„Baronshof, 3. Januar.

„Mein verehrter Herr Kommerzienrat!

Ich habe mit meiner Tochter gesprochen. Es tut mir leid und wird mir schwer, Ihnen sagen zu müssen, daß sie der Ansicht ist, Ihr Herr Sohn sei von einer Täuschung befangen. Sie hält es noch nicht für an der Zeit, über ihr Herz zu entscheiden ...“ Das war genau so, wie Hedda es vorgeschrieben hatte. Nun kam eine philosophische Wendung: „Mädchenherzen sind unberechenbar, lieber Herr Kommerzienrat ...“ Dann ein Trostwort: „Die Zeit wird schon alles ausheilen ...“ Und schließlich die formelle Höflichkeit: „Ich hoffe, der kleine Zwischenfall wird Auberg und Baronshof nicht auseinanderbringen. Mit besten Empfehlungen allerseits

Ihr ganz ergebener

Freiherr von Hellstern.“

Gunther gab den Brief an die Mutter weiter. Er war weiß wie Kalk geworden. Rasch trank er sein Glas Sherry aus, doch seine Hand zitterte heftig dabei. Die Mutter griff, die Augen feucht, nach der Rechten ihres Jungen und tätschelte sie wortlos.

Eine bange Stille war eingetreten.

Plötzlich sprang der Kommerzienrat wütend auf und stieß seinen Stuhl gegen den Boden.

„Mach nicht solche Leidensmiene, Gunther!“ rief er zornig. „Du hast dir einen Korb geholt – Schwerenot, was ist weiter dabei! Du kriegst noch andre als das hochnäsige Mädel von drüben!“

Nun erhob sich auch Gunther.