Schellheim zupfte an seiner Weste.
„Hören Sie mal, mein lieber Herr,“ fuhr er fort, „Ihr Bruder – der ältere ist es, glaub’ ich – hat mir da mehrfach wieder geschrieben – wegen der Quellengeschichte. Er drangsaliert mich ein bißchen. Na – um ihm einen Gefallen zu erweisen, will ich mich der Sache annehmen, aber – aber ich muß freie Hand haben. Verstehen Sie, freie Hand!?“
„Jawohl, Herr Kommerzienrat,“ erwiderte Fritz, vollständig überzeugt, „freie Hand –“
„Sonst kann ich nämlich nichts machen, so gut wie gar nichts. Sagen Sie Ihrem Bruder, er möchte mal zu mir kommen. Wenn er gerade Zeit hat – es eilt ja nicht.“
„O, der hat schon Zeit,“ sagte Fritz unklug, mit strahlendem Gesicht, überglücklich darüber, daß die Angelegenheit nun ins Rollen kommen werde. „Der lauert nur drauf, Herr Kommerzienrat!“
„So!“ entgegnete dieser kurz und ging weiter.
Fritz war in so großer Aufregung, daß er den Heimweg kaum erwarten konnte. Er galt als der „dumme Junge“ in der Familie, wurde von allen von oben herab behandelt und trotz seiner physischen Kräfte bei jeder Gelegenheit unterdrückt. Und nun war er es, der die frohe Botschaft ins Haus bringen konnte, daß der Kommerzienrat eingewilligt habe, sich der Quellenangelegenheit anzunehmen. Er beschloß, den Angehörigen vorzulügen, daß er den Kommerzienrat überredet und „breitgeschlagen“ habe. Oho, so dumm, wie die andern glaubten, war er denn doch nicht; er wollte sich schon Respekt verschaffen.
Der Rückmarsch in das Dorf währte ewig lange für den Ungeduldigen. Er blies in sein Bombardon, daß man es noch in Kerbitschau hören konnte, eine Viertelmeile von Oberlemmingen. Seinen ganzen Jubel blies er in die alte Tuba, die sich geschmeichelt zu fühlen schien und das jauchzende Herz ihres Trägers in eine donnernde Tonfülle übersetzte. Die drei Repertoirestücke kamen hintereinander an die Reihe. Auf dem Dorfanger schwenkte der Zug in Frontstellung ein, und dann ging man auseinander.
Dörthe suchte ihren Vater auf.
„Das gnäd’ge Fräulein hat mir deine Rechnung bezahlt, Vater,“ sagte sie. „Mach die Hand auf! Einundzwanzig Mark achtzig – aber die Deichsel am gelben Wagen mußt du noch mal nachsehen, die klappert noch immer.“