Fritz fuhr erschreckt in die Höhe.
„Aber, Albert – ich bin ja noch nicht einmal auseinander mit der Dörthe,“ wagte er einzuwerfen.
Jetzt nahm auch die Mutter das Wort. Sie begann sofort zu keifen und zu schimpfen. Wenn es nach ihr gegangen, wäre die Dörthe überhaupt nicht ins Haus gekommen. Es hätte ihr von vornherein nicht gepaßt. Und schließlich erging sie sich in allerhand Anspielungen, das Mädchen zu verdächtigen. Sie treibe sich herum; neulich habe man sie noch nach Mitternacht an der Seite von Anton Tengler durch das Dorf schleichen sehen ...
Der Alte schnitt ihr endlich mit drohender Handbewegung das Wort ab. „Was für ’ne Partie?“ fragte er Albert; „rede!“
Albert legte seinen Plan dar. Ring, der Schwiegervater Bertolds, wolle die Sache machen. Es handle sich um die einzige Tochter Franz Grödeckes, Schlächtermeisters in Frankfurt. Der alte Möller nickte. Er kannte den Grödecke in der Richtstraße; ein schlauer Halunke, aber er hatte Geld gemacht. Also dessen Tochter?! – Und Albert erzählte weiter. Das Mädchen sei nicht mehr ganz jung, etwa dreißigjährig, aber groß und ganz hübsch und nehme sich recht stattlich aus. Grödecke habe sich bereits einverstanden erklärt, wolle zwanzigtausend Taler Mitgift geben, stelle aber die Bedingung, daß ihm kontraktlich die gesamten Fleischlieferungen für Oberlemmingen verbürgt würden. Statt dessen wolle man ihm vorschlagen, in Verbindung mit dem Hotel eine Engrosschlächterei hier an Ort und Stelle zu errichten. In ausführlicher Weise legte Albert die Vorteile dieser Verbindung klar. Fritz wäre ein Narr, wenn er nicht mit beiden Händen zugriffe.
„Da gibt’s nichts weiter zu reden,“ sagte der Alte ruhig; „Fritz heiratet das Mädel.“
Noch einmal versuchte der arme Junge zu widersprechen. Er stand auf, reckte seine riesige Gestalt, zog die Schultern, gleichsam entschuldigend, hoch in die Höhe und stotterte: „Vater – Vater, sei mir nicht böse; ich kann’s nicht!“
Mit einem Sprung stand der Alte dicht vor ihm. Purpurrot färbte der jähe Zorn sein hartes Greisengesicht. Die Augen unter der vorspringenden, viereckigen Stirn loderten, die Fäuste hoben sich.
„So,“ stieß er hervor, „du gehorchst nicht – gehorchst nicht?!“
Fritz duckte sich wie ein Schuljunge, der das Lineal fürchtet. Aber er erwiderte kein Wort. Er zitterte am ganzen Leibe.