„Es war sehr gelungen,“ sagte der Kommerzienrat, der nach jeder Festlichkeit in seinem Hause Kritik zu üben pflegte. „Im allgemeinen wenigstens. Die Sauce zu den Artischocken hätte etwas sämiger sein können. Wenn man schon Sauce zu den Artischocken gibt, muß sie auch tadellos sein. Aber die meisten merkten es gar nicht; man ist hier doch noch etwas zurück. Und dann kam das Bier zu spät. Was zwischen Herrn von Zernin und dem dicken Biese vorgefallen ist, weiß ich nicht. Ich will es auch nicht wissen, und ihr“ – er meinte damit seine Frau und Gunther – „wißt es ebenfalls nicht, wenn ihr’s auch wirklich wüßtet. Denn über so etwas sieht man hinweg. Gunther, ich hoffe, der morgige Tag wird ein Freudentag für uns werden. Hellstern ist ein Ehrenmann; unter den Schlacken der Vorurteile sitzt doch ein wahrhaft adliges Herz. Und Hedda erst! Gunther, ich gestehe dir offen, ich bin besiegt.“
Er umarmte seinen Sohn und küßte auch die Rätin, der über so viel ungewohnte Liebe die Augen zu tränen begannen, auf die Stirn. Die Diener schlichen auf den Zehenspitzen an der Gruppe vorüber und wunderten sich.
Derweilen entschied sich das Schicksal des armen Gunther.
Hellstern hatte die Absicht gehabt, erst am nächsten Morgen beim Frühstück mit Hedda Rücksprache zu nehmen. Das war nämlich jene Stunde des Tages, in der alle beide am zugänglichsten waren. Sie saßen sich dann gegenüber am Teetisch, der vor den einzigen Kamin des Hauses – im sogenannten Saal – geschoben war, und es war auch die einzige Zeit am Tage, da in diesem Kamin ein lustiges Feuer loderte. Er brauchte viel Holz und man mußte sparen. Am selben Platze hatte man auch schon zur Zeit, da die Baronin noch am Leben war, das Frühstück eingenommen, und es war immer, als sei der Geist der Verstorbenen um diese Stunde den beiden besonders nahe.
Aber der Entschluß Hellsterns änderte sich, als er neben Hedda im Wagen saß und den Auberg hinabfuhr. ‚Es ist besser, du machst die Geschichte kurzerhand ab,‘ sagte er sich. In Wahrheit brannte es ihm auf der Seele, zu erfahren, wie Hedda über die Werbung dachte. Er bildete sich ein, sein Töchterchen auf das genaueste zu kennen; wenn man verliebt ist, benimmt man sich nicht so wie alle Tage. Er räusperte sich in seiner lauten und derben Weise.
„Ja, Vater!“ fragte Hedda und zuckte in ihrem Winkel wie erschreckt zusammen. „Sagtest du etwas?“
„Herrjeses, Hedda, ich glaube wirklich, du fängst mir an, nervös zu werden! Wenn ich mal ‚hm‘ mache, erschrickst du, als ob es eingeschlagen hätte. Nein, ich sagte nichts, aber ich wollte etwas sagen. Nämlich – denke dir, da hat der Kommerzienrat mit mir gesprochen –“
„Wegen der Quelle?“
„Nein – deinethalben.“