„Das würde nur unhöflich sein, Papa,“ erwiderte Hedda ruhig. „Vorderhand glaube ich noch nicht, daß Klaus im Auschlosse sein wird. Und wenn dennoch – dann muß es auch ertragen werden. Wir leben nun einmal in der Welt.“
Der Alte stampfte wütend mit seinen Krückstöcken auf den gefrorenen Schnee.
„Das Blut steigt mir zu Kopf, wenn ich den Burschen nur sehe!“ rief er. „Mit welcher Frechheit er uns begrüßte! Lächelnd und gleichmütig, als ob gar nichts geschehen sei.... Vielleicht will ihm Schellheim wieder auf die Beine helfen – haha! Da ist Hopfen und Malz verloren – nicht einmal die Winterung hat er mehr bestellen können – die Tagelöhner sind ihm davongelaufen – im November war wieder einmal Subhastationstermin angekündigt! Ich verstehe nicht, daß Klaus nicht längst zum Teufel ist! Hätte er Ehrgefühl im Leibe, so hätte er sich schon vor drei Jahren nach Amerika scheren müssen! Pah – Ehrgefühl – der?! ...“
Hedda schwieg. Ihre Wangen brannten, aber der Vater konnte nicht ahnen, wie tief ins Herz sie jedes seiner Worte traf. Dennoch machte es ihn stutzig, daß sie keine Antwort gab. Sie opponierte sonst gern. Er blieb stehen und schaute sie an. „Was sagst du?!“ fragte er.
„Nichts, Papa.“
„Warum nicht?! Ich glaube, du nimmst immer noch die Partei dieses ehrlosen Patrons?!“
Eine Flamme schlug über das Gesicht Heddas.
„Ich bitte dich, Papa – bitte dich herzlich: wäg deine Worte ab! Noch immer zählt Klaus zu unsrer Verwandtschaft –“
„Längst nicht mehr!“
„Und wenn du ihn hundertmal von deiner Schwelle jagst – er bleibt unser Vetter! Vergiß das nicht! Und vergiß auch nicht, daß Leichtsinn noch keine Ehrlosigkeit ist –“