„Allons,“ sagte er, „den Koffer auf den Wagen des Herrn Möller! Ich verreise für einige Zeit. Du wirst ja hören, wann ich zurückkomme –“

Die Kleine starrte ihn mit großen Augen erschreckt an. Aber sie entgegnete kein Wort. Sie war an willenloses Gehorchen gewöhnt.

Der Wagen ratterte über das Hofpflaster und fuhr staubaufwirbelnd den Berghang hinab.

Jule war in der Prallsonne stehen geblieben. Aus dem Stalle wurde ein leises Wiehern vernehmbar. Der Rappe wollte sein Futter haben. Er und die Jule, die Zurückbleibenden, waren die letzten lebendigen Wesen im Döbbernitzer Schlosse.

Hinten im Parke, ganz umbuscht vom Grün stark wuchernder Schneeballen, stand ein einfacher Tempelbau, eine Art Mausoleum. Unter den Sandsteinplatten im Innern ruhten die Särge der Eltern Zernins. Auch hier tiefer und schweigender Friede, kein Laut des Lebens.

Nur ein gelber Schmetterling flatterte, hin und her huschend, über das körnige Grau des Sandsteins.

Elftes Kapitel

Der Sommer ging zur Rüste. Die Nächte wurden kalt, es herbstelte stark.

Oberlemmingen konnte mit seiner ersten Saison zufrieden sein. Die Reklame hatte gewirkt. Allerdings waren in ärztlichen Kreisen auch einige Stimmen laut geworden, die dem Gutachten des Professors Statius und seiner Leute widersprachen, die die Analyse für inkorrekt und die unter Posaunenschall der Welt verkündete Heilkraft der Bismarckquelle für ziemlich unbedeutend erklärten. Man habe in unglaublichster Weise übertrieben, so äußerten sich jene Stimmen; man habe aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Das Wässerchen habe seine Vorzüge – gewiß, aber es sei mit den Kissinger Quellen gar nicht zu vergleichen; und in einer medizinischen Monatsschrift fiel sogar der unparlamentarische Ausdruck „Mumpitz“.

Darauf schien Kommerzienrat Schellheim nur gewartet zu haben. Sofort wurde der Schlachtplan für den Reklamefeldzug während des Winters entworfen. Wieder flatterten viele Tausende von Broschüren über die Lande. Flugblätter verkündeten auch der Laienwelt die Entgegnung des Professors Statius. Die großen Zeitungen wurden mit Inseraten überschüttet und lobten dafür im redaktionellen Teil das märkische Bad; Postkarten mit Ansichten von Oberlemmingen kamen in den Handel; Schellheim ließ eine „Bismarckquellen-Polka“ komponieren und auf den Musikmarkt bringen, und eine Novelle: „Die Großbäuerin von Oberlemmingen“, wurde sämtlichen Kreisblättern zum freien Abdruck zur Verfügung gestellt. Das war eine rührsame Dorfgeschichte, die den Verfasser der ersten Broschüre zum Autor hatte, und in der natürlich auch die Quelle eine Rolle spielte. So sollte den ganzen Winter hindurch das Tamtam gerührt werden.