Die Begrüßung seitens Schellheims war lebhaft und herzlich, seitens seiner Frau liebenswürdig reserviert. Die Söhne hielten sich zurück, die Zylinder im Arm, den Oberkörper leicht nach vorn geneigt. Hedda gab jedem die Hand und führte den Besuch sodann in das Wohnzimmer.

Hellstern war noch nicht anwesend, aber man hörte im Korridor bereits das gleichförmige Geräusch, das das Aufstoßen seiner Stöcke auf dem Fußboden hervorrief.

Als er eintrat, ging ihm der Kommerzienrat mit strahlendem Gesicht und rascher, pendelnder Armbewegung entgegen.

„Mein sehr verehrter Herr Baron – ich freue mich herzlich – ich freu’ mich von ganzem Herzen ...“

„Lieber Herr Kommerzienrat!“ Hellstern drückte Schellheim so kräftig die Rechte, daß dieser am liebsten mit einem energischen Donnerwetter geantwortet hätte, küßte sodann der tief herniederrauschenden Rätin die Hand und sagte den jungen Herren „Guten Tag“.

Man setzte sich, und rasch war die Unterhaltung im Fluß. Schellheim war ein weltgewandter Mann, bei dem nur zuweilen, in seltenen Ausnahmefällen, die Protzigkeit des Parvenus, der sich aus kleinen Anfängen emporgearbeitet, hervorbrach. Aber die große Lebhaftigkeit, mit der er, von ausdrucksvollem Gebärdenspiel unterstützt, sprach und agierte, ließ dies nicht sonderlich auffallen.

Seine Frau war ziemlich still. Nur auf direkte Anrede hin pflegte sie etwas zu sagen, mit einer Stimme, die wunderbar einschmeichelnd, weich und melodiös klang. Auf Hedda machte die Rätin einen sehr angenehmen Eindruck. Sie war nicht hübsch, aber chic und vornehm. Sie mußte auch bedeutend jünger als ihr Gatte sein. Er hatte sie geheiratet, als er bereits ein gemachter Mann war und seine Verhältnisse es ihm gestatteten, in eine „gute Familie zu kommen“. Er war immer liebenswürdig zu ihr, aber nie gütig. Ihre Bescheidenheit mißfiel ihm zuweilen; er hätte sich eine glänzendere Repräsentantin für sein Hauswesen gewünscht. Ihrer feinen musikalischen Bildung und ihrer Verehrung für Wagner zuliebe war er auf den schnurrigen Einfall gekommen, seinen Söhnen die Namen Hagen und Gunther geben zu lassen.

„Aber der grimme Hagen macht durchaus keinen blutdürstigen Eindruck,“ bemerkte Herr von Hellstern lächelnd, als das Gespräch sich dem Wagnerianismus zuwandte; „im Gegenteil ...“

Gunther, der jüngere der Brüder, errötete leicht, obschon nicht von ihm die Rede war. Er war schlank und schmächtig und ähnelte der Mutter. Ein Paar sehr schöne und kluge, sammetbraune Augen belebten das etwas blasse Gesicht.

Der „grimme Hagen“ schlug mehr dem Vater nach. Er war ebenso lebhaft wie dieser in Sprache und Bewegungen und zog den Mund ein wenig schief, wenn er lächelte. Er war auch der ganze Stolz seines Erzeugers, der Leiter der Fabrik und Träger der Firma, ein tüchtiger Kaufmann trotz seiner Lebemannsallüren. Gunther war aus der Rasse gefallen. Er hatte keinerlei merkantile Neigungen und galt für einen Gelehrten. Er war Literarhistoriker.