Hedda trat ein und brachte ihre Glückwünsche vor. Dann begrüßte sie Gunther mit freundlichem Handschlag. „Seit wann wieder hier, Herr Doktor?“ fragte sie.

„Erst seit vorgestern, Baronesse,“ erwiderte Gunther unter leichtem Erröten; „aber ich will den Winter über aushalten, vielleicht sogar bis in den Mai hinein –“

„Ah – Sie bleiben längere Zeit?“

„Ja, gnädiges Fräulein. Ich habe eine Arbeit zu vollenden, die mich sehr in Anspruch nimmt, und zu der ich Ruhe und Stille brauche.“

„Nibelungenforschung?“ fragte Hedda lächelnd.

„Nein, diesmal nicht. Ich habe durch Zufall eine ganz interessante Entdeckung gemacht, die ich ausbeuten möchte ...“

Der Pastor nötigte zum Platznehmen. Hedda knüpfte ihr Pelzjackett auf. Es war warm im Zimmer. Das Gemach war geräumig, und alle vier Wände waren bis zur Decke hinauf mit Büchern gefüllt, auf einfache tannene Regale gereiht. Vor einem dieser Repositorien stand eine Leiter, und unten am Boden, am Fuße der Regale, lagen in unregelmäßigen Abständen weitere Bücher verschiedenen Formats aufgeschichtet. Die durfte die Wirtschafterin beim Reinigen des Zimmers nicht anrühren; der Pastor pflegte vor Beginn einer Arbeit die dazu nötigen Nachschlagewerke auszuwählen und ließ sie am Boden liegen, bis er sie brauchte. Übrigens beherbergte das Gemach noch nicht die Gesamtbibliothek Eyckens; das eigentliche Studierzimmer lag nebenan und war gleichfalls mit Büchern gefüllt. Der Pastor besaß an zehntausend Bände.

Hedda schlug erstaunt in die Hände.

„Was studieren und schreiben Sie nur alles zusammen, Herr Pastor!“ sagte sie naiv. „Ihre Predigten können Sie doch unmöglich so stark in Anspruch nehmen!“

„Nein, mein Kind,“ erwiderte Eycken, „das tun sie in der Tat nicht. Ich studiere zu meinem Vergnügen, wie andre Leute ins Theater gehen, Konzerte, Bälle und Soireen besuchen. Es ist eine Angewohnheit.“