„Du bist nicht mehr die Jüngste, Mutter,“ sagte er. „So einem großen Hotelwesen muß eine rüstige Kraft vorstehen.“

„Gottlob, das ist die Dörthe,“ warf Fritz ein.

„Und wenn sie’s auch zehnmal wäre,“ fuhr Albert heftig auf; „wenn du dir hier in Oberlemmingen eine Stellung schaffen willst, kannst und darfst du kein Bauernmädel heiraten!“ ... Er lenkte ein, als er das bestürzte und unglückliche Gesicht seines Bruders sah. „Du mußt Vernunft annehmen, Fritz,“ fuhr er fort. „Ich konnte auch nicht vorher wissen, wie sich alles gestalten würde. Es scheint, als habe der Kommerzienrat Lust, die ganze Macht an sich zu reißen und uns auf dem Trockenen sitzen zu lassen. Dem müssen wir vorbeugen. Das können wir aber nur, wenn wir Brüder uns solidarisch erklären, das heißt also, wenn wir einer für alle stehen und uns gegenseitig aushelfen. Ich sage dir, auch ich werde heiraten, aber ich muß noch warten; die Rechte ist noch nicht da, und ich brauche viel Geld. Geld ist die Hauptsache.“

„Die Hauptsache,“ bestätigte auch der Alte, und Bertold nickte dazu: „Man muß rechnen.“

„Also schlag dir die Dörthe aus dem Kopf, Fritz,“ begann Albert von neuem. „Das gibt ein paar Tränen, und in einem Vierteljahr ist die Sache vergessen. Ich habe vorhin mit dem Landrat gesprochen. Er fragte, ob wir den Wittke wieder zum Schulzen wählen würden. Der scheint ihm nicht recht zu passen, und er hat auch recht. Wittke ist einer von den Alten, bäurisch durch und durch, immer in Schmierstiefeln und mit der Pfeife im Maule. So einen können wir nicht brauchen. Oberlemmingen wird wachsen und einen städtischen Anstrich bekommen. Der Schulze wird nicht mehr Schulze, sondern Bürgermeister sein. Er muß auch was vorstellen können – wir wollen ja doch die vornehme Welt heranziehen! Und das sah auch der Landrat ein. Er hat mich gefragt, ob du dich nicht zum Schulzen eignen würdest!“

Fritz schlug die Augen zu Boden. Er wußte nicht, was er sagen sollte. Man wollte ihm die Dörthe nehmen; das stand fest. Und so gewaltig war das Ansehen Alberts in der Familie gewachsen, daß er gar nicht mehr zu widerstreben wagte. Im stillen hatte er längst gefürchtet, daß die Verlobung wieder auseinandergehen würde.

Vater Möller hatte sich neben Albert gesetzt und die Ellbogen auf den Tisch gestützt. Sein schlaues Bauerngesicht sah hart aus, als sei es aus Stein gehauen.

„Hast du nun gehört, Fritz?“ sagte er. „Der Landrat hat gefragt, ob du dich nicht zum Schulzen eignen würdest?“

„Na, gewiß,“ entgegnete Fritz etwas zaghaft, „warum denn nicht? Dazu gehört doch nicht so viel!“

„Mein’ ich auch,“ fügte Albert ein, „und daß du gewählt wirst, dafür laß mich nur sorgen. Das ist eine große Stütze für uns alle, wenn du der Ortsvorstand bist. Ich für meinen Teil werde mich darum bemühen, Amtsvorsteher zu werden; Hauptmann Biese will niederlegen – es geht auch nicht, daß der Vertreter eines so wichtigen Postens in Grochau wohnt. Und nun zum Schluß: ich habe eine andre Partie für dich, Fritz.“