„Es ist alles besorgt, Papa. Aber ich glaube, es ist im Rauchzimmer zu einer kleinen Streitigkeit gekommen –“
„Streitigkeit? Zwischen wem?“
„Zwischen Hauptmann Biese und Herrn von Zernin. Ich weiß nicht, um was es sich handelt. Ich hörte nur, daß der alte Usen zum Kammerherrn von Ponteck sagte: ‚Diesmal hat Zernin recht gehabt‘ – und der Kammerherr antwortete: ‚Es schadet gar nichts, wenn er dem dicken Schwadroneur einen kleinen Denkzettel gibt.‘“
Schellheim war außer sich.
„Also gar ein Duell! Donnerwetter, und das in meinem Hause – Donnerwetter – –“
Er stürmte fort. Sein Protektor, Exzellenz Usen, sollte ihm Rede stehen. Er erwischte ihn, als der alte Herr sich gerade einen Kognak von einem Diener reichen ließ.
„Was soll denn los sein, Bester!“ antwortete er, den Kopf in den gedrungenen Nacken werfend den Kognak hinuntergießend, „gar nichts ist los! Biese und Zernin haben sich ein bißchen gekabbelt, und Zernin hat sich dabei ganz anständig benommen. Vielleicht schießen sie morgen ein paar Kugeln in die Luft – vielleicht auch nicht. Das hat nichts auf sich. Tun Sie nur so, als hätten Sie gar keine Ahnung von dem Zwischenfall!“
Das war maßgebend für Schellheim. Exzellenz Usen war wie das Evangelium für ihn.
Er mischte sich wieder unter die Gäste. Der Aufbruch der einen Partie versetzte die ganze Gesellschaft in Unruhe. Man rief nach den Dienern. „Der Schönwaider soll anspannen!“ – „Der Klein-Güstener auch!“ – „Der Wagen von Wernochow!“ Schellheim versuchte vergeblich, diesen und jenen noch ein halbes Stündchen zurückzuhalten. Alles empfahl sich mit größter Herzlichkeit. Es sei reizend gewesen, ganz reizend – auf baldiges Wiedersehen! – Auch Hauptmann Biese merkte man nichts von dem Streit im Rauchzimmer an, hinter dessen Geheimnis Schellheim noch immer nicht gekommen war. Er drückte dem Kommerzienrat warm die Hand und nannte ihn „lieber Nachbar“. Im allgemeinen Aufbruch empfahl sich auch Klaus, höflich, liebenswürdig, etwas zurückhaltend. Vor Hedda verbeugte er sich nur. Dicht hinter ihm sauste der phantastische Schwanenschlitten der Woydczinska den Abhang hinab.
Vor dem Portale hielt die lange Reihe der Wagen und Schlitten. Ihre Lichter glänzten durch die Schneenacht. In der kleinen Entree drängten sich die Gäste, bereits in Plaids gehüllt, in Pelze, Decken und Mäntel. Die Hakennase des Majors von Nehringen lugte wie ein Fanal aus dem hochgeschlagenen Kragen. Das kleine C des Oberförsters mußte sich noch den dicken Shawl des Papas um Hals und Mund wickeln lassen. „Aber, Mama,“ ächzte der Backfisch, „ich kriege ja gar keine Luft!“ – „Kriege keine,“ erwiderte die energische Mutter; „wenn du morgen hustest, mußt du im Bett bleiben und schwitzen“.... Exzellenz Usen sah in seinem verschossenen Militärmantel und der flauschigen Jagdmütze wie ein Riesenpilz aus vorsündflutlichen Zeiten aus. Doktor Stramin hatte rasch noch den Landrat in eine Ecke gezogen und erzählte ihm von zwei Sozialdemokraten, die sich in Zielenberg eingenistet hätten. „Ein Schuster und ein Klempner, Herr von Wessels, und das wühlt von unten auf, das frißt sich in die Höhe, das vergiftet alles, wenn man nicht rechtzeitig einen Riegel vorschiebt ...“ Er schwatzte immer noch weiter, während draußen sein Wagen wartete.