Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen am Tische, dann sprang der Rat erregt empor und warf seine Serviette auf den Stuhl.
„Daß du einmal irgend eine Verrücktheit begehen würdest, wußte ich ja,“ sagte er hart. „Praktischen Erwägungen bist du niemals zugänglich gewesen. Aber sich nun gerade –“
Er brach ab. „Bist du mit der Dame schon einig?“ fragte er, vor Gunther stehen bleibend.
„Nein, das nicht, Papa, aber ich habe die Hoffnung, daß Fräulein Hedda meine Werbung annehmen wird – sonst würde ich es nicht wagen. Indessen – ich wollte zunächst einmal mit euch sprechen.“
„Da hast du sehr recht getan. Und wenn du meinen Rat hören willst, Gunther, so schlag dir die Sache aus dem Kopf. Das ist nichts für dich – und erst recht nichts für uns. Das –“
Er wühlte mit den Händen in seinem Haar und lief erregt in der Halle auf und ab.
Nun nahm auch die Rätin das Wort.
„Ich habe nur wenig zu sagen,“ bemerkte sie mit ihrer weichen, zart klingenden Stimme. „Wenn Gunther das Mädchen liebt, soll er’s versuchen. Ich müßte lügen, wollte ich nicht offen gestehen, daß mir Fräulein von Hellstern sehr sympathisch ist.“
„Sympathisch!“ schrie der Rat. „Was das nun wieder heißen soll?! Bei einer solchen Frage ist doch wahrhaftig mehr zu überlegen! Ich bitte dich, liebe Frau, sieh ein, daß es sich in gewissem Sinne auch um uns handelt. Jawohl, um uns! Würde es dir lieb sein, wenn dich deine Frau Schwiegertochter über die Achsel ansieht? Wenn sie eine meilenweite Kluft zwischen Mutter und Sohn legt?“ Und Schellheim breitete beide Arme aus, als wolle er das Unermeßliche dieser Kluft andeuten.
Gunther widersprach ernsthaft. Davon könne gar keine Rede sein. Wenn Hedda Mitglied der Familie geworden wäre, so würden ihr gütiges Herz und ihr feiner Takt schon den rechten Ton des Verkehrs mit den Eltern finden.