„Wenn der Herr Baron fragen, muß ich antworten.“

„Ich frage gar nichts! Her mit dem Rock! Es ist wahr – ich werd’ immer dicker. Hedda muß die Knöpfe noch ein Stück weiter vorsetzen. Ich kriege das Ding nicht mal mehr zu.“

„Lassen ihn der Herr Baron doch man offen stehen,“ meinte August. „Es sieht ja besser aus. Aber die gestrickte Weste würd’ ich nicht anbehalten –“

„Ich tu’, was ich will. Die Weste bleibt drunter. Ich bin kein Popanz und kein Modegigerl. Drück mal von hinten ein bißchen nach, dann geht der Rock schon zu ... Hupla – na, siehst du wohl!“

Der Alte trat vor den kleinen Spiegel, der über dem Waschtisch hing. Er gefiel sich ganz gut. Aber in Wahrheit sah er weniger hübsch als grotesk aus. Der lange, schwarzblaue Rock hatte eine eigentümliche Biedermaierfasson, umspannte den Oberkörper und den mächtigen Leib in ängstlicher Faltenlosigkeit und strebte von den Hüften an wie das Kleid einer Bäuerin nach auswärts. Dazu trug der Baron dunkle, gestreifte Beinkleider von außerordentlicher Weite und bequeme Filzstiefel.

Hellstern lächelte, als er sein Ebenbild im Spiegel erschaute.

„Wie ein Elefant,“ meinte er schmunzelnd; „man kann auch Dickhäuter sagen. Aber dennoch ganz stattlich. Das Halstuch, August!“

„Erst setzen!“ antwortete dieser und schob dem Baron einen massiven eisernen Stuhl zu, auf dem sich Hellstern wuchtig niederließ. Dann schlang August seinem Herrn das sauber gefaltete schwarze Tuch um den Hals und steckte vorn eine goldene Busennadel hinein; Hedda hatte sie aus einem Ohrring der seligen Mutter anfertigen lassen.

Indessen rollte unten die Viktoria des Kommerzienrats vor die Veranda. August beeilte sich, den Schlag öffnen zu helfen. Er trug einen verschossenen blauen Rock mit versilberten Knöpfen. Der reich galonnierte Diener des Kommerzienrats, der neben dem Kutscher gesessen hatte, war ihm bereits zuvorgekommen und schaute ihn ein klein wenig von der Seite an. Das ärgerte August. Er gab dem Livreekollegen einen kräftigen Schubbs und stellte sich neben den Schlag.

Auf der Veranda erschien Hedda. Zwei junge Herren sprangen zuerst aus dem Wagen, Hagen und Gunther, die Söhne des Kommerzienrats, beide in Gehröcken und blanken Zylinderhüten. Dann kam die Mutter, eine zierliche, kleine Dame von sympathischem Äußern – dann der Rat selbst, untersetzt, mit gefälligem Embonpoint, das kluge Gesicht nach englischer Sitte bis auf einen kurzen, auf der halben Backe wie über einem Lineal abgeschnittenen grauen Bart glatt rasiert.