„Vorher nicht,“ fiel der Alte ein; „aber jetzt liegt die Sache doch anders.“

„Ich wüßte nicht inwiefern, gestrenger Herr Vater.“

Der Freiherr überhörte die letzte Äußerung. Er hatte den Kopf in die Hand gestützt und schaute sinnend und melancholisch, mit leisem Seufzer, zu Hedda hinüber.

„Schade, daß der Axel so ’n armer, kranker Teufel ist,“ sagte er.

„Ich bemitleide ihn auch, und von ganzem Herzen –“

„Denk mal, was das für eine Partie für dich gewesen wäre!“

Hedda fuhr betroffen auf; dann lachte sie wieder: „Willst du mich denn so absolut los sein, Papa?“

„Unsinn! Du weißt recht gut, daß ich dich am liebsten immer bei mir und um mich behalten möchte – weißt’s recht gut! Aber ’mal muß ich mich doch mit dem Gedanken vertraut machen, dich abzugeben – lieber Gott, das ist doch nun einmal das Schicksal der Töchter! Glaube nicht, daß ich gar so selbstsüchtig bin; ich habe mir über deine Zukunft schon manchmal meine Gedanken gemacht. Jahr um Jahr vergeht, und du sitzest hier auf dem Baronshofe und lernst keinen vernünftigen Menschen kennen –“

„Erlaube, Papa –“

„Na ja, ich meine, keinen, der sich für dich eignen würde. Mit dem Gunther von da drüben war es doch nichts! Es ist eine niederträchtige Geschichte. Ich ärgere mich, daß ich dich nicht doch noch zu Tante Jutta nach Berlin geschickt habe. Es sollen sehr nette Leute bei ihr verkehren.“