Er blieb noch einen Augenblick still sitzen. In einer raschen, heiß aufsteigenden Aufwallung nahm er dann Heddas Kopf zwischen die Hände. Er küßte sie stürmisch.

„Mein Liebling,“ stammelte er; es klang wie verhaltenes Schluchzen. Er tastete über ihre Wangen und streichelte sie. Er war so selig, daß er sein Kind noch behalten durfte.

Der Wagen hielt. August, mit einer Stalllaterne in der Hand, öffnete den Schlag. Auch Dörthe war noch auf. Sie fragte, ob die gnädigen Herrschaften vielleicht noch Teewasser wünschten.

„Nein, Dörthe,“ erwiderte Hedda; „wir gehen gleich zu Bett. Wir sind müde. Gute Nacht, Papa – schlaf wohl!“

Er küßte sie nochmals, und da er fühlte, daß ihre Hände kalt wie Eis waren, wandte er sich an Dörthe.

„Hast du dem gnädigen Fräulein eine Wärmflasche in das Bett gelegt?“

„Jawohl, Herr Baron.“

Er war zufrieden. Hedda stieg die Treppe hinauf in ihr Zimmer, stellte das Licht auf den Nachttisch und begann sich langsam zu entkleiden. Es war merkwürdig – sie fühlte sich wirklich grenzenlos müde und dabei so zerschlagen in allen Gliedern, als ob sie einen weiten Marsch hinter sich habe. In Korsett und Unterrock setzte sie sich auf den Bettrand und faltete die Hände. Ein holdes Lächeln flog über ihr Gesicht. Der Gedanke, geliebt zu sein, ist immer süß für das Herz des Weibes. Aber das Lächeln erstarb rasch. Sie dachte an den zurück, den sie nicht vergessen konnte, und seufzte.

An der Tür klopfte es leise.

„Was gibt’s noch?“ rief Hedda.