Rührung überkam sie. Diese zarte und sinnige Aufmerksamkeit stimmte sie weich. Sie streckte ihm beide Hände entgegen.

„Lieber Axel“ – und nochmals wiederholte sie: „Lieber Axel!“

Vielleicht war es der zärtliche Ton ihrer Stimme, vielleicht der weiche Ausdruck ihres Auges, der ihm Mut gab. Er lag plötzlich zu ihren Füßen und bedeckte ihre Hände mit Küssen.

„Hedda,“ stammelte er, „sei meine Herrin! In der Hoffnung auf dich erwarb ich diesen Besitz. Schau dich um – alles sei dein! Es sind nur irdische Güter, aber du wirst ihnen Geist und Seele geben. Es sollte meine Heimat werden, doch ich fühle es, ich habe keine ohne dich. Woran lag es, daß ich so einsam war? Nun weiß ich es: weil mein Herz liebeleer war! Ich habe mein halbes Leben hinter mir und – o Gott, wie war es öde und frostig! Ja, Hedda – jetzt bin ich erst meines Lebens froh geworden und erst meine Liebe zu dir hat die Einsamkeit verjagt, und erst deine Liebe wird mir die Heimat schaffen!“

Sie war sehr blaß geworden und zitterte. Er sah es, sprang auf, umschlang sie und führte sie an den nächsten Sessel.

„Ich war stürmisch,“ fuhr er fort, „vergib mir! Ich wollte noch warten und langsam um dich werben, mir Schritt für Schritt deine Liebe zu gewinnen suchen, aber – es kam so plötzlich über mich, als du mich ‚lieber Axel‘ nanntest! Und es ist auch ganz gut – ich hatte Furcht vor dieser Stunde –, ja, ich gestehe es – nun hab’ ich es hinter mir.“ ... Er setzte sich zu ihren Füßen.... „Du sollst Zeit haben, Hedda, sollst prüfen und überlegen –, ich will keine Antwort von heute zu morgen.... Ich kann ja auch nicht verlangen, daß du mich so liebst wie ich dich – aber vielleicht lernst du mich lieben. Ich bin schon zufrieden, wenn du mir nur Hoffnung gibst.... Und passen wir denn nicht auch zu einander, Hedda? Aus gleichem Stamme, mit gleichen Neigungen? Lockt dich nicht auch das Ziel, diesen alten Hellsternschen Besitz wieder zu Frucht und Blüte zu bringen?“

Er sprach noch weiter. Es mußte alles von seinem Herzen, was er an Hoffnungen und frohen Erwartungen aufgespeichert hatte. Hedda sah, wie dieser Glücksrausch, den die Zukunftsbilder in ihm entfachten, seine guten und treuen Augen erstrahlen ließ, wie es gleich Frühlingssonnenschein über sein hübsches und vornehmes, schmales Gesicht flutete. Der Duft der Rosen betäubte sie. Sie atmete schwer.

„Ich danke dir, Axel, daß du mir Bedenkzeit gibst,“ antwortete sie. „Ich bedarf ihrer; es kam mir alles zu unerwartet.... Und – und – die Rosen duften so stark ...“

Sie erhob sich schwankend. Er stützte sie und riß dann ein Fenster auf. Unten dehnte der weite Park sich aus, im Schmucke des Spätherbstes – eine tausendfach gefleckte Palette: bunte Baumwipfel, noch grüne Rasenflächen, schillernde Teppichbeete, rotes Weinlaub. Darüber hinweg sah man auf breite Streifen Acker und Feld; die Herbstbestellung war in vollem Gange. Vom Wirtschaftshofe herüber erscholl der Lärm der Arbeit.

O ja – das alles lockte!