Und wieder begann Axel zu erklären. Die hochlehnigen Chorstühle waren florentinische Arbeit; er hatte sie schon vor Jahren einem Hotelier in Venedig abgekauft, weil er sie so schön fand, und zweifellos paßten sie mit ihren massiven und doch auch schlank und edel wirkenden Formen ausgezeichnet in den großen Raum dieses alten Rittersaals. Die Fenster hatten wieder buntes Glas erhalten; die Gardinen bestanden aus geschorenem rotem Burgundersamt mit Bordüren aus gelbem Seidendamast. An einer Wand sah Hedda einen riesigen, zweitürigen Aufsatzschrank, auf dem ein paar köstlich gearbeitete Zunfthumpen aus Zinn standen. Überall auf Stühlen und Tischen lagen noch Stoffe, die zur Dekoration verwandt werden sollten, Brokate und Samtdecken, alte Kaseln, Stücke von Meßgewändern mit geometrisch geordneten Goldstickereien; vor dem Kamin war ein Dutzend orientalischer Gebetteppiche mit herrlichen Musterungen übereinandergeschichtet worden, daneben häufte sich ein Wirrwarr alter Seidenfransen, Silberspitzen und schwerer Quasten auf. So sah es in den meisten Zimmern aus; die ganzen Sammlungen Axels waren hierher geschafft worden und sollten Verwendung finden.
Axel sprach rasch und begeisterungsfreudig. Es machte ihm sichtlich Spaß, Hedda seine Schätze zu zeigen; er wußte auch gut Bescheid, erinnerte sich genau, wo er dies und jenes Stück erworben hatte, erzählte viel, schob Anekdotisches ein und war sehr aufgeräumt.
Schließlich ermüdete Hedda ein wenig vom Sehen und Umherwandern.
„Du sollst dich ausruhen,“ sagte Axel, „aber in deinen Zimmern. Ich schrieb es dir ja; ich habe für dich und den Onkel ein paar Räume einrichten lassen. Lieber Gott, Platz ist genug im Schlosse, und ich bin froh, daß ich meinen alten Plunder unterbringen konnte.“
Er führte sie in den nach dem Parke hinausführenden Flügel. Dort lagen die vier Gemächer seiner „Ehrengäste“, wie er sich ausdrückte: ein Empiresalon mit anstoßendem Schlafkabinett für Hedda, und ein Wohn- und Schlafzimmer für den Onkel.
Hedda war überrascht, als sie den Salon betrat. Die wunderschöne alte Empiregarnitur, die hier aufgestellt worden war – die Sessel aus Palisander mit reichen Intarsien und ihrem grünlichen Damastbezug, der Schreibschrank mit den Wedgewoodvasen und seinem zwischen Alabastersäulen hineingebauten Gewirr zahlloser kleiner Schubladen, die Vitrinen und schön gestickten Paravents – all dies entzückte sie nicht so sehr wie der wundervolle Duft, der ihr entgegenschlug, und der Blumenflor, der sich vor ihr auftat. Überall standen in Vasen und Gläsern frische Rosen. Man begriff kaum, wie Axel zur Herbstzeit diese Blütenfülle herbeigeschafft hatte. Aus einem hohen Kelchglas mit gedrehtem Schaft quollen voll aufgeblühte Gloires de Dijon: in einer großen Kristallschale badeten sich blaßrosa Röschen; aus einer Vase von Meißener Porzellan blühte es flammend rot empor, aus einer andern burgunderfarbig und wie Atlas schimmernd, und wieder aus einer ganz weiß, gleich frisch gefallenem Schnee. Es war zauberhaft.
Hedda war mitten im Zimmer stehen geblieben und hatte die Hände über der Brust gefaltet. Ihr Auge strahlte.
„O wie schön – wie schön!“ sagte sie flüsternd.
Er lächelte glücklich.
„Es macht mich stolz, daß ich dir eine Freude bereiten konnte,“ antwortete er. „Das Zimmer kam mir noch so kahl vor – so unbewohnt –, und ich weiß, du liebst die Rosen ...“