem mehrfach erwähnten Rohr, die Wände bestehen aus den Halmen, die Dächer aus den Blättern.

BRÜCKE AUS BAMBUS U. ROTANG. WONOSOBO, JAVA.

Bei Batur (5000') betritt man im NW. die Hochebene von Dïeng, Javas phlegräische Felder. Der Weg führt zuerst durch braune Tuffschluchten, ganz wie bei Rom, und das Plateau ist kahl wie die Campagna. Links von der Hauptstrasse liegt Kawa-dringu, eine Vertiefung in einem Bergabhang, der aus abwechselnden Lagen von Rapilli und Trachytblöcken besteht, ein graubrauner Schlammsee, etwa 20' lang und 50' breit bedeckt den Boden; die Dampfentwickelung ist so heftig, dass der Schlamm stellenweise 4 Fuss in die Höhe geworfen wird. In geringer Entfernung, NzO., liegt Telaga-dringu, ein Wasserbecken im Boden eines alten Kraters mit etwa 120' hohen, sanft ansteigenden Wänden. Das Wasser ist nicht tief, selbst aus der Mitte ragen Binsen hervor. Der westliche Abhang ist mit Gras, der östliche mit Gesträuch und Bäumen bewachsen, die sich in Gruppen bis auf eine etwas erhabenere Felsbank in den See hineinziehen, auf welchem viele Tauchenten den Fischen nachstellten.

Sumor-djalatunda, Junghuhn nicht bekannt, daher auf seiner Karte von Dïeng nicht angegeben, liegt ca. 11/2 Paal in gerader Linie östlich von Batur, SSW. von Kaputschuan. Dicht dabei schneidet die Strasse Batur-Dïeng am Kali-puti (weissen Bach), der aus der Kawa-dringu kommt und hier am äusseren Abhang des Sumor vorbeifliesst; hier hat er schon alles Sediment unterwegs abgesetzt, ist völlig klar, kalt und geruchlos. Sumor (Brunnen) wird dieser Kratersee genannt, der ringsum von fast senkrechten, üppig bewaldeten Wänden eingefasst ist. Der See, der den Boden einnimmt, ist oval, seine grösste Länge in der Richtung von N. nach S. beträgt gegen 100', sein Wasser ist dunkelgrün. Das ganze Becken erinnert sehr an Telaga-warna am Megamendong, nur betritt man dies letztere im Niveau des Wassers durch eine Spalte in der Kraterwand, während hier das Seebecken unzugänglich ist. Die Wände sind 130–150' hoch und ringsum geschlossen, wie der Kessel eines Brunnens. Die äusseren Abhänge dieses Kraters bestehen an der einzigen Stelle, wo ich sie entblösst fand, aus sehr feinen weissen Tuffen, in welchen einige Schichten trachytischer Rapilli vorkommen.

Vierhundert Schritt östlich ist das Todtenthal. Im Boden eines Kraters mit sanft geneigten Wänden, die mit Gras und Bäumen bewachsen oder mit Kohl und Tabak bepflanzt sind, liegt halb vergraben in der Rapillischicht, die den Boden bildet, ein grosser, flacher Stein, der schönste Trachytporphyr, den ich bis jetzt auf Java getroffen; dies ist die Stelle, wo früher die Mofette (siehe S. [147], Anmerkung) am heftigsten war. Ein paar Kulis erwarteten uns hier mit einem Hund und einem Huhn, um zu versuchen, ob die Ausströmung des Gases hinreichen würde, die Thiere zu betäuben; diese empfanden aber gar keine Wirkung. Der Auftritt erinnerte lebhaft an die neapolitanischen, zum Prellen der Fremden ersonnenen Kunststückchen in der Hundegrotte; hier war es indessen eine uneigennützige Aufmerksamkeit des Häuptlings. Die Ausströmungen scheinen fast ganz aufgehört zu haben, nur periodisch bemerkt man noch Spuren, wie sich aus einigen am Boden liegenden gebleichten Skeletten, sämmtlich kleinen Thieren angehörend, schliessen liess. Der schönste Sonnenschein beleuchtete die Kohlfelder dieses nach den Schilderungen des älteren Darwin so grausigen Ortes.

Telaga-leri. Von üppigem Wald umschlossen, mit schön bewachsenen Inseln geschmückt, breitet sich ein grosser Schlammsee aus, mit graugrün schimmerndem, heftig wallendem Wasser, aus welchem hohe Dampfwolken aufwirbeln. Durch die ringsum thätigen, das Gestein zersetzenden Solfataren sind unzählige Buchten, Inseln und Landzungen entstanden. Der Mittelpunkt der vulkanischen Thätigkeit liegt gegenwärtig am Ostufer, aus dessen Sprudeln und Pfützen mehrere siedend heisse Bäche abfliessen, so dass wir die Eier und Kartoffeln zu unserer Mahlzeit durch Eintauchen darin kochen konnten. Mitten in dieser Verwüstung steht ein Schuppen, zwischen dessen Dielen eine dichte Vegetation von Faseralaun effloreszirt, der auch um denselben einen Teppich bildet. Dicht am Ostrande, unmittelbar neben den kochenden Wassern fliesst ein klarer, kalter, reiner Bach vorbei. Gegen Abend erreichten wir das eigentliche Plateau von Dïeng, ein ovales, ringsum von Bergen eingeschlossenes Thal. Indem wir über seine Fläche nach dem am jenseitigen Abhang (im Osten) gelegenen Pasanggrahan ritten, zeigten sich in geringer Entfernung von uns, zur Rechten, 4 kleine 20–25' hohe Tempel in einer Reihe, und ein fünfter, kleinerer, etwas seitwärts.[93]

Auf der Südseite des Plateaus erhebt sich am Abhang eines kleinen Hügels der mit schöner Skulptur reich verzierte Tempel Werkodoro und hinter ihm eine trotz ihrer Entstehung durch Solfataren liebliche Landschaft: kleine türkisblau und smaragdgrün glänzende Seen in blendend weissem Tuffboden von einer zackigen Bergwand umschlossen. Die Sohle des Thales von Dïeng ist an vielen Stellen versumpft, man kann aber grosse Strecken weit auf Lavafliesen gehen, überall liegen Trümmer behauener Steine umher. Auf den Abhängen stehen noch mehrere kleine mit Gesträuch bewachsene Tempel, die meisten sind aber umgestürzt und bilden nur noch Schutthaufen. Die gewaltigen Naturerscheinungen, die hier in seltener Fülle als Vulkane, Solfataren, kochende Seen auftreten, scheinen dem religiösen Aberglauben grossen Vorschub geleistet, die Bildung einer mächtigen Priesterkaste begünstigt und die Gründung zahlreicher Tempel veranlasst zu haben. Junghuhn entdeckte hier eine merkwürdige Inschrift, von der bis jetzt nicht ausgemacht ist, welchem Volk und welcher Zeit sie zugeschrieben werden muss. — Ein mit dem Brahma- und Buddhakultus und seinen Monumenten vertrauter Forscher würde gewiss hier sowohl als weiter östlich in Java ein reiches Feld für seine Thätigkeit finden.