Das interessierte Hedda. Sie fragte, wo er studiere, und befand sich bald in angeregter Unterhaltung mit ihm. Gunther erzählte, daß er es bereits bis zum Dozenten an der Berliner Universität gebracht habe, und daß seine Spezialität die höfische Dichtung des Mittelalters sei. Insofern mache er auch seinem „ihm wider Willen“ gegebenen Vornamen Ehre, als er sich mit besonderem Eifer auf die Erforschung des Nibelungenliedes geworfen habe. Er führte noch einige Lyriker und Didaktiker aus der Blütezeit des Minnesangs an, Namen, die Hedda ziemlich fremd an das Ohr klangen; nur von Walter von der Vogelweide, von Tannhäuser und Ulrich von Lichtenstein hatte sie schon gehört.

Aber es gefiel ihr alles, was der junge Gelehrte sagte. Er hatte so eine nette Art, sich auszudrücken, und das weiche, sympathische Organ seiner Mutter. Er sprach bescheiden und ruhig und schien sichtlich erfreut zu sein über das Interesse, das Hedda ihm und seinem Studium entgegenbrachte. Unwillkürlich hatten die beiden während ihrer Unterhaltung sich ein wenig von den übrigen zurückgezogen. Sie standen in einer Fensternische, während die andern sich um den Sofatisch gruppierten.

Der Kommerzienrat führte im Augenblick das Wort.

„Ja, denken Sie sich, mein verehrter Herr Baron,“ sagte er, den ausgestreckten Zeigefinger seiner Rechten hoch in der Luft, „die Quelle soll in der Tat Mineralgehalt haben. Hören Sie mal, das könnte ’ne große Sache werden! Was meinen Sie, wenn wir aus Oberlemmingen ein Bad machten?!“

„Bleiben Sie mir vom Leibe!“ rief der Baron zurück. „Ein Bad – na, das fehlte noch! Bin froh, daß wir hier so in der Stille und Ruhe sitzen! Übrigens glaub’ ich das noch nicht recht – das mit der Quelle. Wo soll sie sein – an der Grauen Lehne?“

Schellheim nickte eifrig.

„Ja – an der Grauen Lehne, im Möllerschen Gehölz,“ antwortete er. „Man hat sie gar nicht beachtet – was versteht der Bauer vom Gurkensalat! Aber da hat sich ein Lehrer aus Frankfurt während der großen Ferien bei Möller im Gasthof eingemietet, und dem ist die Gaseentwicklung aufgefallen, mit der die Quelle aus dem Boden sprudelt, – wissen Sie, ich habe mir das Dings angesehen, es moussiert förmlich – wie eine Pommery ... Und da hat er denn einen befreundeten Chemiker darauf aufmerksam gemacht, der hat das Wasser genauer untersucht. Was soll ich Ihnen sagen, mein bester Herr Baron, – der Mann hat Kohlensäure und Eisen konstatiert und Möller angeraten, die Quelle schleunigst fassen zu lassen.“

Der Baron schüttelte den Kopf und strich sich dann über den Leib.

„Das Marienbader hat mich nicht schlanker gemacht,“ meinte er; „vielleicht ist unser heimisches Wässerchen wirkungsvoller.“

Schellheim lachte.