„Das ist eine Unverschämtheit!“ rief sie empört. Aber sofort tat ihr dieser Ausruf leid. „Das ist naiv,“ fuhr sie, sich selbst beschönigend, fort. „Wie kommt der Rat auf eine so absonderliche Idee?“

„Gunther hat ihm sein Herz ausgeschüttet. Er meint, er liebe dich. Und es muß doch wohl die Hoffnung in ihm leben, du würdest seine Liebe nicht so ohne weiteres fortweisen.“

„Berechtigung zu dieser Hoffnung habe ich ihm nicht gegeben, Vater.“

„Wenn du es sagst, glaube ich dir’s aufs Wort. Aber man täuscht sich oft in so subtilen Empfindungen. Gunther mag in seiner Schwärmerei eine Liebenswürdigkeit deinerseits für Entgegenkommen gehalten haben. Ganz sicher war er seiner Sache zweifellos nicht; immerhin war es taktvoll von ihm, daß er durch seinen Vater sozusagen erst die Fühler ausstrecken ließ.“

Hedda schüttelte den Kopf.

„Mir ist es unklar, Papa ...“

„War es mir auch, Herzenskind. Ich kenne dich doch. Ich hätte schon gemerkt, wenn dein Herz lebendiger geworden wäre. Und ich gesteh’ dir offen, ich wurde ein klein bißchen eifersüchtig, als der Kommerzienrat mit mir sprach. Es kam auch ein Gefühl von Kränkung und Zurücksetzung dazu. Ich fragte mich: ‚Bist du denn nicht der Erste, dem sich dein Kind anzuvertrauen hat, wenn es sich um so wichtige Dinge, um Herzens- und Lebensfragen handelt?‘“

Hedda antwortete nicht. Sie dachte an jene Zeit, da die Liebe zum erstenmal wie Frühlingsbrausen und Wettersturm durch ihr Herz gezogen war. Gleich einer Träumenden war sie damals umhergewandelt, war blasser geworden und abgemagert – und der Vater hatte nichts gemerkt. Und nach einer endlos langen und bangen Nacht war sie in ihrer Seelenqual schließlich zu dem alten Pastor hinübergelaufen, statt sich an der Brust des Vaters auszuweinen.

Hellstern räusperte sich wieder.

„Ich muß noch einiges sagen, Hedda,“ begann er von neuem. „Auch der Kommerzienrat hat die heikle Sache mit taktvollen Händen angefaßt – wie ein Mann von Welt, ich kann es nicht leugnen. Aber er setzte doch gleich mit Zukunftsmusik ein; es herrscht eine ausgesprochene Wagnersche Atmosphäre in dem Hause. Er will Döbbernitz kaufen und ein Fideikommiß für Gunther daraus machen; da solltet ihr denn im Sommer leben –“