„Gut – männlicher als sonst. Er kommt eben aus dem Manöver. Es ist merkwürdig, was wir für einseitige Menschen sind! Ich bin überzeugt, in seiner hübschen Husarenuniform würde er mir sehr gefallen. Schwarz und silberne Verschnürung, mit dem großen Totenkopf auf der Bärenmütze.“

„Ich weiß,“ erwiderte Hellstern nickend; „ein gutes Regiment. Nun, dieser Gunther ist ja doch auch immerhin ein anständiger Mann ... Da ist ein Brief von Axel gekommen, der dich interessieren wird.“

Er reichte Hedda das Schriftstück, und sie begann zu lesen:

„Liebster Onkel – liebste Cousine!

„Zunächst Verzeihung, daß ich französisch schreibe – es geht mir immer noch rascher von der Hand wie Eure Muttersprache, und ich habe Euch eine ganze Menge zu erzählen. Wie Ihr aus dem Poststempel erseht, bin ich nicht in Berlin, sondern in Gehringen. Das liegt in der Schweiz, ein Stündchen von Basel, und ist eine Heilanstalt, die mir ein befreundeter Arzt empfohlen hat. Ich wollte nämlich einmal meinem Husten zu Leibe gehen. Nun kuriert man hier unten freilich nicht auf gewöhnliche Weise, mittels allerhand Mixturen aus Flaschen und Schachteln und Töpfen, sondern durch Sonnenbäder, Elektrizität, Massage, kaltes und heißes Wasser, Fichtennadeln und Gott weiß was noch – aber die Tatsache steht fest: es geht mir bedeutend besser, so daß ich mich mit der Hoffnung trage, Euch in üppiger Gesundheit wieder begrüßen zu können.

„Und das soll bald geschehen. Mein Abschied ist mir in Gnaden bewilligt – sogar mit einem Orden, der sehr schön aussieht und an einem Bande mit drei Farben hängt. Da will ich mich denn nun im Spätherbst in Eurer Nähe, nämlich in Döbbernitz, festsetzen. Rieske, der Verwalter, den Du, lieber Ohm, mir empfohlen hast, scheint sich ausgezeichnet zu machen. Er schickt mir wöchentlich zwei ausführliche Berichte, die mich über alles informieren und trotzdem knapp gehalten sind. Das gefällt mir. Ich finde auch, daß er sparsam wirtschaftet. Die Anschaffung des Inventars und die Instandsetzung der ganzen Geschichte verlangen natürlich Opfer, aber ich bringe sie gern. Schon weil ich nun wieder ein Heimatplätzchen bekomme. Ich kann Euch nur sagen, daß ich mir immer wieder von neuem Glück zu meiner Idee wünsche. Es war der vernünftigste Streich meines Lebens, der Ankauf von Döbbernitz.

„Sehr, sehr gern würde ich es sehen, wenn Hedda sich einmal die Schloßeinrichtung ansehen wollte. Eine Masse hübscher Möbel habe ich unterwegs kaufen können, auch hier in der Umgegend, auf alten Bauerngehöften und in den Kleinstädten noch mancherlei Nettes und Interessantes gefunden. Aber die weibliche Beihilfe fehlt mir doch. Und dann weiß ich nicht, wie die Berliner Dekorateure die Sache arrangiert haben. Ich werde wohl alles wieder ‚umkrempeln‘ – sagt Ihr nicht immer ‚umkrempeln‘? –, wenn ich erst in Döbbernitz bin. Hedda, dabei mußt Du mir aber zur Hand gehen! Das kann ich als Vetter verlangen. Ein paar Zimmer werden so wie so für Euch beide eingerichtet, denn ich hoffe, Ihr werdet öfters, nein recht oft, sehr oft, bei mir zu Gast sein. Die moosgrün bezogenen Möbel sind speziell für Dein Zimmer bestimmt, Hedda. Ich fand die Formen so hübsch, edel und schön in den Proportionen, nicht so spielerisch und gesucht originell, wie der moderne englische Geschmack sie liebt. Der Renaissanceschrank und das große Himmelbett stammen aus dem Palazzo Formosa in Bologna.

„Siehst du, Hedda, und da freue ich mich jetzt schon darauf, mit Dir zusammen im Schlosse von Döbbernitz Ordnung und Behaglichkeit schaffen zu können. Wir gehn zimmerweise vor, und für jedes Zimmer lasse ich dich extra vom Baronshofe holen, damit das Vergnügen länger dauert. Und dann freue ich mich auch auf unsre Spaziergänge im Walde, unten am See, wo die Eichen stehen und der große Felsblock liegt. Ich sagte es Dir ja: bei Euch werde ich wieder ganz gesund und auch noch einmal jung werden, denn es weht Heimatluft bei Euch, und die war’s, die mir fehlte. Ich bin ganz krank vor Sehnsucht. Das ist mir noch nie passiert.

„Ende Oktober denke ich zurück zu sein. Fröhlichen und herzlichen Gruß Dir, Onkel, und Dir, liebe Base, von

Euerm getreuen