„Ach was – der alte Bismarck hat’s auch toll getrieben, als er noch auf Kniephof saß, und ist doch ein ganzer Mann geworden!“
„Wird sich der Zernin denn auf Döbbernitz halten können?“ warf der Oberförster ein.
Die Meinungen waren geteilt. Herr von Nehringen wollte wissen, daß Schellheim Döbbernitz im Interesse Zernins administrieren lassen werde. Herr von Ponteck vermutete, er wolle es kaufen – daher seine Bemühungen, Zernin eine neue Position zu schaffen.
Biese meinte, der Kommerzienrat sei eine „ganz schlaue Unke“. Er sprach von seinem Gastgeber nicht im freundlichsten Tone. Das ärgerte schließlich den Landrat.
„Erlauben Sie, Herr Nachbar,“ sagte er, „wir befinden uns noch immer unter dem Dache des Kommerzienrats ...“
In der Halle hatte man Whisttische aufgestellt. Die Damen saßen im ersten Empiresalon und sprachen von häuslichen Dingen. Im Augenblick wurde die Frage erwogen, ob sich Eingemachtes besser in verlöteten Blechbüchsen oder in hermetisch verschlossenen Gläsern halte. Frau Necker aus Klotschow führte das Wort. Nebenan kicherten die Backfische. Sie unterhielten sich über Toilettefragen; im Februar sollte in Zielenberg der Landschaftsball stattfinden, und das war immer ein Ereignis.
Zernin hatte rasch ein paar Züge Zigarette geraucht und war dann in die Salons zurückgekehrt. Sein Herz klopfte ungestüm. Er fand selbst, daß er nicht mehr der alte war. Er war in grimmigster Laune und durfte sie nicht austoben lassen. Er wußte ganz genau, daß die Rede Usens eine abgekartete Sache war – so eine Art „Restitutionsedikt“ für ihn. Aber nichtsdestoweniger war sie brutal und taktlos gewesen. Er kam sich unglaublich lächerlich vor in der Rolle des reuigen Sünders. Im Grunde seines Herzens war ihm die ganze Gesellschaft der Umgegend heute genau so gleichgültig wie früher; heimlich „pfiff“ er noch immer auf die Welt. Aber es half alles nichts; er mußte katzbuckeln und ein frommes Gesicht machen, wenn die Wellen nicht über ihm zusammenschlagen sollten.
Er suchte Hedda. Er mußte noch ein Wort mit ihr sprechen. Sie hatte sich mit der Woydczinska unterhalten und fragte nun nach ihrem Vater.
„Der sitzt schon beim Whist,“ antwortete Klaus.
„Gut so. Da ist er untergebracht. Mit wem spielt er?“