Klaus ließ die Zügel hängen. Der Rappe schritt langsam über den Moosgrund, durch Farne und Erdbeerkraut und schnupperte umher und riß hie und da ein Zweiglein von einem tief herabhängenden Buchenast, mit seinen alten Zähnen die frischen grünen Blätter zermalmend. Da lag der See in siegendem Sonnenglanze, golddurchstrahlt, mit schneeweißer Schaumeinfassung, inmitten bewaldeter Hänge, über die, wie ein Wahrzeichen überwundener Feudalität, der quadratische Turm des Döbbernitzer Schlosses hinausragte. Drüben das rote Ziegeldach des Forsthauses und die Eichenschonung, die Wiesentrift, auf der ein ganzer Flor wilder Blumen blühte, und der große Felsstein, auf dem sie damals gesessen hatte!
Klaus zuckte zusammen. Saß sie nicht wieder da? War sie das nicht, die Dame im lila geblümten hellen Kleide und mit dem großen Strohhut, die ihm den Rücken wandte, mit gesenktem Kopfe, als suche ihr Blick irgend etwas zwischen dem Ufergeröll zu ihren Füßen?
Der Rappe wieherte plötzlich auf. Die Dame schaute sich um und erhob sich. Klaus sah, wie sie mit beiden Händen zum Herzen griff. Er sprang ab, schlang die Zügel um den nächsten Baum und näherte sich ihr mit abgezogenem Hute.
„Grüß Gott, Cousine,“ sagte er ruhig. „Das ist ein unerwartetes Zusammentreffen, aber ich freue mich von Herzen darüber. So kann ich dir wenigstens noch Lebewohl sagen.“
Sie war blaß geworden, faßte sich aber sofort und erwiderte seinen Händedruck. „Ich hörte, daß heut über Döbbernitz entschieden werden soll,“ entgegnete sie. „Hast du noch keine Nachricht?“
Er verneinte. Das sei unmöglich; vor zwei, drei Uhr könne der Termin nicht beendet sein.
„Und warum bist du nicht selber da?“
Sie hatte sich wieder gesetzt, und er warf sich neben sie auf die Erde.
„Was sollte ich da, Hedda?! Eingreifen konnte ich nicht mehr, und – nun, ich schämte mich auch!“
Die Bitterkeit stieg in ihr auf.