Und merkwürdig genug – als Hellstern am andern Morgen aufstand, fühlte er sich erheblich wohler. Vielleicht hatte nur die kräftige Massage Augusts gewirkt, vielleicht auch die Schwitzkur – Tatsache war, daß der Baron sich freier und ohne starke Schmerzen bewegen konnte. Das machte ihn ganz glücklich. Dörthe mußte zu ihm kommen; die Einreibung von Vatern sei zwar nicht viel wert, aber für den guten Willen wolle er der Dörthe einen Taler schenken, und zwar einen mit der Inschrift: „Segen des Mansfelder Bergbaus“. Dörthe war so gerührt, daß sie erst dem Alten die Hand küßte und dann zu Hedda lief, ihr die Geschichte zu erzählen und ihr gleichfalls die Hand zu küssen. Schließlich erfuhr auch August von der Sache, und sie betrübte ihn; wenn der Alte einen Taler verschenke, meinte er, so werde er sicher nicht mehr lange leben. –

Hellstern schritt am Arme Heddas zur Kirche. Es hatte bereits zum dritten Mal geläutet, und von allen Seiten strömten die Leute herbei, grüßten den Baron mit einer gewissen freundlichen Unterwürfigkeit, blieben wohl auch, Front machend, vor ihm stehen und verbeugten sich ungeschickt. Vor der Kirchhofstür hielt der Schlitten des Kommerzienrats. Die Herrschaften waren bereits ausgestiegen und sprachen mit einem hochgewachsenen Herrn in schwarzbraunem Ulster und Zylinderhut.

Hellsterns Fuß stockte plötzlich. „Was Teufel,“ sagte er halblaut, „ist das nicht Klaus?!“

Er schaute zu Hedda auf, schien aber nicht zu bemerken, daß sie erblaßt war.

„Ja,“ erwiderte sie nickend, „es ist Klaus.“

Der Alte unterdrückte einen Fluch.

„Skandalös, daß der sich überhaupt noch sehen läßt!“ murrte er. „Wir grüßen, Hedda, doch ohne ihn anzusprechen!“

Und sie gingen vorüber. Aber der Vorsatz des Alten war unausführbar. Kaum hatte Schellheim ihn gesehen, so schoß er auf ihn zu.

„Mein Kompliment, lieber Baron! Freu’ mich von Herzen, Sie so rüstig zu sehen.... Denken Sie, ich wußte ja gar nicht, daß Sie mit Herrn von Zernin verwandt sind –“

„Doch – ja, mein verehrter Herr Rat –“