„Sie, lieber Möller,“ fiel er ein, „bemühen Sie sich nicht weiter! Ich mache so ’ne Geschichte nicht. Mein Name ist kein Aushängeschild – meiner nicht! Aber wenn’s schon ein Adeliger sein soll – ’s gibt ja leider genug adeliges Proletariat im Lande –, vielleicht finden Sie sogar ’nen Grafen –“
„Aber, Herr Baron,“ schnitt ihm Albert das Wort ab und hob die Hände, was der dicke Fritz ihm nachmachte, um sich wenigstens pantomimisch an der Debatte zu beteiligen, „es handelt sich ja doch um Ihren Namen, nicht um einen beliebigen – und auch um Ihre Person! Ihr Geschlecht sitzt hier ja hundert Jahre oder länger, was weiß ich – und Sie sind überall beliebt, bei Bauern und Gutsbesitzern, sind mit dem Herrn Landrat befreundet und mit beiden Abgeordneten, haben noch immer Sitz und Stimme im Herrenhause, im Provinziallandtag, bei den Synoden, den Kreisverhandlungen – du lieber Gott, das ist alles sehr wichtig für uns! Und wir wollen das ja auch nicht umsonst haben – Sie sollen mit bei der Sache verdienen –, wir kaufen Ihnen Ihr Haus ab und machen ein Sanatorium daraus ...“
Der Freiherr schlug mit der Hand auf den Tisch, daß es dröhnte.
„Sie sind wohl des Teufels, Möller?!“ schrie er. „Ich bin froh, daß ich meine vier Wände behalten konnte, – hier will ich auch sterben! Bauen Sie sich Ihr Sanatorium, wo Sie wollen, aber auf den Baronshof kommt mir kein fremdes Volk! Ich lasse eine Tafel am Parkeingang anbringen mit der Inschrift: ‚Kurgästen ist der Eintritt verboten.‘ Oberlemmingen war immer ein gesunder Ort, – aber mit eurer verdammten Quelle zieht ihr die Krankheiten mit Gewalt her. Es ist kein Vergnügen, lauter leidende Menschen um sich zu sehen. Die ganze Luft wird verpestet werden, und die Bazillen werden nur so umherschwirren. Hübsche Aussichten – ich danke ergebenst! Und zu dem allem soll ich euch auch noch helfen, meinen Namen hergeben als Köder, als Lockvogel – prost Mahlzeit, da seid ihr an den Falschen gekommen!“
Die drei Möllers schauten verdutzt vor sich nieder. Eine so rücksichtslose Abweisung hatte keiner von ihnen erwartet. Ihre unglücklichen Gesichter erweckten ein gewisses Mitleid in Hedda. Sie klappte ihr Lexikon zu und sagte:
„Ich denke mir, die Sache eilt noch nicht so. Es muß doch überlegt werden. Vielleicht kommen die Herren noch einmal wieder –“
„Nein!“ schrie der Alte erbost. „Ich will nichts mehr hören! Ging’ es nach mir, so würde die Quelle wieder zugestopft. Ich glaub’ nicht an ihren Segen!“
„Das ist jedermanns Sache, Herr Baron,“ erwiderte Albert, „zu glauben, was er selbst will. Wir hoffen etwas von der Quelle –“
„Ein gutes Geschäft hofft ihr – das lockt euch!“
„Das auch, freilich! Jeder Mensch will verdienen. Aber wir gewinnen nicht allein. Ganz Oberlemmingen wird aufblühen –“