Der Schluß war kurz; er galt den Gastgebern. Man nahm fröhlich das Hoch auf, dann aber zog, während auch die dicke Exzellenz wieder Platz genommen hatte, ein ganz leiser Hauch von Verstimmung oder wenigstens von Befremdung durch die Gesellschaft. Man hatte verstanden. Herr von Usens Blick hatte bei seinen Worten deutlich den Döbbernitzer Zernin gestreift. Der war gemeint. Der sollte im Verein mit dem Kommerzienrat die Quellengeschichte „entrieren“ – gerade der, der dem Bettelstab nahe war –, gerade der. Und unzweifelhaft war die Rede Usens ein Rehabilitationsversuch für Klaus von Zernin gewesen. Wie kam Usen dazu? Er hatte schon vorher dem verlotterten Döbbernitzer so merkwürdig herzlich die Hand geschüttelt – was sollte das alles heißen?! Herr von Wessels, der Landrat, lächelte sein feinstes diplomatisches Lächeln, und der Kammerherr von Ponteck flüsterte seiner Nachbarin zu: „Prost, meine Gnädigste – also gehen wir nach Kaminbirrira, oder wie das Ding heißt ...“

Zernins Gesicht hatte sich gar nicht verändert. Er spielte zuerst mit der Nelke, die neben seinem Teller lag, und hierauf mit einem kleinen goldenen Crayon, den er aus der Westentasche genommen hatte. Und auf einmal zog er seine Tischkarte näher und kritzelte ein paar Worte auf deren Rückseite. Dann schob er die Karte unbemerkt seiner rechten Nachbarin zu.

Hedda, die durch die Rede Usens eigentümlich berührt wurde, und auf deren Wangen Röte und Blässe wechselten, warf einen raschen Blick auf die Schrift und preßte die Zähne zusammen. Sie las: „Kann ich dich morgen nachmittag fünf Uhr auf wenige Minuten allein sprechen? – Am alten Platz.“

Wie in mechanischer Spielerei nahm sie die Karte und zerriß sie.

„Nein!“ sagte sie kurz.

Nur einer am Tische schien die kleine Episode bemerkt zu haben: der Pastor. Er sah sehr ernst aus; etwas wie eine folternde Sorge lag auf seinem schönen, alten Gesicht.

Der Kommerzienrat winkte seiner Gattin; man erhob sich. Die ganze Gesellschaft flutete in die Salons zurück, und wieder schwirrte, während man sich „Gesegnete Mahlzeit!“ wünschte, die Unterhaltung lebhaft auf. Jetzt drückte nicht mehr von allen Gästen Usen allein Herrn von Zernin die Hand; drei, vier, fünf andre folgten. Auch die Oberförsterin lächelte, als Klaus sich stumm vor ihr verneigte. Die Woydczinska strich dicht an ihm vorüber.

„Kommen Sie übermorgen abend,“ flüsterte sie ihm zu; „eine Cousine aus dem Polnischen ist bei mir zu Besuch. Wir wollen eine neue Sektmarke proben ...“

Als Herr von Usen dem Kommerzienrat die Hand drückte, fragte er halblaut:

„So war es gut, dächt’ ich –“