Und da sie den Kopf neigte, ließ er sie los und trat zurück.

„Dann keinen Pfennig,“ sagte er rauh. „Ihm nichts mehr – nichts!“ Und plötzlich strömte wieder seine Liebe zu dem Mädchen, dessen Seele er in allen ihren Schwingungen zu kennen glaubte, in warmen Wellen durch sein Herz. „Hedda,“ rief er, „wie konnten Sie vergessen, was Sie mir versprochen hatten – schon vor zwei Jahren –, dieser Ihrer unwürdigen Liebe ein Ende zu machen!? Ja, unwürdig, denn Klaus ist schlimmer gewesen als leichtsinnig! Fragen Sie ihn einmal, wo die Papiere seines verstorbenen Vaters geblieben sind! Ich war der beste Freund des Alten und habe gewußt, welch reiches Material an Briefschaften und Tagebüchern und geheimen Mappen er hinterlassen hat. Aber als nach seinem Tode die Regierung kam, um diese Papiere einzufordern, da fand sich nur Unwichtiges und Gleichgültiges vor. Ihr Vater, Hedda, war gerade so erstaunt darüber als ich, – und als dann Klaus auf einmal, mitten im Zusammenkrachen, auf Wochen verschwand, um mit den Taschen voller Geld wieder heimzukehren, da dämmerte ein furchtbarer Verdacht in uns beiden auf ... Hedda, wenn Sie noch einmal mit Klaus Auge in Auge stehen sollten, dann fragen Sie ihn einmal, ob er nicht mit den Papieren seines Vaters einen ehrlosen Schacher getrieben habe!“

Sie wagte den Sprechenden nicht anzuschauen; sie nickte mit abgewandtem Kopfe.

„Er hat es,“ erwiderte sie dumpf. „Er hat es mir selbst anvertraut – und ich soll ihm über die Grenze helfen.“

Sie nestelte das Billet Zernins aus ihrer Tasche und reichte es Eycken.

Der Pastor überflog es. „Er fürchtet, daß man seine Schande entdeckt habe?“

„Er sagt, man verfolge ihn bereits.“

Eycken pfiff durch die Zähne. „Und wer soll ihm das Geld bringen und wohin?“

„Er wartet bis Mitternacht in dem verfallenen Jägerhaus – unten, in der Döbbernitzer Schlucht. Ich wollte Kopfschmerzen vorschützen und dem Vater früher gute Nacht sagen als sonst, und dann wollte ich mich selbst hinausschleichen zum Jägerhaus – wen sollte ich denn schicken, ohne daß es aufgefallen wäre?!“

Eycken hatte seinen Entschluß gefaßt. „Gehen Sie nach Hause, Hedda,“ sagte er. „Sie sollen ihn nicht mehr zu sehen bekommen – nie wieder! Kämpfen Sie tapfer nieder, was noch für ihn in Ihnen lebt –, er ist fürderhin tot für Sie!“