„Ich habe um Bedenkzeit gebeten, aber ich bin über Nacht zu dem Entschluß gekommen, ihm keinen Korb zu geben.“

Ein unterdrückter Jubellaut antwortete ihr. Hellstern hatte sich erheben wollen, doch fiel er wieder schwer in seinen Sessel zurück.

„Komm her,“ rief er, „ich alter Elefant kann mich kaum noch rühren! Aber ich muß dich umarmen! Meine Hedda – mein Liebling!“

Sie kniete ihm zur Seite und er küßte sie auf Stirn und Haar und streichelte ihre Wangen. Die Tränen rannen ihm in den struppigen Bart. Auch sie war bewegt, doch sie weinte nicht; sie nahm seine Hand und führte sie an ihre Lippen.

„O, wenn das die selige Mutter doch noch erlebt hätte!“ stammelte er. Und dann wurde er ruhiger. Seine Neugier siegte. Er wollte wissen, wie sich die Liebeserklärung abgespielt habe. Er fragte Hedda nach allen Einzelheiten. Sie erzählte in gelassener Weise, ziemlich trocken, als ob sie einen Bericht erstatte. Aber das fiel ihm nicht auf, er war an ihre „ruhige Vernunft“ gewöhnt. Er war glückselig. Über sein altes Gesicht blitzte und leuchtete es vor Freude. Gott sei gelobt, nun kam noch einmal Sonnenschein in den Abend seiner Tage! Konnte er sich für seine Einzige ein besseres Los wünschen? Axel war reich, unabhängig, ein Ehrenmann und ein Prachtmensch – im übrigen schien er ja auch wieder gesund geworden zu sein. Und dazu Döbbernitz, der alte Hellsternsche Sitz, die unmittelbare Nähe! Er schob seine Tasse mitten auf den Tisch.

„Wir müssen Axel Nachricht geben,“ sagte er. „Ich selbst werde ihm schreiben – das scheint mir das richtigste zu sein. Ich schreibe in deinem Namen und gebe als Vater meine Zustimmung. Ich lade ihn zum Mittagessen ein; was steht auf der Speisekarte?“

„Karbonade und Rotkraut,“ antwortete Hedda. Unwillkürlich mußte sie lächeln. „Das wird Axel ziemlich gleichgültig sein.“

„Glaub’ ich auch, wie ich ihn kenne. Trotzdem – zur Feier des Tages müssen wir das Menü ändern. Sieh zu, daß du etwas Besseres auf den Tisch bringst. August soll anspannen und meinen Brief nach Döbbernitz bringen.“ Er rührte gewaltig die Klingel.

August trat ein. Er kam soeben vom Reinigen der Lampen und wischte sich die öligen Finger an der Schürze ab.

Der Baron schmunzelte.