Als sie den Waldrand erreicht hatte, nahm sie ihre Uhr in die Hand. Es fehlten nur noch zehn Minuten zu fünf. Sie stürmte vorwärts – gedankenlos, in fieberischer Aufregung. Wieder war der Wind erwacht und rauschte im Gezweige. Große Massen falber Blätter rieselten auf sie herab. Vier Rehe jagten in langen Sprüngen quer über den Weg.

Gottlob – da war der See! Blaugrau, mit Gischt übergossen und stark bewegt, tauchte er zwischen den Stämmen auf. Und da war auch Klaus!

Er schritt im Ufergrase auf und ab. Schon aus der Entfernung fiel es Hedda auf, daß sich sein Reiseanzug in arg vernachlässigtem Zustande befand. Sein Gesicht war schmal geworden, bleich, verwüstet; tiefe Schattenringe umgaben die Augen.

Er stürzte ihr entgegen.

„O Hedda – Gott sei gelobt!“

Er haschte nach ihren Händen und wollte sie küssen, doch sie entzog sie ihm. Es stürmte gewaltig in ihr, aber sie wollte wenigstens Ruhe heucheln.

„Guten Tag, Klaus! Wo kommst du her?“

„Aus dem Süden, Hedda, von der Riviera. Es war eine Verrücktheit. Ich hätte unten bleiben oder gleich weiter reisen sollen. Aber ich wollte dich noch einmal sehen –, noch einmal – das letzte Mal – ich verging fast vor Sehnsucht!“

„Klaus – warum lügst du?“

Sie sagte das in so herbem Tone, daß er zusammenzuckte. Alle Nerven in ihm schienen bis zum Übermaß angespannt zu sein. Die Muskeln blitzten in seinem Gesicht, seine Hände flogen.