„Bitte, Papa,“ entgegnete er abwehrend und mit fester Stimme, „kein Wort weiter darüber! Vor allem keine Schmähung! Wer verdient eine solche? Die Sache ist tot und begraben. Wenn ihr mir eine Liebe erweisen wollt, erwähnt sie nicht mehr. Irrungen soll man abtun ...“
Seine Stimme brach. Er sah sich wie hilflos um, als suche er irgend etwas.
„Ich – ich will fort,“ fuhr er fort. „Es wäre auch nicht in der Ordnung, wenn ich unter den obwaltenden Verhältnissen hier bleiben wollte – gerade jetzt. Später – wird sich ja alles legen.... Wenn ihr nichts dagegen habt, reise ich auf ein paar Wochen nach Oberitalien oder dem Genfersee. Da kann ich in Ruhe meine Arbeit vollenden. Und dann kommt der Sommer und dann meine Offiziersübung in Lissa – das gibt Abwechslung genug. Das wird mir auch gut tun. Aber – ich möchte dann schon mit dem Abendzug fahren ...“
Die Eltern redeten in ruhigen und verständigen Worten von unnötiger Überhastung ab. Das Herz tat beiden weh. Sie fühlten, daß Gunther sehr litt. Aber sie konnten ihm wahrlich nicht helfen. Er blieb auch fest. Er wollte durchaus fort. Einen Augenblick schwankte er, ob er dem Pastor lebewohl sagen sollte. Doch er konnte sich nicht dazu entschließen, noch einmal in das Dorf zu gehen. Er fürchtete sich davor, Hedda zu begegnen.
Der Kommerzienrat, sonst ziemlich bequem, ließ es sich nicht nehmen, Gunther nach der Station zu begleiten. Er war auch vernünftig genug, während der Schlittenfahrt durch den Wald mit keinem Wort auf die Herzensgeschichte zurückzukommen. Gunther dankte ihm im stillen dafür. Er sprach fast gar nicht. Wieder störte ihn der Kutscher hinten auf der Pritsche – wie damals. Ach, damals! Da glitzerte der Sonnenschein durch das Eisgezweige, und seine Brust war voller Hoffen. Und jetzt nächtete es.
Die Herren trafen in letzter Minute auf dem Bahnhof ein. Es war gerade noch Zeit ein Billett zu lösen.
„Grüße die Mama!“ rief Gunther aus dem offenen Coupéfenster.
„Danke, mein Junge! Und sei recht vernünftig! Und laß dir nichts abgehen! Wenn du noch Geld brauchst, so telegraphiere – hörst du, telegraphiere!“
Der Zug brauste davon. Als Schellheim an seinen Schlitten zurückkehrte, klingelte von der Chaussee aus ein zweiter Schlitten heran und hielt vor dem Stationsgebäude. Der Kommerzienrat sah Herrn von Wessels aussteigen und begrüßte ihn.
„Im Dienst, Herr Landrat?“ fragte er, auf die schwarze Ledermappe deutend, die der Angeredete unter dem Arm trug.